Länderberichte

Peloponnes | Götter, Öl und Öko

Peloponnes: "Ochsenbauchbucht" – Strand von Voidokilia in Messenien
Thomas Linkel
Geschrieben von Thomas Linkel

Der Peloponnes führt jenseits von Olympia, Korinth, Mykene und Epidaurus noch ein touristisches Schattendasein. Das ist gut so – damit sind Ruhe und Freiräume für Visionäre garantiert

Telemach, der Sohn des Odysseus, wird sich sehr wohl gefühlt haben, als er nach beschwerlicher Reise in der mit warmem Wasser gefüllten Wanne im Palast des Nestor eingetaucht war. In tönernen Rundgefäßen wurden duftende Öle herbeigebracht und seine schmerzenden Muskeln von Palastbediensteten massiert. Nebenan, im opulent mit leuchtenden Farben bemalten Königssaal, wartete derweil der weise König Nestor auf seinen Gast.

So oder so ähnlich könnte es sich zugetragen haben, sollten Telemach und Nestor nicht nur Homers Fantasie entsprungen sein. Die Archäologen sind sich aber einig, dass die nahe Pylos gelegene Palastruine auf dem südwestlichen Peloponnes neben Mykene die bedeutendste Ausgrabungsstätte aus der mykenischen Zeit ist.

Peloponnes: Strand von Costa Navarino

Morgenstimmung am Strand von Costa Navarino auf dem Peloponnes

Olivenöl macht den Peloponnes reich

Bereits 1.300 vor Christus spielte Olivenöl eine wichtige Rolle beim Handel im östlichen Mittelmeer. Davon zeugen mehrere Räume rings um den Königssaal, in deren Wänden große Tongefäßhalterungen eingearbeitet waren, sowie Tausende während der Ausgrabung gefundene Schrifttafeln. Darauf wird beschrieben, wie und mit welchen Düften die Olivenöle versetzt, produziert und auch wohin sie verkauft wurden. Olivenöl war eines der wichtigsten Handelsprodukte und trug maßgeblich zum Reichtum der ansässigen Herrscher bei.

Wie oft wohl der Mann, der die Tourismusdestination Costa Navarino auf dem Peloponnes erdacht hat, unter Eichen- oder Olivenbäumen geträumt hat? Vassilis Constantakopoulos stammt aus dem Dorf Diavolitsi, etwa 40 Kilometer Luftlinie von dort entfernt, wo heute internationale Gäste schlafen, tafeln, Golf spielen oder sich am langen Sandstrand von Peloponnes erholen. Der 1935 geborene Mann, den alle nur „Captain“ nennen, arbeitete sich vom Bauernsohn zu einem der bedeutendsten Reeder Europas empor.

Peloponnes: Picknick im Weinberg nahe Mouzaki

Romantischer Peloponnes-Moment: Picknickpause im Weinberg nahe dem Dorf Mouzaki

Eine Milliarde Euro fĂĽr eine Vision

Bei aller Liebe zur See scheint Vassilis aber nie seine messenischen Wurzeln vergessen zu haben. Im Gegenteil, Anfang der 80er entwickelte er eine touristische Vision für diesen Landstrich, zu einer Zeit, in der es hier vor allem Schotterpisten und kleine Dörfer gab und die allermeisten Einwohner des Peloponnes von der Landwirtschaft lebten.

Über zwei Jahrzehnte kaufte er Land von mehr als 1.200 Eigentümern, um daraus ein Tourismusprojekt zu schaffen, das nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung nach Messenien bringen und höchste ökologische Standards erfüllen sollte. „Jeder, der die Möglichkeiten hat, Träume zu verwirklichen, hat auch die Pflicht, Positives für andere zu schaffen.“ Das sei das Credo des Captains gewesen, erzählte Kostas im Weinberg, der mit ihm gemeinsam die Biowein-Strategie entwickelte.

So legte Vassilis mit seiner Vision los. Nach Abschluss der Arbeiten wird er über eine Milliarde Euro in das Projekt gesteckt haben, dafür sind schon heute über 1.000 Mitarbeiter vor allem aus der Region hier beschäftigt. Ab 2005 wurden Tausende Oliven- und Fruchtbäume ausgegraben und andernorts zwischengepflanzt. Bis zur Eröffnung 2010 entstanden zwei Luxushotels, das „Westin“ und das „Romanos“, sowie die für deren Betrieb notwendigen Anlagen. Zwei Golfplätze wurden gebaut, dann die Bäume und 800.000 Büsche wieder eingepflanzt. Derzeit stehen 766 Zimmer zur Verfügung, zwei kleinere Luxushotels sowie Golfplätze sind am Entstehen.

