Länderberichte

Portugal | Weingut, alles gut

Thomas Hauer
Geschrieben von Thomas Hauer

Das Douro-Tal im Norden Portugals gilt als weltältestes klassifiziertes Weinanbaugebiet. Vinophile haben mit dem neuen „Six Senses Douro Valley“ nun auch das passende Hideaway

Träge fließt der Douro in lang gezogenen Schleifen durch das weite Tal, während eine fast schüchterne Brise die grünblaue Wasseroberfläche kräuselt. Die Wellen funkeln in der milden Frühlingssonne wie ein Meer von flüssigen Diamanten. „Im Sommer haben wir hier über Wochen jeden Tag Temperaturen jenseits der 40-Grad-Marke, da freu­en sich alle schon auf den Herbst und den Winter“, erzählt Francisca van Zeller, während wir über einen schmalen, schlammigen Pfad balancieren. Der führt vorbei an dicht mit Rebstöcken bepflanzten Terrassen, die sich vom Fluss aus bis weit hinauf auf die Hügelkuppen ziehen.

Per Segelschiff und Flusskreuzfahrtschiff kommen Besucher zu Portweinproben auf traditionsreichen Gütern entlang des Douro

Die 29-Jährige ist Spross einer der bedeutendsten Portweindynastien des Landes und arbeitet seit über einem Jahr als Weindirektorin im „Six Senses Douro Valley“, dem ersten Haus der noblen Lifestyle-Hotelgruppe in Europa. Das im Sommer 2015 eröff­ne­te Luxusresort mit 57  Zimmern und Suiten in der ehemaligen Quinta Vale de Abraão, einem Wein­gut, dessen Geschichte sich bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, liegt idyllisch am Südufer des Flusses.

Wein im Douro-Tal? Die Römer waren’s!

Die Weinbautradition in der Region Alto Dou­ro reicht bis in die Römerzeit zurück. Mitte April tragen die Reben  erst wenige, mit einem zarten Flaum überzogene Blättchen, denn bis zu 1.000 Meter hohe Gipfel schirmen den einsamen Landstrich nicht weit der spanischen Grenze von den milden Luftströmen des nahe gelegenen Atlantiks ab.

Der Douro ist mit 900 Kilometern der drittlängste Fluss der Iberischen Halbinsel

„Das Douro-Tal war schon immer eine Landschaft der Extreme – nicht nur, was das Klima angeht“, erläutert van Zeller bei unserer Wanderung durch das Rebland. „Erst Mitte des 18. Jahrhunderts erlebte das Tal im Zuge des Portweinbooms einen wirtschaftlichen Aufschwung und gilt heute als ältestes klassifiziertes Weinanbaugebiet der Welt. Allerdings hat der Port weniger die Weinbauern im Tal, sondern vor allem die Portweinhändler an der Küste reich gemacht.“

Der Erfinder der DOC

Die Ursprünge der ersten geschützten Herkunftsbezeichnung, kurz DOC, rei­chen bis in das Jahr 1756 zurück. Damals ließ der Marquês de Pombal ungefähr 26.000 Hektar entlang des Douro mit Grenzsteinen abstecken und den Weinanbau innerhalb dieser Grenzen streng regulieren.

Das „Six Senses“, ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, wurde mit viel Sinn für Details auf ein modernes, naturverbundenes Hotelkonzept ausgerichtet

Besucher können das Douro-Tal auf unterschiedliche Art entdecken. Wir erhaschen auf unserer Fahrt zu einigen der weit verstreut liegenden Quintas entlang halsbrecherischer, oft ungesicherter und mit zahllosen Haarnadelkurven versehener Straßen immer wieder spektakuläre Panoramablicke in den gähnenden Abgrund.

