Länderberichte

Mauritius | Tropentraum für alle

Dietmar Denger
Geschrieben von Dietmar Denger
Mauritius – das klingt nach Sehnsuchtsort. Vor allem Honeymooner gönnen sich das Luxus-Turteln im Indischen Ozean. Dabei muss ein Mauritius-Urlaub nicht unbedingt teuer sein …

Gegen Mittag erwacht das Auge von Le Morne auf Mauritius aus seinem Dämmerschlaf. Sobald am Strand die dürren Stäm­me der Kasuarinen-Bäume anfangen, sich wie ein Ballett im Wind zu wiegen, und auf dem Meer die ersten Wellen weiße Zipfel tragen, werden auch die Kite­surfer auf ihren Badetüchern unruhig. Rucksäcke werden entpackt, Mietautos entladen und die wurstförmigen Schwimmer der bunten Kites aufgeblasen.

Natalia kann es kaum erwarten. Mit ihrer Freundin zu­sammen macht sie schon das dritte Mal Kite-Urlaub auf Mauritius. Zusammen haben die beiden mit Lenkdrachen und Boards im Gepäck schon so manchen Hotspot für Windspieler bereist, aber dieser Platz hier, „One Eye“ genannt, „der ist absolut genial“, findet die junge Frau aus Moskau. Freundin Anna nickt. „Nicht so nervig wie Marokko oder Ägypten, nicht so kalt wie die Bretagne, nicht ganz so weit wie Hawaii.“

Sanfter Osten, tougher Westen

Mauritius ist bekannt für seine Strände und Lagunen im Norden und Osten, rund um den eindrücklichen Felsen Le Morne Brabant im Südosten zeigt die Insel dagegen ein eher raues Gesicht, das Wind- und Kitesurfer überaus anziehend finden.

Der 556 Meter hohe Berg, dessen Gipfel auch als Wanderziel beliebt ist, steht auf einer Halbinsel, die wie der Kopf eines Hammerhais geformt ist und den Seewind gleich aus zwei Richtungen ansaugt. Das Ergebnis: steife Brisen, die Kites und Surfer wie Geschosse übers Meer ziehen.

Am Strand von Belle Mare, einem hübschen Dorf an der Ostküste der Insel

Am Strand von Belle Mare, einem hübschen Dorf an der Ostküste der Insel

An diesem Nachmittag sieht das besonders spektakulär aus, denn die Farben der Kites und Surfer heben sich gut ab vor den Wolkenungetümen, die sich über dem Indischen Ozean aufbauen. Die Gischtfahnen, die die Kiter hinter sich herziehen, glitzern in der Sonne wie der Schweif von Kometen. Nur ein paar Dutzend Kite- und Windsurfer tummeln sich bei diesen Idealbedingungen in der Bucht.

„Ein weiterer Vorteil von One Eye ist“, findet Natalia, bevor sie den Kite startet, „dass es nicht überlaufen ist. Fast so etwas wie ein Geheimtipp.“ Dass Mauritius so wahnsinnig teuer sei, wie immer behauptet wird, kann sie nicht bestätigen. Die beiden wohnen in einem kleinen Hotel im Fischerdörfchen La Gaulette, zehn Minuten vom Surfstrand entfernt, „das Zimmer für 80 Euro die Nacht, weniger zahlt man in Spanien auch nicht.“

Schlicht moderne Zimmer im Hotel "Cocotiers" in der Baie du Tombeau

Schlicht moderne Zimmer im Hotel „Cocotiers“ in der Baie du Tombeau

Traum-Bucht von Tamarin

Das Kitesurfing hat dem Wellenreiten auf Mau­ritius den Rang abgelaufen, was auch am Klimawandel liegt. Die Bucht von Tamarin, etwas weiter nördlich gelegen, war einst Szenetreff der Surfer, aber eine Verlagerung von Wind und Meeresströmungen lässt hier nur noch selten große Wellen entstehen. Ideal für Anfänger … und das in einer Beach-Idylle ab­seits vom Mainstream der großen Hotels an der Ostküste. Auch hier gibt es wie in La Gaulette eine gute Auswahl an günstigen Unterkünften.

