Länderberichte

China | Macau in 48 Stunden

Margit Kohl
Geschrieben von Margit Kohl

Macau-Besucher profitieren von einer perfekten Synthese aus fernöstlicher und europäischer Kultur. Gut zu wissen: Für einen Kurzbesuch brauchen Sie kein Visum, sondern nur unsere Tipps für zwei Tage Kultur, Sightseeing und gutes Essen.

Früh aufstehen müsse man, damit einen die bösen Geister nicht den ganzen Tag verfolgen, heißt es in der Stadt. Es ist morgens kurz nach sechs. Wenn die Legende stimmt, haben die Übeltäter nun Pause. Die neun Mal im Zickzack geführte Lotusteichbrücke im Lou Lim Ieoc Garden sei für sie unüberwindbar, so der Volksglaube.

Erst das Seelenheil, dann der Appetit

Will man es sich mit den guten Geistern nicht verscherzen, ist es zum Kun Iam Tong Temple nicht weit. Er ist der Göttin der Barmherzigkeit geweiht, weshalb Einheimische hier Papiernachahmungen von Autos, Häusern oder Luxusgegenständen verbrennen, um die Geister der Verstorbenen gnädig zu stimmen. Der Bau aus dem Jahr 1627 ist einer der größten Tempel der Stadt. Innenhöfe und prächtig ausgeschmückte Hallen sind dem Buddha der Langlebigkeit und Kun Iam geweiht.

Fürs Seelenheil genug getan, Zeit, ans Essen zu denken. Dass in Macau alles frisch auf den Tisch kommt, wird auf dem Red Market besonders deutlich. Neben Obst und Gemüse sind auch zappelnde Fische, Frösche und Schlangen im Angebot. Wer danach noch einen Bissen herunterbringt, findet in den Garküchen des Viertels ein reichhaltiges Angebot an leckeren Dim Sum und Wan Tan bis zu höllenscharfen Piri-Piri-Hühnchen, Chili-Shrimps und Krabben-Minchi.

Kolonialerbe oder Las Vegas Style?

Das historische Stadtzentrum zählt seit Langem zum Weltkulturerbe. Im Gegensatz zu Hongkong sind noch viele Kolonialgebäude erhal­ten. Etwa am Senatsplatz mit seinem Steinpflas­ter im schwarz-weißen Wellenmuster. Das älteste Wohn­gebiet aus portugiesischer Zeit liegt etwas ver­steckt im Süden, nahe des A-Ma Temple: Mit den kleinen, bunten Häusern ist der Lilau Square ein Meisterwerk, wo man sich noch heute eher am Mittelmeer als am Perlfluss wähnt. Einen Überblick über das Stadtgebiet verschafft eine Tour mit dem Hop-on-Hop-off-Bus. Die führt vorbei am Macau Tower, Macau Science Centre, Fisherman’s Wharf, der City of Dreams und den Hotels „Wynn“ und „Grand Lisboa“, „Sands Cotai Central“, „The Venetian Macao“ und „Galaxy Macau“.

Wem das zu viel Glamour ist, der zieht sich ins Macau Museum of Art zurück, dessen Exponate zu chinesischer Kalligrafie, Malerei und Porzellan absolut sehenswert sind. Zum Dinner geht es nach einem Bummel durch die Straßen und Gassen rund um den Lilau Square ins mit drei Michelin-Sternen dekorierte Restaurant „Robuchon au Dôme“, das im 43. Stock des „Grand Lisboa“-Komplexes unter einer riesigen Glaskuppel thront. Zu teuer? Sparen lässt sich bei der Unterkunft, denn jenseits des Wochenendes, wenn Heerscharen spielsüchtiger Festlandchinesen einfallen, zahlt man in vielen Hotels oft nur die Hälfte.

Und jetzt? Reif für die Insel

Der kommende Tag beginnt mit einem Ausflug auf die grüne Insel Coloane, knapp 20 Autominuten südwestlich von Macaus Boulevard gelegen. Das Fischerdorf Coloane Village, einst größter Schmugglerhafen der Stadt, bietet einen Einblick in ein authentisches, einfaches Leben. Zum sicheren Baden lohnt eher der Hac Sa Beach im Südosten. Dort öffnet mittags das berühmte Fernando’s, ein rustikales, portugiesisches Lokal mit leckeren Spareribs und Meeresfrüchten.

Auch wenn man selber satt ist, sind die Tiger noch immer hungrig. Hungry Tigers heißen die vielen Spielautomaten auf Cotai, einem künstlich aufgeschütteten Landstrich zwischen den Inseln Coloane und Taipa. Das weltgrößte Spielcasino, das „Venetian“, ist zugleich eine einmalige Venedig-Kopie. Eine Gondelfahrt auf dem künstlichen Kanal samt Gesang für umgerechnet 14 Euro ist verglichen mit dem Original ein richtiges Schnäppchen.

Das ist Weltrekord: der höchste bzw. tiefste Bungeejump ist am Macau Tower zu erleben und erleiden

Das ist Weltrekord: der höchste bzw. tiefste Bungeejump ist am Macau Tower zu erleben und erleiden

Perfekter Absturz

Wenn einen bis abends dann Glück wie Geld verlassen haben sollten und man sich am liebsten vom Turm stürzen möchte, bitte! Dafür reicht eine Fahrt über die Sai Van Bridge zum Macau Tower. Von der 233-Meter-Plattform geht es im freien Fall mit 200 Stundenkilometern nach unten – am Gummiseil, versteht sich.

Und wenn man schon mal in himmlischen Sphären schwebt, ist es vom Macau Tower bis zur Rooftop-Bar „Sky 21“ im AIA Tower nicht weit. Von hier oben lässt sich bei einem Abschiedsdrink noch einmal die beleuchtete Skyline einer Stadt bestaunen, die, nicht nur was das Zocken anlangt, Las Vegas alt aussehen lässt.


INFO

Routenvorschläge für Kurzreisen und Download-Links zur Macau-Map sowie zur App „Experience Macau“ mit Audio-Guide, Stadtplan und Reiseplaner finden sich auf der gut gemachten Website von Macau Tourism.  Nonstopflüge nach Hongkong zum Beispiel mit Cathay Pacific, von dort weiter mit der Fähre. Für beide Städte ist kein Visum nötig.


Sie wollen jeden Monat informative, reich bebilderte Reportagen aus aller Welt lesen und von vielen vor Ort recherchierten Tipps profitieren? Dann  jederzeit kündbares Zeitlos-Abo abschließen, eine ältere Ausgabe versandkostenfrei  nachbestellen  oder das ganze Heft als eMagazine auf dem Tablet-PC lesen

Über diesen Autor

Margit Kohl

Margit Kohl

Margit Kohl ware viele Jahre Ressortleiterin des Reiseteils der Süddeutschen Zeitung, danach Chefredakteurin des ADAC Reisemagazins. Nun ist sie freie Autorin für Magazine, Zeitungen und Buchverlage mit Sitz in München.

abenteuer und reisen testen!

NEUJAHRS-SCHNÄPPCHEN

3 Ausgaben von „abenteuer und reisen“ + 1 Prämie zur Wahl für 13,50 Euro
Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus