Länderberichte

Obertauern | Glücksgefühle im Weißraum

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Wir haben für euch das Skigebiet Obertauern getestet. Pluspunkte gibt es für die Schneemengen, die ihm den Titel „schneereichster Skiort Österreichs“ einbrachten. Aber auch für das Nachtleben und für die „Tauernrunden“, die jüngst Nachwuchs bekamen …

Was hilft bei minus 14 Grad? Klar: warme Klamotten und Glühwein. Aber auch Zusammenstehen, Hüpfen, inbrünstiges Mitsingen. So wie an diesem Dezembersamstag, als Andreas Bourani rund 2.000 Zuschauern in Obertauerns Ortsmitte einheizt. Bei seinem Open-Air-Auftritt bei Vollmond erwärmt der Deutsch-Softrocker nicht nur die fröstelnden Körper, sondern auch die Herzen. Wohin man blickt: strahlende Gesichter.

Obertauern ist für sein Nightlife bekannt. Das beginnt aber durchaus schon am Nachmittag …

Lange hatten Ischgl und Schladming das Monopol auf Saisoneröffnungen mit XXL-Konzerten. Doch das gerade einmal 200 Einwohner zählende Hoteldorf Ober­tauern lotst seit Jahren ebenfalls bekannte Acts an den Radstädter Tauernpass: Die Toten Hosen, The BossHoss, Culcha Candela, Leningrad Cowboys, Andreas Gabalier – alle waren sie schon da. „Wir sehen uns morgen auf der Piste!“, ruft Bourani ins Publikum und stimmt den nächsten Song an: „Ich heb’ ab, nichts hält mich am Boden“.

Die Jahre vergehen, die Schneehöhen bleiben

Für Skispaß total ist der zwischen 1.630 und 1.750 Höhenmeter gelegene und aus rund 150 Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen bestehende Ort im Salzburger Land bekannt. Vor allem für seine lange Saison. Hier laufen schon die Lifte, wenn andernorts noch die Vorbereitungen laufen.

Eine viel zitierte Studie des Skitourismus­forschers Günther Aigner aus dem Jahr 2016 kam zu dem Schluss, dass hier die Schneehöhen innerhalb der vergangenen 108 Jahre statistisch unverändert geblieben sind. 264 Zentime­ter im Schnitt machen Obertauern zum schneereichsten Skiort Österreichs. In der „Schneeschüssel“ gibt es genug Pulver für Monate.

Mit 100 überwiegend leichten bis mittelschweren Pistenkilometern ist das Angebot zwar gut, aber nicht übermäßig. Doch gibt es Zusatzoptionen durch den Kartenverbund mit der nicht weit entfernten Region Großeck-Speiereck, der Super Ski Card und dem Skipass Lungo.

Ein Großteil der Pisten ist leicht bis mittelschwer, also ideal auch für Familien

Zum anderen lassen sich viele Freeride-Variatio­nen entdecken, etwa am sonnigen Seekareck oder in den Schattenhängen der Kesselspitze. Zudem haben es die Buckel der Gamsleiten 2 in sich, gilt sie doch als eine der steilsten präparierten Abfahrten der Alpen. Auch nicht zu verachten sind die Piste am Hundskogel und die Weltcupstrecke an der Schaidbergbahn.

Alles in allem halten sich die Herausforderungen und höchstens 700 Höhenmeter überwindenden Abfahrten aber in Grenzen, was man ge­rade nach einem nicht ganz unanstrengenden Vor­abend – Stichwort Après-Ski – nicht bedauern muss. Dafür schätzt man, dass nirgends lange An- respektive Auffahrten anstehen, man ist ja schließlich schon oben!

Eine Runde für alle

Da die 26 Liftanlagen rund um das lang gezogene Straßendorf angelegt sind, ergeben sich rasche Einstiege und zudem mehrere Möglichkeiten der Rundfahrt: Da heißt es Augen auf, in die eine Richtung weisen rosarote, in die andere grüne Schilder den Weg auf der Tauernrunde. Dank Straßenskiübergänge muss man mit einer Ausnahme nirgends die Ski abschnallen.

Die ehemalige Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch agiert als Obertauern-Botschafterin

In der Saison 2017/18 kamen zwei Neuheiten dazu und Maria Höfl-Riesch, dreimalige deutsche Olympiasiegerin und seit rund zwei Jahren Skibotschaf­terin Obertauerns, hat diese persönlich eingeweiht: zum einen die „Bobby-Runde“, eine lustige Pistenkombination, die selbst Kindergartenkinder easy hinunterwedeln.

Für Extraspaß sorgen lustige Gim­micks wie ein Märchenwald, eine Wellen­bahn, der Bibo Bär Familienpark und eine Geisterbahn im Wald, die man auf Skiern durchfährt. Zum anderen lockt fortgeschrittene Kids und Jugendliche „My Track“, eine spannende Route durchs gesamte Skigebiet mit Boardercross, Speed-Strecke und Funpark.

Kultstatus genießen in Obertauern die Beatles, an deren Besuch 1965 (für Filmszenen zu „Help“, wobei sie in den Skiszenen Double-Hilfe von Einheimischen wie Herbert Lürzer und Gerhard Krings bekamen) ein Denkmal im Skigebiet erinnert, sowie die „Schneeforscher“ Uwe Seeler, Erich Ribbeck und Franz Beckenbauer, die seit über 30 Jahren hierher kommen. Deren Porträts hängen etwa im Hotel „Kesselspitze“, einem von drei Häusern der Familie Lürzer, die wie kaum eine andere die Geschicke Obertauerns geprägt hat.

Hochprozentiges vom Rückwärtsskifahr-Weltmeister

Zum Familien-Imperium zählt neben Sportgeschäf­ten und einem Taxiunternehmen auch die „Lürzer Alm“, wo Action und Halligalli bis spät in die Nacht garantiert sind. Auch in rund zwei Dutzend anderen Hütten, Bars und Discos wird gern ausgiebig gefeiert, etwa in der „Hochalm“ und der 2016 neu aufgebauten „Gamsmilchbar“, zwei Après-Ski-Klassikern.

In der gleichnamigen Vorgängerhütte hat der Rückwärtsskifahr-WeltmeisterWalter Fötschl in den 1970ern eine echte Obertauern-Spezialität erfunden: Gamsmilch, die aus aufgeschäumter Milch, Kakao und Schnaps besteht und auch in der äußerst urigen „Achenrain­hütte“ bei der Gamsleitenbahn (ein echter Geheimtipp!) und anderswo geordert wird.

Schon 1965 standen die Beatles in Obertauern für ein Musikvideo vor der Kamera – und auf Ski. Heute steht ein Denkmal von ihnen an der Piste

Gams geht in Obertauern aber auch anders, ein wenig „normaler“: Im „Jausen-Stüberl“ des „Treff 2000“ an der Bergstation der Grünwaldkopfbahn, das sich peu à peu zu einem Treffpunkt für Gourmets entwickelt, gibt es zarte Gamsfilets …


Infos

Mehr erfahren: Tourismusverband Obertauern, obertauern.com

Schöner schlafen: Vier-Sterne-Superior-Haus „Kesselspitze“ an der Achenrainbahn mit neuem Wellnessbereich. DZ/HP ab 265 Euro, luerzer.at

Mehr erleben: „Internationaler Skicountdown“ mit der Band Wanda (1. Dezember 2018). „Gamsleiten-Kriterium“, Österreichs größte Schatzsuche im Schnee (5. bis 7. April 2019)


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Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.