Wer es gemütlicher mag, der folgt einfach der offiziellen Portweinstraße, die durch einige der schönsten Weindörfer der Region wie Baios oder Favaios führt. Eisenbahnfans schwören dagegen auf die historische Linha do Douro, auf der zwischen Mai und Oktober historische Dampflokomotiven verkehren. Bei einer Fahrt mit einem der zahlreichen Ausflugs- und Flusskreuzfahrtschiffe schließlich lässt sich das Douro-Tal auch vom Wasser aus erleben.

Das malerische Douro-Tal bildet mit steilen Bergen, lieblichen Hügeln und kleinen Orten am Fluss eine einmalige Kulisse

Oder eben an Land als Wanderer, so wie wir, die mittlerweile eine Rast am Rande einer der schmalen Rebparzellen machen. Umgeben von jahrzehntealten und knorrigen Weinstöcken genießen wir den Blick auf das gegenüberliegende Flussufer, während van Zeller uns in das Geheimnis der Douro-Weine einweiht.

Der raue Charme der Douro-Weine

„Es gibt in Portugal über 300 autochthone Rebsorten. Das ist Weltrekord. Allein hier im Tal werden mehr als 80 davon angebaut und jede bringt ganz eigene Aromen und Charakteristiken mit. Die sechs wichtigsten sind Touriga Nacional, Tinta Barroca, Touriga Francesca, Tinta Roriz, Tinta Amarela und Tinto Cão. Sie sind bis heute das Rückgrat der Portweinproduktion. Als Besonderheit werden die Rebsorten entlang des Douro aber nicht nach Sorten getrennt, sondern bunt durcheinander angepflanzt“, weiß van Zeller.

Es gibt in Portugal über 300 autochthone Rebsorten. Das ist Weltrekord

Ausgebaut werden die Basisweine für den Port in den großen Lagerhäusern der weltberühmten Portweinhäuser, die gegenüber von Porto in Vila Nova de Gaia  am Ufer des Douro liegen. In den letzten Jahren werden in der Region aber auch zunehmend klassische, recht gehaltvolle und gerbstoffreiche Rotweine produziert, denen van Zellers besondere Liebe gilt. Wie der Port sind auch diese neuen Weinstars meist Cuvées mehrerer Rebsorten.

Zurück in der Wine Library, dem Herzstück des „Six Senses“, präsentiert van Zeller uns einige der charakteristischen Tintos aus der Umgebung. „Die typischen Merk­male eines Douro-Weins sind seine tiefdunkle, ja fast schwarze Farbe, sein ausgeglichenes Säurespiel, gutes Lagerpotenzial, komplexe Gewürznoten und balsamische Aromen“, erklärt van Zeller.

Bei der Weinprobe in der Wine Library lässt sich das Gehörte dann am eigenen Gaumen erfahren

Tatsächlich sind die Douro-Weine, anders als viele ihrer spanischen Vettern, keine Gaumenschmeichler. Im Gegenteil: Im Glas präsentieren sie sich vor allem in ihrer Jugend recht rau, ungestüm und verschlossen. Ihr wahres Genusspotenzial entfalten sie erst nach ein paar Jahren der Flaschenreife und als Essensbegleiter. Die edelsüßen Portweine haben dagegen ein leichtes Spiel. Dazu mag auch ihr Alkoholgehalt von ungefähr 20 Prozent beitragen, der die Stimmung in unserer Runde schnell steigen lässt.

Alte Portweinflaschen köpfen!

Als Highlight der Verkostung zeigt van Zeller schließlich, wie die teilweise jahrzehntelang gelagerten Vintage-Ports fachgerecht geöffnet werden. Dazu setzt sie am Flaschenhals eine rot glühende Zange an, die an ein mittelalterliches Folterinstrument erinnert, und lässt gleich darauf kaltes Wasser über die erhitzte Stelle laufen.

