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St. Olavsleden | Der nördlichste Pilgerweg der Welt

Auf dem Pilgerweg St. Olavsleden
© Eskil Roll

Vom bottnischen Meerbusen bis zum Nordatlantik. Seit beinahe 1.000 Jahren wandern Menschen in den Fußspuren des heiligen Olav. Der St. Olavsleden ist die skandinavische Antwort auf den berühmten Pilgerweg El Camino nach Santiago de Compostela.

Wer ans Pilgern denkt, kommt nicht unbedingt auf den ersten Blick nach Skandinavien. Sollte diesen aber wagen, denn Ruhe findet man auf dem schwedisch-norwegischen St. Olavsleden auf alle Fälle, ganz im Gegensatz zu dem überaus populären Pilgerweg nach Santiago de Compostela.

Auf dem Pilgerweg in den Fußspuren von König Olav

 Erste Etappe Pilgerweg St. Olavsleden

Los gehts auf die erste Etappe des Pilgerweg St. Olavsleden © Göran Strand

Der nördlichste Pilgerweg der Welt erstreckt sich 580 Kilometer von Selånger/Sundsvall an der schwedischen Ostseeküste bis zur norwegischen Metropole Trondheim am Nordatlantik. Wer den gesamten Weg gehen möchte, benötigt dafür etwa einen Monat. Die Wanderetappen liegen in der Regel bei ca. 20 km. Es ist auch möglich, den St.Olavsleden mit dem Fahrrad zurückzulegen. Entlang der gesamten Strecke gibt es eine extra Ausschilderung für Radfahrer.

Magische Ausblicke

Zahlreiche magische Orte findet man am Pilgerweg © Frits Meyst /MeystPhoto.com

Startpunkt des St. Olavleden ist in Selånger/Sundsvall. Von hier aus verläuft der Pilgerweg durch die langezogenen Flusstäler und Wälder Mittelschwedens. Anfangs noch an Wiesen und Feldern entlang bevor es dann immer weiter in die Wälder rund um den Storsjön geht. Danach zieht sich der Weg in die Fjellberge über die Grenze nach Norwegen, wo es zunehmd rauer wird, bis ans blaugrüne Wasser des Trondheim-Fjords.

Auf dem Pilgerweg muss man wetterfest sein

Auf dem Pilgerweg muss man wetterfest sein … © Eskil Roll

Pilgerweg St. Olavsleden

… vier Jahreszeiten an einem Tag können auch mal vorkommen © Håkan Wike

Die Ausblicke, die sich dem Pilger oder Wanderer heutzutage eröffnen, dürften in etwa dieselben sein, die sich auch dem Wikingerkönig Olav Haraldsson darboten, als er im Jahr 1030 quer durch Schweden marschierte und im norwegischen Stiklestad auf seine Feinde traf. Mutig zog er in den Kampf und wagte einen letzten Versuch, um die norwegische Königskrone nach zwei Jahren im russischen Exil zurückzugewinnen.

Olav fiel in der Schlacht von Stiklestad, doch schon kurz nach seinem Tod verbreiteten sich die Schilderungen von wundersamen Ereignissen wie ein Lauffeuer. Unter anderem hieß es, dass Blinde an Olavs Grabstätte in Nidaros (heute Trondheim) das Augenlicht wiedererlangt hätten.

Als Bischof Grimkjell ein Jahr nach Olavs Tod den Sarg öffnen ließ, schimmerten die Wangen des Toten rosig und sein Bart war weitergewachsen. Zudem drang ein zarter Duft von Rosen aus dem geöffneten Sarg hervor.

Olav Haraldsson wurde daraufhin heiliggesprochen und ging als Olav der Heilige in die Geschichte ein. Über seiner Grabstätte in Nidaros errichteten die Gläubigen eine großartige gotische Kathedrale, die auch heute noch das Ziel des St. Olavsleden darstellt. Hier am Nidarosdom können die Pilger sich als Nachweis über ihre erfolgreich durchgeführte Wanderung den Olavsbrief ausstellen lassen.

Stöde Kirche

Stöde Kirche am Stödesjön © Andrea Susanne Opielka

Felszeichnungen

Lange vor König Olav waren die ersten Jäger unterwegs. An einem Bach in der Nähe von Glösa, Alsen sieht man die bis zu 5.000 Jahre alten Felsritzungen (Hällristningar) © Håkan Wike

Pilgerweg Grenzstein zwischen Schweden und Norwegen

Dreiviertel der Wegstrecke sind am Grenzstein zwischen Schweden und Norwegen geschafft © Håkan Wike

Rast am Pilgerweg am Kvilbekken

Rastplatz kurz hinter der norwegischen Grenze Rast am Kvilbekken auf fast 600m Höhe. Einem der höchsten Punkte auf dem Pilgerweg.  © Håkan Wike

Einzigartige Begegnungen auf dem Pilgerweg

Pilger auf Pilgerweg

Unterwegs trifft man immer wieder nette Wegbegleiter © Leif Arne Holme

Das Pilger-Dasein ist ebenso sehr von Stille und Abgeschiedenheit geprägt wie von Begegnungen und Gesprächen mit anderen Menschen. Zwei, die wahrhaftig erlebt haben, wie bereichernd diese Begegnungen sein können, sind Sigrid und Tommy Nordvall aus dem kleinen Weiler Gisselåsen, der nur acht Kilometer vom Startpunkt in Selånger entfernt liegt. Die Beiden haben im Laufe der letzten Jahre viele Wanderer zu einer kleinen Rast und einer Tasse Kaffee eingeladen.