Relaxen am weißen Sandstrand des luxuriösen „Lux Belle Mare“ im gleichnamigen Dorf an der Ostküste

Relaxen am weißen Sandstrand des luxuriösen „Lux Belle Mare“ an der Ostküste

Mauritius für die Kehle: Vanille- oder Kokos-Rum

Im Vergleich zur Nachbarinsel La Réunion ist Mauritius viel älter. Die Erosion hat sich hier mächtig ins Zeug gelegt und einst mächtige Vulkane bis auf schroffe Überbleibsel abgetragen. Diese Reste ragen bis zu 828 Meter in den Himmel. Der Piton de Petite Rivière Noire etwa sieht aus wie eine Mini-Tropenversion des Matterhorns.

Eine perfekte Landschaft ist entstanden, die an einen großen Garten erinnert.Davon kann man sich bei einer Fahrt von der Ost- an die Westküste überzeugen. In unzähligen Kurven mäandern die engen Straßen durch Bambuswäldchen und Alleen von ausladenden Flamboyant-Bäumen, vor­bei an Zuckerrohrfeldern und Ananasplantagen.

Lecker Thunfisch im Restaurant des Hotels "Cocotiers"

Köstlicher Thunfisch im Restaurant des Hotels „Cocotiers“

Lohnende Stopps? Die Rhumerie de Chamarel, fotogen in die blühende Land­schaft eingepasst, wo man Spezialitäten wie Vanille- und Kokosrum probieren kann und in der man hervor­ra­gend isst. L’Aventure du Sucre ist ein anderes lebendiges Industriedenkmal: In der Zuckerfabrik drehen sich bis heute die XXL-Schwung­räder der Dampfmaschinen, wenn auch nur zu Demozwecken. Und der Botanische Garten von Pamplemousses zeigt, was am Indischen Ozean so alles wächst und gedeiht – allein Vertreter von 80 Palmenarten fächeln sich in dem Park Luft zu.

Pritschen und Baggern am Strand des "Lux Belle Mare"

Pritschen und Baggern am Strand des „Lux Belle Mare“

Affen, Hirsche, Honeymooner

Die Île aux Cerfs ist bewohnt von Affen, die man über­all sieht, … und angeblich bis heute von den namengebenden Hirschen. Die sieht man aber nicht. Der Tagesausflug auf die Insel gehört zu den beliebtesten Trips von Mauritius-Urlaubern, entsprechend viel los ist entlang des Vier-Kilometer-Sandstrands. Vor allem an einem Sonntag, wenn sich zu den Touristen noch viele Einheimische gesellen, die zum Picknick in Familienclan-Stärke anrücken. Das Schöne am Strand ist, dass er immer wieder von blickdichten Felsen unterbrochen ist, die eine Art natürlicher Beach-Separees schaffen, in de­nen zum Plätschern der Wellen geturtelt werden kann. Ganz ideal für die wichtigste Klientel, schließlich rangiert Mauritius in den Top Ten der Traumziele für den Honeymoon ganz oben.

Viele geben sich auch das Ja-Wort in der Tropenhitze, am weißen Strand eines Luxushotels, in einem U-Boot mit bunten Fischen als Trauzeugen oder in der hübschen Kapelle Notre-Dame Auxiliatrice am Cap Malheureux im Inselnorden. Und zum Beach-Ausflug auf die Île aux Cerfs bringen nicht wenige Pärchen ihren eigenen Hochzeitsfotografen mit.

Kitestrand One Eye bei Le Morne – der beste auf ganz Mauritius!

Kitestrand One Eye bei Le Morne – der beste auf ganz Mauritius!

Anstrengend: Schildkröten-Sex

Geheiratet wird auch auf der Île aux Aigrettes, dabei weit weniger pompös. Landschildkröten-Sex ist zudem ein eher anstrengendes Prozedere für beide Beteiligten, „bei dem die Oberseite der Panzer eine wichtige Rolle spielt“, wie Rangerin Angelique von der Mauritius Wildlife Foundation erklärt. „Der Teil gehört zu den sensibelsten Zonen überhaupt, drum bitte nur ganz vorsichtig anfassen!“ Das Inselchen, das vom Strand bei Mahébourg aus so unscheinbar wirkt, entpuppt sich als Tummelplatz sonderbarster Kreaturen.

