Länderberichte

Dominikanische Republik | Inseltrip mit Voodoo-Zauber

Karsten-Thilo Raab
Geschrieben von Karsten-Thilo Raab

Die Dominikanische Republik hat weit mehr zu bieten als traumhafte Karibik-Strände. Von Punta Cana kann man Land und Leute bei einer Tour durch das Hinterland kennenlernen, inklusive Stopp beim Voodoo-Zauberer

Das Massage-Taxi, ein Elektromobil mit Sonnendach, schnurrt wie eine Katze. Ein paar Kurven links, ein paar Kurven rechts, schon kommt es direkt an der Playa de Bávaro in Punta Cana mit ihrem schneeweißen Sand und dem türkisblauen Wasser zum Halt. Ein mit Palmenblättern gedecktes Dach auf Stelzen spendet Schatten für die bereitstehenden Liegen. Cris­tina, eine junge Frau mit tiefbrauner Haut, freundlichem Lächeln und funkelnder Zahnspange, fordert dazu auf, alles bis auf die Badehose abzulegen und es sich mit dem Gesicht nach unten bequem zu machen.

Gesagt, getan. Warme Temperaturen, ausreichend Schatten, das Rauschen des Meeres und dazu eine sanf­te Brise – ein Traum! Schade nur, dass das Meer nicht zu sehen ist, weil der Kopf in der Aussparung der Massageliege steckt. Nach neun Stunden Flug in die Dominikanische Republik ist die Knet-Kur gleichwohl der ideale Einstieg in erholsame Tage.

Entspannt bechern am Strand

Was zur Entspannung beiträgt: Auch wenn Punta Cana seit Jahr und Tag zu den beliebtesten Urlaubsorten des Landes gehört, herrscht weder am Strandabschnitt der mondänen „Royal Suites Turquesa“ noch an dem des „Punta Cana Resort & Club“ drangvolle Enge. Zu Letzterem gehören exquisite Häuser wie „Tortuga Bay Hotel“, „Westin Puntacana Resort & Club“ und „Four Points by Sheraton“.

Auf­fällig sind nur die amerikanischen Gäste, die fast ausnahmslos an der Bubba-Mug in der Hand zu erkennen sind. Diese XL-Thermobecher sind mit Bier, Softdrinks oder Cocktails gefüllt. Was warm hält, hält auch kühl. Und ganz coole Amerikaner laufen im Rudel mit identischen Bubba-Mugs die kilometerlangen Strände von Punta Cana rauf und runter. Ab und an biegen sie zur nächsten Bar ab, um, wie Steve grinsend sagt, „die Luft aus den Bechern zu lassen“.

Santo Domingo wurde 1494 am Ufer des Rio Ozama gegründet

Die  Karibik beginnt hinterm Hotelzaun

Die Männer in der Dominikanischen Republik teilen zwei ganz andere Leidenschaften: Tanzen und Autos. „Mindestens einmal pro Woche lassen die Besitzer ihre Autos innen und außen per Hand reinigen“, berichtet Norbert Edrich, während er von Punta Cana aus durch das Hinterland führt. Der Tour-Guide aus der Pfalz lebt seit 17 Jahren in diesem Teil der Karibik, kennt Land und Leute. Und er weiß, dass zum „Car Wash“ noch viel mehr gehört. Ein solcher Putzplatz ver­fügt meist über eine Kneipe, einen Partyschuppen, einen Friseur – und mitunter über ein Stundenhotel.

„Der Dominikaner arbeitet, um zu leben. Wenn es zum Auto reicht – gut. Wenn nicht, ist es auch gut“, so Edrich. Zur karibischen Lebensart gehöre auch, dass viele nicht ihr genaues Alter kennen, da es lange Zeit keine behördliche Erfassung von Geburten gab. Mittlerweile werden die meisten Dominikaner im Krankenhaus geboren und dort registriert. „Wir haben hier zwar modernste Technik und doch hinken wir der westlichen Welt um 30, 40 Jahre hinterher. Die Dominikanische Republik“, mein Edrich, „ist noch immer ein Entwicklungsland.“ Ein Land, dessen Wohl und Wehe entscheidend auch vom Tourismus abhängt. Längst sind die Hotels zu den wichtigsten Arbeitgebern geworden.

