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Myanmar | Wa Ale: Zurück in die Zukunft

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Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Dream now, travel later! Ideen für die Zeit nach Corona.
Das Insel-Resort Wa Ale in Myanmars Mergui-Archipel definiert Luxus-Tourismus völlig neu. Ohne TV. Ohne Klimaanlage. Ohne Minibar. Ohne Pool. Ohne Bling-Bling. Dafür …

… vollgefressene Pythons in den Bäumen, majestätische Seeadler und Brahminenweihen, Nashornvögel, Königs-Riesenhörnchen, Makaken, Flughunde, ­Zibetkatzen, Hirschferkel, Malaiische Schuppentiere und Kobras. Re-use und Recycling, wohin man blickt. Das neue Insel-Resort ist ein gelungenes Beispiel für „conservation-led luxury ecotourism“

Dichter, unberührter Dschungel auf einer 36 Quadratkilometer großen, unbewohnten Insel. Mitten im über 800 Inseln großen Mergui-Archipel, der bis 1997 für Ausländer tabu war. Rund 115 Kilometer und damit zwei Schnellbootstunden von der nächs­ten „Stadt“ entfernt. Tropisch schwüles Klima, aber keine Klimaanlage. Drei Baumhäuser und ein Café aus Abbruchholz vom birmesischen Festland.

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Von der Terrasse des Haupthauses hat man zum Frühstück wie zum Dinner einen wunderbaren Blick über den Strand auf die Andamanensee

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Die elf Zelt-Villen sind umgeben von dichtem Grün, dahinter beginnt gleich der lärmende Dschungel

Das klingt nach Askese, Leid und Entbehrung statt nach Barefoot Luxury. Der US-Amerikaner Chris Kings­ley und seine Frau Farina haben aus diesen Zutaten ein einzigartiges Angebot kreiert, das durch das selbst gewählte Etikett „Haute Bohemia Utopia“ nur unzureichend beschrieben wird.

Der 62-jährige Chris machte sein Vermögen als Chef und Eigner der Möbelfirmen Kingsley Bate und Brownstone Furniture. Er reiste über 25 Jahre hin­weg immer wieder durch Burma/Myanmar und betrieb dort sechs Jahre eine Möbelfabrik. In dieser Zeit baute er offensichtlich gute Beziehungen zum Fische­rei- und Forstministerium auf.

Das war leider weni­ger für den Schutz der Ressourcen zuständig als da­für, mit rücksichtslosem Raubbau in den Teakholzwäl­dern Burmas, die noch zu Beginn der 1990er drei Viertel der weltweiten Bestände bildeten, die Taschen der Militärjunta zu füllen.

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Resort-Eigner Chris Kingsley in der von seiner Lampi Foundation finanzierten Schule im ärmlichen Fischerdorf Sitta Galet

Wa Ale: Mit Öko-Power gegen Chinas Millionen

Unter der Regierung von Aung San Suu Kyi bekam Chris für sein unkonventionelles, fast schon verrücktes Konzept den Zuschlag, nachdem der Staat die In­sel Wa Ale im Lampi Marine National Park zur Pacht und touristischen Entwicklung ausgeschrieben hat­te.

Dschungel Fluss Wa Ale

Nur wenige Schritte von den Zeltvillen und dem River Café wird es auf Wa Ale wild, hier leben Pythons in den Bäumen

Ein Glücksfall für die Insel und den Nationalpark, blieben ihr so doch Bettenburgen chinesischer Investoren erspart, wie sie andernorts in Südostasien über­all aus dem Boden gestampft werden. Die Macher des ersten Luxus-Öko-Resorts im Mergui-Archipel für lediglich 28 Gäste nehmen die Nachhaltigkeit schmerzhaft ernst.

Haupthaus mit Bar des Wa Ale Resort

An beiden Seiten offen ist das Haupthaus. Für Kühlung sorgen die Meeresbrise und Ventilatoren an den Decke

Die Naturnähe begann beim Bau, der sich über zwei Jahre hinzog. Dabei kamen nur Handwerker aus der Region, lokale Techniken und Materialien zum Einsatz. „Kein Bagger oder anderes schweres Gerät zur Bodenbearbeitung war beteiligt, stattdessen wurde mit Schaufeln, Handsägen und Pickeln gearbeitet. Wichtig war uns auch, dass kein Baum gefällt wurde. Für den Bau haben wir kein großes Unternehmen engagiert, sondern einen lokalen Handwerker aus der Nähe, der mit seinen Jungs alles so gebaut hat, wie er immer baut“, so Chris.

Wet Landing statt Luxus-Jetty

Statt der andernorts üblichen Wege, auf denen Golf Cars Gehfaule hin und her karren, verbindet allein der Naturstrand die elf Tented Villas und das kleine River Café mit dem Haupthaus. Kein langer Jetty wurden „instagrammable“ auf die Korallen geknallt und festbetoniert.

