Länderberichte

Mekong-Cruise | So schön ist Kambodscha!

Robert Haidinger
Geschrieben von Robert Haidinger

Kambodscha, das kleine Land zwischen Thailand und Vietnam, hat so viel mehr zu bieten als „nur“ die weltberühmte Tempelruinenstadt Angkor. Wie groß seine Vielfalt ist, zeigt eine Mekong-Cruise und Fahrt auf dem Tonle Sap River

Der Tag, an dem ich im Andong Russei Pottery Village, einem von zwei traditionellen Keramikzentren Kambodschas, gleich elf Mal zuschlug, war generell kein schlechter. Das hatte mit einem Frühstück zu tun, in dem eine Überdosis frischer Kräuter selbstverständlich ist, die jedes Buffet in einen kleinen Urwald verwandeln. Einen Plan gab es für diesen Tag auch, so wie es sich für eine Mekong-Cruise an Bord der exklusiven „Aqua Mekong“ auch gehört. Exkursionen zu Fuß oder per Mountainbike, im bequemen Tuk-Tuk, per Kajak und einmal sogar auf einem Ochsenkarren sorgen dann für Abwechslung.

Mekong-Cruise: „Aqua Mekong“: Quadratisch, praktisch, edel und mit 20 Kabinen

Mekong-Cruise auf der „Aqua Mekong“: Quadratisch, praktisch, edel und mit 20 Kabinen

Töpfereibesuch in Kampong Chhanang

Das große Bild bleibt sich flussauf, flussab treu. Auf Hügelkuppen thronen goldene Spitzen lokaler Wats, und die übrige Verbauung wirkt bald ziemlich vertraut. Immer wieder Pfahlbauten, aus grauem Holz und mit rostigen Blechdächern. Daneben kleinere Felder mit weißen Zebu-Rindern und  Wasserbüffeln. Mit Hühnervolk, Watschelenten und Froschorchestergräben neben Seerosenteichen. Mit Reisbauern, die durchs Hinterland balancieren, und mit Kindern neben großen Wasserkrügen aus grauem Zement. Kurz: Am Flussufer ebnet sich das eine Generation zuvor so grausam aufgewühlte und zerrissene Land – Stichwort: Khmer Rouge – harmonisch ein. Fast hat man das trügerisch schöne Gefühl: Es gehört allen ein wenig zugleich, so wie der bleigraue Himmel und wie die Angst vor Chinas langem Arm und vor den Grundstückstricksereien einer korrupten Langzeitregierung.

Mekong-Cruise: Marktbesuch: Wie wär's mit Frosch vom Grill?

Mekong-Cruise mit Marktbesuch: Wie wär’s mit Frosch vom Grill?

Zweitens aber war an diesem Tag ohnehin nicht der Weg das Ziel, sondern das Dorf Kampong Chhnang. Chhnang bedeutet auf Khmer so viel wie Tontopf. Genau darum ging es am Tag drei der Mekong-Cruise: Terrakotta, das von dieser Gegend aus an Highway-Läden des ganzen Landes gekarrt wird, sowie um feinere Ware, die Kooperativen wie jene von Andong Russei dank japanischer Unterstützung aus dem roten Laterit-Ton und dem Katzengold der nahen Hügel herausholen.

Mekong-Cruise: | Der Käptn steuert die modern designte „Aqua Mekong“ sicher über alle Untiefen. Für Landgänge gibt es wendige Tenderboote

Der Käptn steuert die modern designte „Aqua Mekong“ sicher über alle Untiefen

Kambodschanischer Dorfalltag

Doch der Töpfereibesuch dient auch als Hintertür in den kambodschanischen Dorfalltag. Dort warten Kind und Kegel unter Pfahlbauten neben Reisfeldern. Die Akrobatik der Zuckerpalmsaft-Zapfer zwischen den dünnen Stämmen wirkt plötzlich so vertraut wie der Geschmack des Selbstgebrannten, zu dem man den Besucher sicher einlädt. Dorfpolizist, Ochsenkarren, das orangerote Leuchten der Mönchskutten, schüchterne Schulklassen in Uniformen, staksende Reiher in Reisfeldern, der Geruch der frisch gegrillten Fische und der gefüllten Frösche – alles selbstverständlich da.