Der Pilgerweg ist überall sehr gut ausgeschildert und erkennbar. © Michael Johansson

„Alles begann 2013, als der erste Pilger hier bei uns vorbeikam. Wir luden ihn zu einer kleinen Stärkung ein, und schon war der Stein ins Rollen gekommen“, berichtet Tommy Nordvall. Seitdem steht die Kaffeekanne jeden Sommer bereit und wartet auf vorbeikommende Wanderer. Bis jetzt haben die Nordvalls Besuch von mehr als 1.200 Menschen aus 46 Ländern bekommen. Voller Enthusiasmus fotografieren sie jeden einzelnen von ihnen und bitten anschließend um einen Eintrag ins Gästebuch.

„Jeder Pilger hat seine ganz eigene Geschichte, und es ist so erfüllend, all diesen Menschen zu begegnen, ihre Geschichten zu hören und zu erfahren, was die Pilgerwanderung für sie bedeutet. Die meisten schicken uns eine Ansichtskarte, wenn sie wieder zuhause sind und bedanken sich noch einmal für die freundliche Aufnahme.“

Unterkünfte entlang des Pilgerweg St. Olavsleden

Pilgerunterkünfte

Entlang der Strecke gibt es imer wieder kleine Weiler, wo die Pilger gern gesehene Gäste sind. © Håkan Wike

Pilgerherberge Pilgerweg St. Olavsleden

Der Pilgrimsleden wie der St. Olavsleden auch heißt hat ein dichtes Herbergsnetz. © Michael Johansson

Für Pilger gibt es entlang des gesamten St. Olavsleden eine breite Auswahl an Unterkünften, deren Standard vom einfachen Bett in privaten Häusern bis zum komfortablen Hotelzimmer reicht. Viele entscheiden sich auch für ein Zelt, das ihnen in Bezug auf die Etappenziele und Übernachtungsorte größtmögliche Freiheit bietet.

Eine Gastgeberin mit langjähriger Erfahrung in der Aufnahme von Pilgern ist Åsa Green von der Jugendherberge Ledkrysset in Östersund. Bei ihr hat der Gast die Wahl zwischen einem Einzelzimmer, einem Mehrbettzimmer oder einem Bett im Schlafsaal. Gerne ist Åsa auch bei der Buchung der nachfolgenden Unterkunft behilflich.

Pilgerpass

Der Pilgerpass füllt sich © Eskil Roll

Im Laufe der Jahre hat sie bereits den einen oder anderen erschöpften oder verletzten Pilger in Empfang genommen. Gerade dann eine Herberge anbieten zu können, wenn die Not am größten ist, sieht sie als großes Geschenk. „In solchen Fällen helfen wir auch gerne dabei, Kleider und Gepäck zu trocknen“, sagt Åsa Green lächelnd und fügt hinzu, dass sie es als besondere Bereicherung empfindet, wenn die Pilger sich am folgenden Tag voller Dankbarkeit verabschieden, um ihren Weg frisch gestärkt fortzusetzen.

Pilgerweg Trondheim

Trondheim bei bestem Wetter © Frits Meyst / MeystPhoto.com

Ziel des Pilgerweg St. Olavsleden der Nidarosdom

Im Nidarosdom Trondheim – Ziel des Pilgerweg St. Olavsleden © Håkan Wike

Weitere Infos zum Pilgerweg St. Olavsleden

Informationen zum historischen Kontext, zu Paketreisen, Etappen und Unterkünften www.stolavsleden.de

Übersicht der Wegstrecke: https://stolavsleden.com/maps/

Das Angebot an Unterkünften ist vielfältig und reicht vom einfachen Zimmer bis zum luxuriösen Hotel. Es besteht sogar die Möglichkeit, individuell angepasste Paketreisen zu buchen.

Weil das Wetter extrem wechselhaft ist, empfiehlt sich Kleidung in mehreren Schichten. Feste Wanderschuhe sind natürlich ein Muss.
Der schwedische Wetterdienst SMHI gibt detaillierte Wettervorhersagen.

Ausführliche Tipps zu Gepäck, Kleidung und Ausrüstung hält der schwedische Bergsicherheitsrat (Fjällsäkerhetsrådet) bereit.

Buchtipp:
St. Olavsleden von Selånger nach Trondheim, Conrad Stein Verlag, Andrea Susanne Opielka 2020

Weitere Norwegen Infos

Die Ausbreitung von COVID-19 führt weiterhin zu Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr und Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens.
Beachten Sie daher die aktuellen Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes.

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