Das Naturreservat ist Refugium einer ursprünglichen Flora und Fauna, wie sie auf der Hauptinsel längst verschwunden ist. Auf den grauen Ästen der Ochsen- und Rattenbäume des lichten Inselwalds hocken Exemplare der rosa Mauritioustaube wie angewurzelt, und würden sie nicht relaxt gurren, könnte man meinen, sie seien gar nicht echt.

Aldabra-Riesenschildkröte im Naturreservat Île aux Aigrettes

Unaufgeregt: Aldabra-Riesenschildkröte im Naturreservat Île aux Aigrettes

Durchs Gehölz schleichen gestreifte Telfair-Skinks. Die großen Eidechsen waren bis vor Kurzem ebenfalls vom Aussterben bedroht. Gesichert ist dank Schutzmaßnahmen und fortpflanzungsfreudiger Grundeinstellung jedenfalls der Bestand der Aldabra-Riesenschildkröte, die auch auf den Seychellen zu finden ist. Einige der entspannten Giganten auf der Île aux Aigrettes haben sich bereits ans Maximalgewicht von 250 Kilo herangemampft und halten nahe dem Besucherzentrum zu Dutzenden Mittagsschlaf. Mehr als 200 Jahre alt sollen sie werden, was aber auch nicht reicht, damit die ältesten Schildkröten-Greise zu ihrer Teenie-Zeit noch die letzten Dodos erlebt haben könnten. Schon Ende des 17. Jahrhunderts starb der pummelige Laufvogel aus, der auschließlich auf Mauritius vorkam.


Cocotiers Hotel

Schönes und preiswertes Hotel an einem kleinen Sandstrand nördlich von Port Louis. 16 Seaview- und 32 Gardenview-Zimmer in doppelstöckigen Bungalows; sie liegen unter hohen Palmen in einem großen Garten. Mit hervorragendem Restaurant. DZ/F ab 75 Euro

The Rusty Pelican Guest House

Vier riesige, moderne Apartments und ein Pool machen die kleine Privatpension im Dörfchen La Gaulette zur idealen Unter­kunft nicht nur für die Kitesurfer, die es von hier zum Top-Spot „One Eye“ nicht weit haben. 55 Euro/F/Person

Guest House Chez Jacques

Die schöne Privatpension liegt in einem Palmengarten. Allein schon das Haus in knalligem Orange ist ein Hingucker, auch die Zimmer sind in leuchtenden Farben gestrichen. Nur 100 Meter von der traum­haft schönen Bucht von Tamarin entfernt. DZ/F 60 Euro

Infos

Mehr Auskünfte: Tourismusbüro Mauritius


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Über diesen Autor

Dietmar Denger

Dietmar Denger

Zuhause in beiden Welten – Bild und Text – und bietet Fotoreportagen aus einer Hand: unkompliziert in der Umsetzung vor Ort, stimmig und intensiv im Zusammenspiel von Text und Bildern. Fotografieren und gutes Schreiben lernte er schon früh als freier Mitarbeiter bei Zeitungen und der dpa. Mit Fotos und Texten finanzierte er sich das Studium der Medienwissenschaften und Tourismus-Geographie. Danach folgte ein Volontariat bei „Max“, ehemals das Magazin schlechthin für Foto-, Design- und Popkultur. Später war er Redakteur bei „abenteuer und reisen“ und leitender Redakteur beim „ADAC reisemagazin Traveller“. Mit Reportagen aus aller Welt lebt er seine Begeisterung fürs Reisen, mag bei der Fotografie Menschen ganz nah ebenso wie Stadtporträts, grandiose Naturlandschaften genauso wie Lifestyle, Design und Architektur. Zeitgemäße Themen und Motive für seine zweite Leidenschaft Berge findet der gebürtige Westfale zwischendurch immer wieder gern rund um seine Wahlheimat in den Bayrischen Alpen.

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