Peloponnes: Barbouni Beach Restaurant

„Barbouni Beach Restaurant“: Verspieltes Design, vom Wind umspielte Lage direkt am Meer

Peloponnes-Hideaway: FĂĽr Paare und Familien

Während sich das „Romanos“ vor allem an Paare richtet, steigen im „Westin“ eher Familien ab. In beiden Hotels gibt es neben stilvoll eingerichteten Zimmern auch noch luxuriösere Bungalows und Villen mit eigenem Pool. Das Meer oder ein Golfplatz ist von allen Unterkünften aus zu sehen.

Die Architektur der Gebäude erinnert mit ihren hellen Natursteinmauern an messenische Häuser, die Anmutung der Gesamtanlage an die umliegenden Dörfer. Treppen führen auf Balkone oder überdachte Gänge, gepflasterte Wege schlängeln sich unter den Olivenbäumen hindurch. Um die Agora gruppieren sich Geschäfte, Restaurants, Bars und ein Kafenion. Dazwischen blühen Oleandermeere, duften Rosmarin- und Thymianstauden, wachsen dornige Macchia, Irisblüten und Zwergsträucher.

Peloponnes: Tartar vom Thunfisch und Avocado-Chips im "The Flames" des "Westin"

Unser klarer Favorit im Restaurant „The Flames“ des „Westin“: Tartar vom Thunfisch und Avocado-Chips

Zehn Prozent der Gesamtprojektfläche des Peloponnes werden bebaut, der Rest ist mit heimischer Flora bepflanzt, ebenso wie ein Großteil der Dächer. Kritiker sagen, dass eine einmalige Landschaft aus Sümpfen, Olivenhainen und extensiv bewirtschafteten Feldern zerstört wurde, andere führen an, dass diese in Teilen des Areals sowieso durch Naturfeuer vernichtet worden sei.

Nachhaltigkeit, mal ernst genommen

Ein Projekt dieser Größe hat immer Effekte auf die Umwelt, die Frage ist, wie man damit umgeht. Das Bemühen, negative ökologische Auswirkungen des Resortbetriebs zu minimieren, ist umfassend: In einem interaktiven Umweltzentrum erfahren Hotelgäste und Schulklassen alles über Flora, Fauna und die Biodiversität Messeniens. Zwei Speicherreservoirs wurden geschaffen, um Hotels und Golfanlagen mit Wasser zu versorgen. Dafür entnimmt man zwei Prozent der jährlichen Wassermenge zweier hier ins Meer mündender Flüsse.

Die hauseigene Photovoltaikanlage produziert mehr Strom, als benötigt wird. Die mit 123 Rohr-Kilometern größte unterirdisch verlegte Geothermieanlage Europas treibt Wärmepumpen an, speziell isolierte Wände senken den Energieverbrauch. Das Abwasser wird gereinigt und für die Bewässerung genutzt, umfangreiche Recyclingmaßnahmen sorgen für weniger Müll. Last, but not least wird das grüne Handeln im jährlichen Nachhaltigkeitsbericht publiziert und man arbeitet mit Universitäten im Bereich Umwelt-und Klimaschutz zusammen.

Peloponnes: Wildbienen-Imker

Beim Dorf Gargaliani auf Peloponnes leben die Wildbienen-Imker Elias und Thanasis Gionis

Was gibt es im Hinterland zu entdecken?

Wem über 20 Restaurants, von „Griechisch-Fusion“ über Italienisch bis Libanesisch, Europas größtes Spa und der makellose Hotelsandstrand zu wenig griechisch sind, der leiht sich im Sportzentrum ein Rad und fährt morgens auf von Schilfwäldern beschatteten Sandpisten an die idyllische Ochsenbauchbucht und zieht in klarem Wasser seine Bahnen.

Anschließend wandert er zu Nestors Höhle hinauf und lässt das atemberaubende Panorama der Gialova-Lagune mit ihren schnatternden Flamingos auf sich wirken. Mittags könnte man zurück im Hotel sein und in dem vom Wind umspielten Strandrestaurant „Barbouni“ knusprige Kalamari mit Fencheltempura essen. Und danach?

Peloponnes: Schilfumrandete Sandpisten an der Gialova-Lagune

Peloponnes aktiv erleben: Auf von Schilfwäldern beschatteten Sandpisten radelt man rund um die Gialova-Lagune

Noch authentischer als auf der Agora zwischen „Westin“ und „Romanos“ schmeckt der griechische Mokka unter raschelnden Platanen auf dem Marktplatz des nahen Städtchens Pylos. Man könnte entspannt dem örtlichen Treiben zusehen, vielleicht ein wenig durch die Gassen streunen und am Spätnachmittag die nur zehn Kilometer entfernte venezianische Festung von Methoni besuchen. Abends warten rings um die mächtigen Mauern Tavernen auf Hungrige, in Costa Navarino bietet Chef Yorgos Papaioannou im „Onuki“ exzellente Japan-Küche ohne Chi-Chi und mit grandioser Aussicht aufs Meer.