Mekong-Cruise: Wenige Seen sind fischreicher als der Tonle Sap. Der Fluss gleichen Namens mündet in den Mekong

Wenige Seen sind fischreicher als der Tonle Sap. Der Fluss gleichen Namens mündet in den Mekong

Bei dieser Mekong-Cruise zählt das unmittelbare Erleben. Mal gibt das Hämmern der Silberschmiede von Koh Chen den Takt an. Dann ist es das harte Hufklappern beim Ochsenkarren-Trip rund ums Dörfchen Kampong Tralach. Aber manches ragt denn doch heraus: der Welterbekandidat Udong am Tonle Sap River etwa, der von 1618 bis 1866 die Hauptstadt Kambodschas und ein Machtzentrum der Angkor-Dynastie war. Davon zeugen Relikte wie die schneeweiße Stupa Preah Sakiamoni am „Berg des königlichen Vermögens“, dem Preah Reach Throap.

Mekong-Cruise: Cruise-Teilnehmer können auf Ochsenkarren die Gegend um Kampong Tralach erkunden

Cruise-Teilnehmer können auf Ochsenkarren die Gegend um Kampong Tralach erkunden

Mekong-Cruise trotz wenig Wasser …

Unerwartet stellt der Wasserstand den Ablauf der Mekong-Cruise auf den Kopf. Denn eigentlich stand nach der Angkor-Ouvertüre in Siem Reap ein Cruise-Start am berühmten Tonle Sap auf dem Plan, Südostasiens größtem Binnengewässer, bekannt für seine reiche Vogelwelt und für die schwimmenden Dörfer.

Immer neue Staudämme (trockene Grüße aus China!) und ein schwacher Monsun sorgen gerade für besonders niedrigen Wasserstand. Das verändert am Beginn der River-Cruise auch die Reisepläne: Anstelle der Einschiffung am Tonle Sap ankert die „Aqua Mekong“ in Phnom Penh. Die paar Stunden Transfer auf dem besten Highway des Landes outen sich als Glücksfall. Die Nationalstraße Nr. 6, die den touristischen Cover-Star Siem Reap mit der schnell wachsenden Hauptstadt verbindet, sieht nicht nur wie eine liebliche Landstraße aus, die viel Holzhaus-Architektur säumt, sondern wartet mit einigen Überraschungen auf.

Mekong-Cruise: Angkor Them: Gesichtertürme aus dem 13. Jahrhundert

Angkor Them: Gesichtertürme aus dem 13. Jahrhundert

Uralte Angkor-Steinbrücke

Erster Stopp: Kampong Kdei, wo sich eine astreine Angkor-Steinbrücke aus dem 12. Jahrhundert findet. Kaum zu glauben, dass vor noch nicht allzu langer Zeit der Schwerverkehr über sie hinwegdonnerte, vorbei an den steinernen Schlangenköpfen der heiligen Naga-Steine, denen weiterhin Opfer gebracht werden. Lange galt die aus 20 schmalen Bögen komponierte Spean Praptos als weltlängste Steinbogenbrücke.

Wenig später sehe ich dieselbe Brücke noch einmal: Auf der 5.000-Riel-Banknote, für die es im weiter südlich liegenden Dorf Skun einige spezielle Leckerbissen gibt. Genauer gesagt: 40 knackige Spinnenbeine, die zu fünf frittierten Taranteln gehören. Skun ist das Spider-Ville der Provinz Kampong Thom und ein beliebter Stopover durchreisender Hardcore-Gourmets.

Mekong-Cruise: Authentische, feine Küche erwartet die Gäste auf der „Aqua Mekong“

Authentische, feine Küche erwartet die Gäste auf der „Aqua Mekong“

Einzigartig: Fluss mit wechselnder Fließrichtung

Man kann nicht genug Arme und Beine haben. Das findet wenig später auch der vietnamesische Kapitän, der die neuen Passagiere begrüßt. Und es gibt weitere Infos zum Thema Wasserstand. Die Kurzfassung: Auch zu viel Mekong-Wasser hat seine Tücken. Denn dann wird die Durchfahrt unter mancher Brücke eng. Dazu kommt die Besonderheit des Tonle Sap River, der bei Phnom Penh in den Mekong mündet und ein wenig an ein riesiges Jo-Jo erinnert: Als einziger Strom der Welt ändert er die Fließrichtung, was am geringen Gefälle der dampfenden Ebenen liegt, die sich von hier bis zum Südchine­sischen Meer ziehen. Steigt der Wasserstand des Mekong während der Regenzeit, drängt er den Tonle Sap in den dahinterliegenden See zurück. Sinkt das Niveau wieder, presst das Wasser des Tonle-Sap-Sees den Fluss in Richtung Mekong.

Doch ganz gleich, wohin es den ungewöhnlichen Fluss gerade zieht: Passagiere der „Aqua Mekong“ haben in jedem Fall einen Vorteil. Und die flachen Exkursions-Skiffs mit robustem Aluminiumboden nehmen es mit jeder Uferbeschaffenheit auf – während mitreisende Onboard-Guides im Laufe der Tage ihre Gäste immer besser kennenlernen.

Mekong-Cruise: Für die Tänzerinnen ist der Folklore-Auftritt vor den Touristen eine wichtige

Für die Tänzerinnen ist der Folklore-Auftritt vor den Touristen eine wichtige Einnahmequelle

Relaxte Mekong-Cruise

Die „Aqua Mekong“ ist keine jener schwimmenden Lady-Butterfly-Bühnen, die neben dem jeweiligen Reiseziel vor allem Kurs auf operettenreife Fernostklischees nehmen. Wuchernde Bambus-Deko und Seidenstoffe mit hypertrophen Orchideen-Designs sucht man hier vergebens. Koloniale Nostalgie wird ebenfalls dezent heruntergedimmt. Stattdessen dominiert internationaler Style mit gedeckten Farben und etwas skandinavischem Purismus.

Mekong-Cruise: Hier sitzt man in der ersten Reihe. Sogar einen Pool gibt es auf dem Freideck der „Aqua Mekong“

Hier sitzt man in der ersten Reihe. Sogar einen Pool gibt es auf dem Freideck der „Aqua Mekong“

Gerade einmal 62 Meter von Bug bis Heck und zwei Decks für lediglich 20 Kabinen unterstreichen die Exklusivität der „Aqua Mekong“. Ähnliches gilt für die vom Tropenholzboden bis zur Decke reichenden Panoramafenster. Ob man die vorüberziehende Landschaft von der Rooftop-Bar aus oder als Insasse des kleinen, kreisrunden Swimmingpools genießen will, das ist Geschmackssache. Morgendliche Meditationsklassen, Vorträge zu Land und Leuten, eine Apsara-Tanzshow und Koch-Sessions verkürzen die Stunden an Bord.

Mekong-Cruise: Aqua Mekong: Stylisch-moderne Inneneinrichtung, hier Salon mit Bar

Stylisch-moderne Inneneinrichtung, hier Salon mit Bar

Kleine Fluss-Insel Koh Oknha Tey

Das einzig Schlimme daran: Einmal ist der Spaß auch wieder vorbei und eine Exkursion die letzte. Die kleine Mekong-Insel Koh Oknha Tey, auf der Seidenmanufakturen vor sich hinwerken, und eine allerletzte Segnung im Wat des traditionellen und für lange Drachenboote berühmten Khmer-Dörfchens Preah Prasob machen es nicht leichter.

Mekong-Cruise: Die mit einem Designpreis aus­ge­zeichnete „Aqua Mekong“ im Abendlicht

Das mit einem Designpreis aus­ge­zeichnete Fluss-Kreuzfahrtschiff im Abendlicht

Gut, dass die Crew eine letzte Überraschung vorbereitet hat: Der Sundowner auf einer einsamen Mekong-Insel lässt sich wahlweise in Regiestühlen oder zwischen bequemen Kissen genießen. Zuerst ziehen lachsrosa Wolken vorbei, doch das Grundmotiv liefert der Fluss: ruhig und breit, mit Teppichen von Wasserhyazinthen und kleinen Sampan-Booten im silbrigen Abendlicht. Wenn „Mae Nam Khong“, die „Mutter aller Wasser“ alias Mekong, nördlich von Phnom Penh die Kurve kratzt, hat sie bereits eine 4.500 Kilometer lange Reise hinter sich. 480 davon in Kambodscha.


Info Mekong-Cruise

Anreise Nach Siem Reap in knapp 16 Stunden und mit Stopp in Bangkok mit Lufthansa, mit Thai in 13 Stunden und einem Stopp in Bangkok oder mit Singapore Airlines/Silk Air in 16 Stunden und Stopp in Singapur (dort Stopover-Angebote ab 27 Euro/Person/Nacht); Tickets ab 1.045 Euro. lh.com | thaiairways.com | singaporeair.com | silkair.com

Aqua Expeditions Die mit einem Designpreis aus­ge­zeichnete „Aqua Mekong“ von Aqua Expeditions lädt ein zu High-end-Flusskreuzfahrten. Auf drei Ebenen stehen 20 geräumige AirCon-Kabinen zur Verfügung. Die Menüplanung an Bord kreiert Michelin-Sterne-Koch David Thompson. Täglich zwei Exkursionen, auf Wunsch auch per MTB. Zu den 40 Crew-Mitgliedern gehö­ren vier englischsprachige Guides und ein Schiffsarzt. Sieben Nächte Aqua Mekong Expedition Cruise auf Mekong und Tonle Sap River zum Frühbucherpreise ab 4.778 Euro pro Person (ohne Anreise). aquaexpeditions.com | Buchung über airtours.de

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Bildquellen

  • Mekong_Schiff Aqua Mekong: © Robert Haidinger
  • Mekong_Froesche vom Grill: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff Aqua Mekon_Kaeptn: © Robert Haidinger
  • Mekong_Tonle Sap_Fischer: © Robert Haidinger
  • Ochsenkarren: © Robert Haidinger
  • Ankor Thom Tempel: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff Aqua Mekong_Koch: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff Aqua Mekong_Taenzerin: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff Aqua Mekong_Freideck: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff Aqua Mekong_Innen: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff Aqua Mekong1: © Robert Haidinger
  • Mekong_Schiff_Dämmerung: © Robert Haidinger

Über diesen Autor

Robert Haidinger

Robert Haidinger

Seit drei Jahrzehnten Foto-Nomade mit Ankerplatz Wien mit extremer Reiseerfahrung. Er arbeitete in bislang über 80 Staaten und auf fünf Kontinenten. Der Schwerpunkt dieser Reisetätigkeit liegt neben Afrika und Zentralamerika vor allem im kulturell so komplexen Asien. Langzeitaufenthalte in Japan, China, Sri Lanka und Indien machen ihn zum Spezialisten dieser Region. Seine Arbeiten werden von der Kölner Agentur Laif vertreten. „Meine fotografische Arbeit wird von unterschiedlichen Welten geprägt, die im Idealfall miteinander kommunizieren. Zum einen wäre da die Sensibilisierung auf moderne Lifestyle-Codes, geschärft durch langjährige Arbeit in den Bereichen Design und Architektur. Das Eintauchen und Verstehen fremder Kulturen setzt wiederum eine ganz andere Form von Erfahrung voraus – erworben durch Jahrzehnte lange intensive Kontakte auf allen gesellschaftlichen Ebenen Asiens. Heute fühle ich mich dort wie ein Fisch im Wasser. Zugleich führen mich immer wieder Reportage-Reisen an die „Last Frontier“: Besondere und oft raue Orte am Rande der globalisierten Welt, die eine besondere Form der Annäherung bedürfen. In unverbrauchten Weltregionen wie Mosambiks Norden oder Australiens Arnhem Land relativieren sich unsere Vorstellungen von Normalität.