Paradies Punta Cana: 30 Kilometer Strand und Palmen

 

Hahnenkämpfe und Voodoo-Kult

Während es in den Luxusherbergen an nichts man­gelt, leben die Menschen – wie sich rund um den Wallfahrtsort Higüey mit der Basilika Nuestra Señora de la Altagracia zeigt – in bescheiden­en Verhältnissen. Die Häuser sind oft nur bessere Holzverschläge mit Well­blechdach, gern in grellen Farben. Auch essenstechnisch ist die Landbevölkerung nicht verwöhnt. Eine Mahlzeit besteht meist aus Reis mit Bohnen. Fleisch gebe es bei vielen nur selten. „An einem halben Hähnchen essen vier Mann zwei Tage“, weiß Edrich. Geld geben die Dominikaner gern für andere Dinge aus, etwa für Wetten bei Hahnenkämpfen. Diese werden zum Teil sogar im Fernsehen übertragen.

„Die Dominikanische Republik ist wie ein Computerspiel. Man kann immer wieder zwischen verschiedenen Welten hin- und herwechseln“, führt Edrich fort, während der Minibus in ein riesiges Zuckerrohranbaugebiet mit über 1.000 Verladestationen einbiegt. Rund 2.000 Menschen, meist aus dem viel ärmeren Haiti, leben hier in speziellen Siedlungen, Bateys genannt.

Einst war Santo Domingo obligatorische Station der Spanier auf ihrem Weg nach Mexiko

Schamane: Heiler und Bürgermeister

In einer Holzhütte mit Schummerlicht folgt der Höhepunkt der Landpartie in die Dominikanische Republik: Zwei Dutzend Schemel stehen im Raum. Die Wände zieren Bilder von Hei­ligen. Auf dem Boden vor jedem Stuhl finden sich merkwürdige Kreidezeichen. Es herrscht aufgeregtes Geschnatter. Dann betritt ein großer, dunkelhäutiger Mann mit grauem Hemd, grauer Hose, schwarzem Mantel und Strohhut, mit schwarzem Kopftuch darunter, den Raum. Der 33-jährige Edward ist der Schamane des Batey – Heiler, Bürgermeister, Schlichter und oberster Richter in Personalunion.

„Das hier ist keine Show, sondern echter Voodoo“, so Edrich. Begleitet von den Klängen dreier Trommler läuft Edward durch Feuer und Scherben, lässt sich von mehreren Gästen ein Schwert in den Bauch drücken. Mit einer brennenden Kerze zwischen den Zehen reibt er dann allen Besuchern über Kreuz die Arme ein und versieht deren Handgelenke mit bunten Bändchen, an denen schwarzen Kugeln baumeln. „Jedes Bändchen ist mit Wünschen für jeden einzelnen verbunden“, versichert Edrich, ohne konkret werden zu können. Und so bleiben der Voodoo-Zauber und der Schamanenbesuch ein rätselhafter Ausflug in eine andere Welt. Eine Welt, die irgendwie auch ein typischer Teil der Dominikanischen Republik ist, aber denjenigen, die sich nur am Strand rekeln, leider verborgen bleibt.

Infos Punta Cana

Royal Suites Turquesa

Das luxuriöse Fünf-Sterne-Haus nur für Erwachsene liegt direkt am Strand.

Tortuga Bay, Puntacana Resort & Club

Ein echter karibischer Luxus­traum mit Villen und Suiten, auch in Strandlage.

Island Explorer

Die Inseltour mit Norbert Edrich, „Island Explorer“ genannt, kostet 99 US-Dollar und ist buchbar über FTI .

Info

Weitere Auskünfte über die Dom Rep findet man bei Go Dominican Republic .


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Über diesen Autor

Karsten-Thilo Raab

Karsten-Thilo Raab

Ist im positiven Sinne vom Reisebazillus befallen und folgt den Lockrufen aus allen Teilen der Welt. Nach Jahren, in denen er in Großbritannien und Irland lebte und eine nach wie vor riesige Passion für die britischen Inseln entwickelte, hat er seinen Reisehorizont heute auf alle Teile des Erdballs ausgedehnt. Vor allem Outdoor-Aktivitäten stehen bei dem Autor von mittlerweile mehr als 90 Reise-, Wander- und Radführern sowie Bildbänden hoch im Kurs.

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