Peloponnes: Diie venezianische Burg Methoni

Malerisch: Die venezianische Burg Methoni etwas sĂĽdlich von Costa Navarino nimmt eine ganze Halbinsel ein

Göttliche Ausflugsziele auf Peloponnes

Captain Vassilis war nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung Messeniens wichtig, sondern auch die kulturelle Identität der Region. Wer also mehr vom Peloponnes sehen will, sollte unbedingt Olympia und die Berge des Taygetos besuchen, beides nicht mehr als zwei Autostunden von Costa Navarino entfernt.

Peloponnes: Olympia

Wo alles begann: Vor bald 3.000 Jahren ging es in Olympia zum ersten Mal rund

Etwa 80 Kilometer von Olympia entfernt thront in 960 Meter Höhe das Dorf Dimitsana über der Lousios-Schlucht. Was früher ein bedeutendes Wirtschaftszentrum war, ist heute unter der Woche ein recht stilles Bergdorf, das Herberge für Wanderer bietet. Am Wochenende aber füllen sich die Gassen, Ferienhäuser, Lokale und Kafenions vor allem mit Städtern aus Athen und Kalamata, die dem Stress des modernen Lebens entfliehen wollen.

Peloponnes: Kloster Philosophos

Kloster Philosophos: Die Kirche ist von der Decke bis zum Boden spektakulär bemalt

Schutz gegen tĂĽrkische Besatzer

Stress kennen die Mönche der Klöster Prodromos und Philosophos vermutlich nicht, ihre steinernen Behausungen hängen fast artistisch an den Steilhängen der Lousios-Schlucht. Um sie zu erreichen, folgt man dem Wanderweg, quert den Fluss auf steinernen Brücken und wandelt im Schatten von Eichen und Griechischem Lorbeer. Der Freiheitskämpfer Theodoros Kolokotronis soll das Kloster Prodromos aufgrund seiner Abgeschiedenheit als Versteck vor den türkischen Besatzern genutzt haben.

Die meisten Wanderer besuchen Prodromos, aber scheuen eine weitere Stunde Fußmarsch bis zum Kloster Philosophos. Dabei entgeht ihnen die von der Decke bis zum Boden spektakulär bemalte Klosterkirche sowie die Ruinen des im 10. Jahrhundert gebauten alten Klosters, die auf einem kaum meterbreiten Felsvorsprung zwischen Himmel und Erde hängen.

Peloponnes: KLoster Prodromos ĂĽber der Lousios-Schlucht

Auf vier Etagen ist das Kloster Prodromos spektakulär in die Felswand über der Lousios-Schlucht gebaut

Wer es bis hierher geschafft hat, hat sich auf dem Rückweg eine Pause im schäumenden Nass des Lousios verdient. Zeus selbst, so die Sage, wurde hier nach seiner Geburt von drei Nymphen gebadet. Und was kann größerer Luxus sein, als im erfrischenden Wasser unter wispernden Weiden das Leben zu genießen?

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Info Peloponnes

Anreise

Direkt in drei Stunden nach Athen mit Aegean, Lufthansa und anderen, Ticket ab 200 Euro.
Mit Condor nach Kalamata mit Stopp in Skiathos in fĂĽnf Stunden, Ticket ab 270 Euro, ab Mai 2019 fliegt Condor direkt von Hamburg nach Kalamata.
Ab München direkt in zweieinhalb Stunden mit Aegean, Ticket ab 340 Euro und ab Juni verbindet Edelweiss Air Zürich und Kalamata einmal wöchentlich jeweils freitags.

Mit Pkw-Fähre (z. B. Anek Lines) von Venedig (35 Stunden) oder Ancona (circa 22 Stunden) nach Patras

Von uns getestete Hotels

The Westin Resort
Luxusresort mit genügend Raum zu Wasser und zu Land für Kinder und Eltern. Schöne Zimmer in zeitlosem Design. Wer etwas mehr Privatheit will, mietet eine Einheit mit eigenem Pool. Hervorragendes Frühstücksbuffet.
DZ/F ab 250 Euro

The Romanos
Die Zimmer im Schnitt etwas größer und luxuriöser als im „Westin“, insgesamt ruhiger und gediegener.
DZ/F ab Euro 335 Euro

ReiselektĂĽre zum Peloponnes

„Peloponnes“, Michael Müller Verlag (2018, 585 Seiten, 25 Euro), mit 38 Übersichtskarten und Plänen
„Peloponnes“ von Marco Polo (2017, 144 Seiten, 13 Euro) mit herausnehmbarer Karte

Web

Costa Navarino
Visit Greece

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Ăśber diesen Autor

Thomas Linkel

Thomas Linkel

„Meine Neugier ist unstillbar.“
Nach einer fotografischen Ausbildung im Stilllife-Studio und dem Abschluss zum Diplomwirtschaftsgeograf arbeitet Thomas seit 15 Jahren für internationale Magazine in den Bereichen Reise, Reportage, Portrait und Architektur sowie für die Unternehmenskommunikation internationaler Kunden. Für seine Produktionen hat er über 100 Länder bereist.