Länderberichte

Indonesien | Bawah Island. Paradise found!

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Dieses neue Hideaway im indonesischen Anambas-Archipel schlägt in puncto Nachhaltigkeit und Naturschönheit jede Malediven-Insel um Längen. Mitten im Südchinesischen Meer wartet Bawah Reserve auf Gäste mit Geschmack – und Geld

Nicht erst, wenn man barfuß im weichen Sand steht und den Blick um 180 Grad schweifen lässt, glaubt man zu halluzinieren. Schon der Landeanflug berauscht. Ein paar von Riffen und Mangroven gesäumte Inselchen inmitten vom unendlichen, an alle Horizonte reichenden Blau. Es ist so schön am Arsch der Welt auf 2°30 N, 106°03 E!

Haken wir die nüchternen Zahlen zu Bawah Island ab. 6 Inseln. 13 Strände. 3 Lagunen. 2 Restaurants. 70 Gäste maximal. 150 Mann Personal. 35 Tented Suites und Überwasser-Bungalows. 3 Bars. 0 TV-Kanäle. Lage: 277 Kilometer Luftlinie nordöstlich von Sin­gapur, 355 bis zur Küste Borneos und 1.500 zum Mekong-Delta. Das ist ganz schön jwd.

Ballast abwerfen!

Vor der Anreise im Wasserflugzeug ist die Kunst der Reduktion gefragt. 15 Kilo Gepäck sind an Bord der Twin Otter erlaubt – nicht mehr. Wen beim Light-Packing der Horror Vacui übermannt, den mag es trösten, dass Bawah Reserve für Teilzeitinsulaner kostenlosen täglichen Wäscheservice, Schnorchelausrüstung, Sonnenhüte sowie Sonnen- und Insektenschutzmittel bereithält.

Aber viel mehr als Badehose respektive Bikini, Flipflops, ein paar Shirts, Shorts sowie eine Chino braucht man ohnehin nicht. Highheels und Rahmengenähte können zu Hause bleiben. Barefoot luxury eben …

Bawah Reserve: Das "Boathouse“ war der Lieblingsplatz des Reporters. Hier gab es Bintan-Bier, coole Musik, indonesische Leckerbissen

Bawah Reserve: Das „Boathouse“ war der Lieblingsplatz des Reporters. Hier gab es Bintan-Bier, coole Musik, indonesische Leckerbissen

Neben dem Wäscheservice sind auch alle Mahlzeiten sowie – man höre und stöhne – alle Spa-Treatments im Preis inbegriffen, dazu Beach-Picknicks, Sunset-Törns, Segeln mit Katamaran oder Jolle, alle alkoholfreien Getränke, WiFi sowie Anreise. Das Ganze gibt es ab 1.550 Euro pro Nacht und Unterkunft.

Jede der Tented Beach Suites hat eigenen Strandzugang, Solaranlage für Heißwasser und viel Grün drumherum

Bawah Fitness Menü: Schnorcheln, SUP, Segeln

Meine 70 Quadratmeter große Beach Suite, eine Bambuskonstruktionen mit großer Veranda unter einem weit  geschwungenen Zeltdach, liegt nur einen Kokosnusswurf vom Meer. Mit geöffneten Seitenwänden ist man ganz nah an der Natur, hört das Meer. Nachts rückt einem der Inseldschungel flötend, klackernd, schnatternd, trällernd und kreischend auf die Pelle.

Mein Plan für den ersten Tag auf Bawah? Schnorcheln am Dermaga Reef und Stand-up-Paddling rund um die Hauptinsel. Das ist mit den schnittigen Boards in gut 45 Minuten zu schaffen, inklusive Badestopp am Coconut Beach und Meeresschildkröten-Beobachtung im glas­kla­ren Wasser zwischen Bawah und dem Mangrovensaum von Setigi Reef und Lidi Reef.

So schön bunt hier!

Die Unterwasserwelt vor der Haustür der Beach Suites ist weitgehend intakt. Von der Korallenbleiche, die auf den Male­di­ven, im Barrier Reef und auf den Seychellen die Welt unter Wasser sterben lässt, ist (noch) nichts zu sehen. Bunt und farbenprächtig ins Auge stechen dagegen hellblaue Steinkorallen, tiefblaue Seesterne sowie Schwarzspitzen-Riffhaie und große Schwärme von Papagei-, Doktor- und Fledermausfischen.

Bawah Reserve: Win-Win für Mensch und Natur

Der Verkauf und die Umwandlung der sechs Inseln in ein Resort tun der Natur letztendlich gut. „Nun darf in einem Umkreis von 500 Metern um die Inseln nicht mehr gefischt werden, schon gar nicht mit Netzen oder Dynamit. Die Fischbestände und Korallen haben sich in den letzten sechs Jahren deutlich erkennbar erholt. Die Zahl der Arten und die Größe der Schwärme hat spürbar zugenommen“, erzählt Paul Robinson, der COO von Bawah.

„Zwar liegt unser Resort inmitten des 12.000 Quadratkilometer großen Anambas Islands Marine Recreational Park, der seit 2014 mit zwölf anderen Schutzgebieten das Coral Triangle Marine Protected Area System bildet, die Natur aber war bis zu unserem Erwerb von Bawah durch Dynamit- und Cyanidfischerei sowie Schleppnetzfischerei bedroht“, so Paul.

Alternativ zu den Tented Beach Suites kann man sich auch in einer der Overwater Bungalows einmieten

Beim Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit geht Bawah Reserve weit über das hinaus, was Hotels ansonsten gern zur grünen Imagepflege machen.

„Die Zelt-Suiten nach Entwürfen des Singapurer Architekten Sim Boon Yang wurden,“ so Paul, „aus Bambus errichtet. Für Duschen, Badewannen und Armaturen haben wir Recyling-Kupfer verwendet.“ Solarpaneele – gut versteckt im dichten Pflanzengrün hinter jeder Suite – sorgen für heißes Wasser.

Luxus, aber mit viel Öko

Auf einer Führung zeigt mir Cheftechniker I Ketut Wijaya, wie das Regenwasser in Zisternen gelagert, zu Trinkwasser aufbereitet und in Glasflaschen abgefüllt wird. „Fällt zu wenig Regen, wandeln wir in unserer Osmose-Anlage Meerwasser in Trinkwasser um. Sie schafft 62 Liter in der Minute. Ist der Grundwasserspiegel ausreichend hoch, greifen wir auch zu Grundwasser.“

Damit beim Kampf gegen Moskitos keine Chemie eingesetzt werden muss, greift man zu einem pfiffigen System von Eiablagefallen: Neben jeder Unterkunft und in den Grünanlagen stehen über 60 Systeme aus kleinen Becken mit stehendem Wasser, in denen die Moskitos ihre Larven legen. Das Larvenstadium wird täglich überwacht. Meist am dritten Tag nach der Eibablage werden die Brutfallen  leergepumpt, so dass der Nachwuchs der Plagegeister stirbt, bevor er schlüpft.

Fischkacke, der Stoff, aus dem Strandträume sind

Kaum einer, der sich im weißen Sand aalt, ahnt, dass er auf – sorry! – Fisch-Scheiße liegt. Zigmillionen Papageifische raspeln weltweit Algen von Korallenstöcken. Dabei geraten Stücke der Korallen in den Verdauungstrakt. Die Tiere stoßen diese nicht verwertbaren Reste als Kot wieder aus – in Form von feinkörnig gemahlenem Sand!

Jeder Papageifisch produziert im Jahr zwischen 100 und – wie der riesige Büffelkopf-Papageifisch, der bis zu 40 Jahre alt werden kann – 1.000 Kilo jenes Stoffs, aus dem unsere „puderzuckerfeinen“ Strandträume sind.

Große Büffelkopf-Papageifisch „kacken“ pro Jahr bis zu 1.000 Kilo des Stoffs, aus dem die „puderzuckerfeinen“ Strandträume sind: feinen weißen Sand

Wissenschaftler schätzen, dass gut 70 Prozent des Sands der Strände in der Karibik, auf den Malediven und Hawaii „Parrotfish Poop“ seien. Umso wichtiger ist es in unserem eigenen Interesse, dass die Bestände an Riff-Fischen weltweit bewahrt bleiben und die Tiere nicht auf unseren Tellern landen – andernfalls verschwinden auch die Strände unweigerlich.


Info

Anreise

Nach Singapur in rund zwölf Stunden mit Singapore Airlines in der Premium Economy ab 1.099 Euro, in der Business ab 2.965 Euro. singaporeair.com/de | Testbericht Singapore Airlines‘ Business Class

Business-Flüge mit Turkish Air­lines sind rund 500 Euro günstiger, dauern aber wegen Zwischenstopp in Istanbul fünf bis acht Stunden länger. turkishairlines.com

Weiter geht es am Folgetag in Singapur morgens um 7 Uhr mit Transfer zur Fähre > 30 Minuten zur Insel Batam > 20 Minuten Taxi zum Flughafen > 80 Minuten im Wasser­flugzeug bis Bawah. Ankunft gegen 12 Uhr

Bawah Island

Wir empfehlen statt einen der elf Overwater Bungalows (105 Quadratmeter, ab 2.100Euro) eine der 19 außergewöhnlichen, zelt­artigen Beach Suites (70 Quadrat­meter, ab 1.730 Euro) zu buchen – man ist direkt im Grünen, hat ebenfalls einen schönen Zugang zum eigenen Strand und spart einiges an Geld. (Preise jeweils für zwei Personen, all inclusive). bawahreserve.com

Stopover Singapur

Das Six Senses Duxton ist ein brandneues Boutiquehotel in einer hippen Ecke zwischen Chinatown und dem Viertel Tanjong Pagar, keine 400 Meter vom berühmten Buddha Tooth Relic Temple. Sehr gute – und gesunde – Küche im „Yellow Pot Restaurant“. Der ansässige TCM-Mediziner berät auf Wunsch jeden Gast bei der Ankunft kostenlos. Keines der 49 Zimmer und Suiten gleicht dem anderen, dafür sorgte die Interior-Designerin Anouska Hempel.

Das Interieur des „Duxton“ erinnert in vielen Punkten an Hempels legendäres „Blakes“-Hotel in London. Der Style in dem dreistöckigen Komplex aus acht früheren Shophouses reicht vom reduziertem All-in-White bis zum plüschig-roten Opium House Style.

Die Nachbarschaft? Läden und Kneipen in den renovierten Shophouses von Duxton Hill, Duxton Road und Tangjong Pagar Road. Die ange­sag­te Rooftop-Bar des „Potato Head“ ist nur 400 Meter ent­fernt. Wer mal außerhalb essen will: Zum Tang­jong Pagar Food Centre mit vielen guten Garküchen sind es 300 Meter. DZ/F ab 230 Euro. sixsenses.com/duxton/ | ptthead.com/singapore | Stopover-Tipps für 36 Stunden in Singapur


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.