Darum ist bei Flut für die ankommenden Gäste ein Wet Landing angesagt. Schuhe aus, Hosen hoch gekrempelt, dann waten alle durch das Wasser der Mangrove Bay zum Strand, beäugt von munteren Makaken am Ufer. Bei Ebbe geht man fünf Minuten die Felsküste entlang bis zum Schwimmponton, an dem die Speedboote festmachen.

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Diese Aussicht genießt man am Zielpunkt der morgendlichen Dschungelwanderung auf dem Paradise Trail

Chris trifft sich mit dem Fotografen und mir zweimal zum Dinner. Es sollten zwei sehr lange, überaus unterhaltsame Abende werden. Mit seinen Erzählungen über den Werdegang, die Bauarbeiten und die logistischen Herausforderungen beim Bau des Resorts ließen sich Bände fül­len.

„Das meiste Holz zum Bau unseres Haupthauses, der drei Tree Top Villas und des ,River Café‘ stammen von alten Wohn- und Lagerhäusern auf dem Festland, die abgerissen wurden. Die großen Tü­ren vor der offenen Küche im Haupthaus kommen aus einem alten Palast in Mandalay.“

Alle Möbel wurden nach den Entwürfen von Chris und seiner Frau Farina in der Fabrik auf Java hergestellt, erzählt er. „Solaranlagen liefern rund die Hälfte des benötigten Stroms, den Rest decken zwei deutsche Generatoren, die besonders leise und energieeffektiv arbeiten. Die wiegen fast zwei Tonnen und wurden – wie bei den Pharaonen – auf Rundhölzern von der Bucht den Hang hinaufgeschoben.“

Bei der Wasserversorgung setzt das Resort auf Flüsse und Regenwasser, Brunnen wurden keine gebohrt. „Das Wasser ist wenig bearbeitet und kann bedenkenlos genossen werden. Das Greywater verwenden wir zur Bewässerung der Pflanzen um die Zeltvillen und der Permakultur-Beete.“

Wie und wo er an das Personal gekommen sei, wollen wir wissen. „Viele der Jungs, die euch bedienen, haben vor zwei Jahren noch auf unserer Baustelle als angelernte Handwerker gearbeitet. Wir trainieren sie und sie machen ihren Job nicht nur gut und gern, sondern mit großem Stolz.“

Mit viel Stolz erklärt auch Sous-Chef Aung Soe zu jedem Dinner an jedem Tisch die Köstlichkeiten, die er mit Gemüse und Kräutern aus resorteigenen Bio-Anbau, Fisch aus nachhaltigem Fang und Hummer aus eigener Zucht kreiert.

Teil der Erlöse für die Lampi Foundation

„Bis dato hat unser im Oktober 2018 eröffnetes Resort über 100 Arbeitsplätze in der Region geschaffen,“ so Chris. Seine Herzensangelegenheit ist die Lampi Foundation, die mit 20 Prozent der Erlöse aus dem Resortbetrieb finanziert wird und damit Umweltprojekte, Schulen und ein Hospital im Nationalpark unterhält.

Die Bedeutung der Stiftung wird klar, als Chris uns bei schwüler Hitze durch das kleine Fischerdorf Sitta Galet auf einer winzigen Insel an der Mündung des Galet River führt. Eine Ansammlung von 40 armseligen Hütten und Hüttchen, windig, oft nur mit dünnen Ästen als Seitenwände. Umgeben von Plastikmüll, frei laufenden Schweinen und Hunden.

„Wir zahlen zwei Männer, dass sie den Müll einsammeln und uns zur Entsorgung geben, anstatt ihn wild zu verbrennen oder ins Meer zu kicken,“ erzählt Alexander, der aus Singapur stammende Resort-Biologe. „Es ist noch ein langer Weg. Ihr runzelt die Stirn über den vielen Müll, der rumliegt. Vor einem halben Jahr war es viel schlimmer. Wir kommen voran, Schritt für Schritt.“

Raubbau im Paradies, trotz Naturschutz

Wichtig ist Chris der Kampf gegen den illegalen Fischfang. Hunderte Kutter ziehen im Archipel ihre Schleppnetze über den Grund und holen aus dem Meer, was zu holen ist. Heerscharen kleiner und größerer Longtailboote tun es ihnen gleich, mitten im Lampi Marine National Park.

Unter Wasser sieht man die Folgen des Raubbaus. Beim Schnorcheln flippt unser Guide Jimmy aus, als er unter einem Felsen zwei kleine (!) Weißspitzenhaie entdeckt. Das komme nur selten vor, meint er. Dabei sind diese Tiere im Indischen Ozean keineswegs rar und etwa auf den Malediven oft zu sehen, selbst an belebten Hausriffen.

Bunte Fische gibt es, Fledermaus- und Doktorfische etwa, Hart- und Weichkorallen, Tigerschwanzseepferdchen und (oh Schreck!) viele Seeschlangen. „Wer taucht, kann am Black Rock Walhaie, Mantas und Barrakudas sehen“, schwärmt Jimmy.

Ab durch den Dschungel!

Zu den Höhepunkten eines Aufenthalts zählen die Hikes unter Führung des Resort-Biologen Alex, die in der Morgendämmerung starten und je nach Route entweder entspannt, aber tier­reich oder etwas ambitionierter und schweißtreiben­der ausfallen.

Gesehen haben wir wenig außer Brahminenweihen und ein paar Affen, gehört dafür einiges – und gerochen. Wer den Dschungel mit fiesdornigen Ranken der Rattanpalmen und stolperlistigen Banyanwurzeln auf Distanz halten will, macht Touren auf dem SUP-Board oder im Seekajak, etwa auf dem Sa­let Galet River, an dem das Ufergrün immer näher rückt, je weiter man flussaufwärts paddelt. Auch die Mangrovenwälder, über denen immer wieder mal Nashornvögel aufsteigen, sind ein wunderbares SUP-Revier, das man lautlos und mit gutem Blick durchs klare Wasser erkunden kann.

Ein Unikum sind die Zikaden auf der Insel. Diese Biester sprengen mit monotonem Höchstfrequenz-Lärm schier das Gehör. Dabei wird nicht mediterran gezirpt, sondern ein extrem hochfrequenter Ton für Minuten gehalten. Das klingt eher nach Mikrofonrückkoppelung mit 100 Dezibel. So kommt es vor, dass man sich abends beim Small Talk mit anderen Gästen im „River Café“ fast anbrüllen muss.

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Info

Wa Ale Resort

Elf Zeltvillen (220 Quadratmeter) und drei Tree Top Villas (75 Quadratmeter) bieten von Oktober bis Juni Platz für maximal 28 Gäste. Während des Monsuns zwischen Juni und September bleibt das Resort geschlossen.

Die Zeltvillen verfügen über ein Doppelbett, Zweier-Schlafsofa, Teakterrasse und Outdoor-Dusche. Für Kühlung sorgen zwei kräftige Deckenventilatoren und die offenen Seitenwände, deren Mückennetze die Brise vom Meer durchlassen.

Preis für eine Zeltvilla bei Zweierbelegung ab 990 Euro pro Nacht, inklusive Vollpension, gutem roten, weißen und Rosé-Haus­wein, Bier, Kaffee, Tee, Softgetränke, Internet und Wassersportaktivitäten wie SUP, Seakayaking und Schnorcheltouren. In den Villen Moskitonetze, umweltfreundliche Insektenschutzmittel und korallen-scho­nende Sonnencreme sowie biologisch abbaubare Pflegeprodukte. Kein Laundry Service. waaleresort.com

Anreise

Mit Singapore Airlines via Singapur nach Bangkok (Premium Economy ab 1.659 Euro). Von Bangkok nach Ranong mit Air Asia oder Nok Air (ab 100 Euro). Alternativ nach Yangon und weiter mit Golden Myanmar Airlines nach Kawthaung (ab 115 Euro). Von Kawthaung kostenloser Transfer mit dem Schnellboot des Resorts (samstags und dienstags, sonst 250 Euro). singaporeair.com/de

Gesundheit

Schutz vor Mückenstichen ist wichtig, die Insel liegt im Malaria- und Dengue-Risikogebiet

Stopover Bangkok

Das „Avani Sukhumvit“ ist ein neues 380-Zimmer-Hotel im Stadtteil On Nut an der Hochbahn-Station. Helle, große und modern eingerichtete Zimmer mit tollem Blick. Gute Alfresco Food Stalls warten eine Hochbahn-Station weiter im „W District“. DZ/F ab 60 Euro. avanihotels.com

Bildquellen

  • _DSC9562: THOMAS LINKEL
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  • Dschungel Fluss Wa Ale: THOMAS LINKEL
  • Haupthaus Bar: THOMAS LINKEL
  • Dschungel auf Wa Ale: © THOMAS LINKEL
  • Baumhaus Wa Ale: THOMAS LINKEL
  • Wa Ale Overview: THOMAS LINKEL
  • Min Min Kellner Wa Ale: © THOMAS LINKEL
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  • _DSC5023: © THOMAS LINKEL
  • Fischerdorf Sitta Galet Lampi Island: THOMAS LINKEL
  • Fischer in Sitta Galet: THOMAS LINKEL
  • Wa-Ale-fauna-slow_loris-01 2: © Wa Ale
  • Green Turtles Wa Ale: © Wa Ale Resort
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  • Myanmar SUP Jungle River: © THOMAS LINKEL
  • Paradise Trail Wa Ale: THOMAS LINKEL
  • Paradise Trail Hike: © THOMAS LINKEL
  • _DSC9479: THOMAS LINKEL

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Von 2010 bis zur coronabedingten Einstellung der Zeitschrift im Mai 2020 Chefredakteur von ABENTEUER UND REISEN. Er liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.