Seafood spielt im „Six Senses Douro Valley“ eine große Rolle, Wein sowieso

Ein leises Knacken, und es ist vollbracht: Der Flaschenhals lässt sich nun samt Korken mühelos mit einem beherzten Ruck abbrechen. „Das verhin­dert, dass die alten Korken beim Ziehen zerbröseln“, erklärt sie. Während das rubinrote Elixier munter in die Gläser rinnt, steigen uns die intensiven Noten roter Früchte und Anklänge exotischer Gewür­ze in die Nase.

Think global, eat local

Küchenchef Nuno serviert uns im stylishen Restaurant des Resorts typisch portugiesische Spezialitäten wie Geschmortes Zicklein, saftiges Rebhuhn und Portugals Nationalgericht Bacalhau, getrockneten Stockfisch, der in einer offenen Küche zubereitet wird.

Im Hotelrestaurant „Vale de Abraão“ finden, ebenso wie in der Wine Library und der „Quinta Bar and Lounge“, regelmäßig Weinproben statt

„Rund 70 bis 80 Pro­zent der bei uns verwendeten Lebensmittel kommen von Erzeugern aus der unmittelbaren Umgebung“, berichtet Nuno. Auch Brot und Gebäck würden vom Küchenteam selbst zubereitet, während ein Großteil der verwendeten Gemüse und Kräuter im hoteleige­nen Biogarten gleich neben dem lang gestreckten Infinity-Pool mit Blick auf den Douro wachsen. Auch beim ersten Europa-Ableger von „Six Senses“ dreht sich – typisch für die global agierende Marke – alles um das Thema Nachhaltigkeit.

Neben van Zeller steht Gästen mit der Top-Önologin Sandra Tavares von der „Quinta do Vale Dona Maria“ ein weiterer Profi in Sachen Wein als Ansprechpartnerin zur Seite. Interessierte Besucher können mit den Expertinnen sämtliche Arbeitsschritte rund um die Weinproduktion – vom Pflanzen neuer Rebstöcke, dem Beschneiden, der Weinlese bis hin zum Abfüllen einer eigenen Weinkreation – hautnah miterleben und selbst Hand anlegen.

Wein­direktorin Francisca van Zeller kennt sich mit (Douro-)Weinen bestens aus und vermittelt interessierten Gästen gerne ihr Fachwissen

„Für unsere Gäste ist vor allem das traditionelle Stampfen der Tauben während der Lese im September ein Heidenspaß“, erzählt Tavares lachend. Wer sich während der Arbeit in den Weinbergen ein wenig übernommen hat, der kann in dem rund 2.200 Quadratmeter großen „Six Senses Spa“ wieder entspannen und anschließend, mit wiedergewonnenen Kräften, in einem kleinen Spa-Workshop lernen, wie sich aus Kräutern, natürlichen Essenzen, Salz und Olivenöl im Handumdrehen hochwertige Naturkosmetik herstellen lässt.


Infos

Hinkommen: Es bestehen tägliche Linienverbindungen von vielen deut­schen Flughäfen nach Lissabon oder Porto, etwa mit Lufthansa, Transavia (ab 200 Euro) oder TAP Portugal. Von dort erreicht man Peso da Régua mit dem Mietwagen in ungefähr 75 Minuten (Porto) beziehungsweise drei Stunden (Lissabon)
Wohnen: Quinta Vale de Abraão, Samodães, Lamego, DZ/F ab etwa 300 Euro
Sich schlau machen: Alle Informationen zu Nordportugal und zum Douro-Tal gibt es hier.


Ihr wollt lieber die kompletten Reportagen zu unseren Zielen lesen und von vielen reportergetesteten Tipps und Adressen in den Info-Guides profitieren? Dann empfiehlt sich unser  flexibles Zeitlos-Abo oder eines unserer attraktiven Prämienabos

Um unser Magazin als E-Paper zu lesen, einfach die kostenlose App holen und Wunschausgabe (4,99 Euro) laden. Hier geht’s – natürlich nur mit mobilen Endgeräten – direkt zu den Stores von Apple, Google und Amazon


 

Über diesen Autor

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus