Länderberichte

Zweite Reihe, erste Wahl | Osaka … statt Tokio

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Unsere Serie „Zweite Reihe, erste Wahl“ stellt attraktive Alternativen zu überlaufenen Städten vor. Osaka legen wir Ihnen als ebenbürtige Alternative zu Tokio ans Herz. Die Stadt ist mit ihrem riesigen Angebot an „Kaiseki“-Restaurants, Fine Dining, Sushibars und urigem Streetfood zudem ein Paradies für Besseresser

Warum Osaka?

Japans zweitgrößte Stadt (19 Millionen Einwohner in der Metropolregion Keihanshin) ist eine Megacity mit Wolkenkratzern, verschlungenen Flyovers und einem Highway, der mitten durch einen Büroturm führt. Es gibt Kapselhotels (die 1979 in dieser Stadt erfunden wurden), Love-Hotels, unzählige riesige Shopping-Malls sowie bunte Einkaufsstraßen und Unterhaltungsviertel wie Dotonbori mit verrückten Fassaden wie der sich bewegenden Riesenkrabbe über dem Restaurant „Kani Doraku“.

Osaka bietet zudem gewaltige Pachinko-Spielhallen, kilometerlange unterirdische Einkaufspassagen, vielstöckige Elektronikkaufhäuser sowie die unverzichtbaren Maid- und Cosplay-Restaurants. Nicht zu vergessen Japans höchsten Wolkenkratzer, den 300 Meter hohen Abeno Harukas, sowie zwei schöne Tempel- bzw. Schreinanlagen. Osaka kann Tokio durchaus das Wasser reichen.

Wolkenkratzer und pulsierendes Großstadtflair – und Bewohner, die offener sind als die meisten Tokioter

Außerdem ist die „Küche der Nation“ ein lohnendes Ziel für Gourmets. Das Lebensmotto Osakas – Kuidaore – bedeutet so viel wie „sich in den Bankrott essen“. Osaka hat vier Drei-Michelin-Sterne-, 17 Zwei-Michelin-Sterne- und 74 Michelin-Stern-Lokale sowie Zigtausende von Imbissen, Izakayas, Yakitoris und sonstigen Restaurants, deren Preise meist unter denen in Tokio liegen.

Running Sushi übrigens – das in Japan keiner so nennt, hier spricht man von kaitenzushi – wurde nicht in Tokio, sondern 1958 in Osaka erfunden. Im selben Jahr brachte in Osaka Herr Momofuku Ando die weltweit erste Instant-Nudel als „Chicken Ramen“ auf den Markt. Auf eingefleischte Cup-Noodles-Fans wartet sogar ein eigenes Museum.

Der große Unterschied zu Tokio: Osakas Bewohner sind offener, entspannter, nicht so pünktlich und weniger verschämt als der Durchschnitts-Tokioter.

Muss man sehen

Osaka wurde im Zweiten Weltkrieg durch US-Bomben stark zerstört. Alte Wohnhäuser und Viertel sind selten und die Zahl klassischer Sehenswürdigkeiten ist überschaubar. Osaka muss man als Gesamtkunstwerk verstehen…

Dotonbori am gleichnamigen „Fluss“ ist DIE Fress- und Partymeile Osakas

Für ein erstes Bild der Stadt empfiehlt sich die Fahrt mit der Loop Line von JR einmal um das Stadtzentrum herum. Das dauert 50 Minuten und kostet zwei Euro.

Für eine Sightseeing-Fahrt bietet sich der Aqua Bus vom Yodoyabashi Pier zum Schloss (35 Minuten, 11 Euro). Ansonsten aber lautet unsere Empfehlung: laufen, laufen, laufen! Zu Fuß entdeckt man die vielen kleinen exotischen oder verrückten Läden, Schilder, Geschäfte und Lokale am besten – für die langen Strecken gibt es ein dichtes U-Bahn-Netz.

Zu den Hauptattraktionen Osakas zählen das aufs 16. Jahrhundert zurückgehende, mehrfach durch Brände und Bomben zerstörte und wiederaufgebaute Schloss Ōsaka-jō, dessen Hauptturm nun komplett aus Beton besteht.

Zu den must-sees gehören auch das große Kaiyukan Aquarium und der unweit der Tennoji Station gelegene buddhistische Tempel Shitennoji mit großer Pagode, dessen Ursprünge auf das 6. Jahrhundert zurückreichen. Sehr charmant ist der kleine Hozenji Temple mit moosüberzogener Fudo-Statue unweit des neonleuchtenden Fressviertels Dotonbori.

Umgeben von Kanälen thront die Burg von Osaka in vermeintlich alter Pracht – ist aber eine Betonkonstruktion

Dotonboris Restaurant-Fassaden mit riesigen Krabben, Kraken oder Fugo-Fischen sowie die knallbunten Neon-Werbewände in XL sind für sich schon eine Sehenswürdigkeit. Hier trommelt auch seit 1950 der Clown Kuidaore Taro vor sich hin – Dotonboris populärstes Selfie-Motiv.

Einen Abstecher von der Osaka Station aus führt zum 16-stöckigen Gate Tower Building: Dort führt ein Highway zwischen 5. und 7. Stock mitten durch das Gebäude.

Überdachte Shoppingarkaden wie die 2.600 Meter lange Tenjinbashi Suji Shotengai oder Shinsaibashi Suji Shotengai muss man mal gesehen und durchbummelt haben. Wenngleich das Warenangebot sich immer wiederholt und nicht unbedingt hochwertig ist.

Das kann man vom Kaufhaus Yodobashi Camera Umeda neben der Osaka Station nicht behaupten: Sechs  Stockwerke voller Elektronik und Spielzeug. Kurios und sehenswert sind auch die Gachapon-Automaten. Kaum zu fassen, dass so viele Erwachsene dem Überraschungskugel-Fieber erliegen und sich nach Einwurf von 100 bis 250 Yen über Plastik-Miniaturen von Sushi, Monstern, Insekten, Drachen und Anime-Figuren wie Pokemon, Anpanman, Sailor Moon, One Piece und Gundam, aber auch über Katzenmützen und Hundehüte aus den „toy capsules“ freuen. Ist in Japan übrigens ein Multi-Milliarden-Markt!

Aussicht

Im Norden der Stadt sorgen die zwei verbundenen Türme des 40 Stockwerke hohen Umeda Sky Building mit zwei spektakulären Rolltreppen 150 Meter über dem Abgrund an (5 Gehminuten vom Bahnhof Osaka Station) für luftige Ausblicke auf die Stadt und den Yodo River.

Quer über den Abgrund führt die Rolltreppe des Umeda Sky Building

Das höchste bewohnte Gebäude Japans steht im Süden Osakas, über dem Bahnhof Tennoji: 300 Meter hoch ist das Abeno Harukas. Von dessen Harukas 300 Observatory (Ticket: 11 Euro) hat man einen tollen 360-Grad-Blick weit über die Stadt. Tipp: Eines der großen Zimmer mit Aussicht im „Osaka Marriott Miyako“ buchen, das die Stockwerke 38 bis 57 belegt und durch raumhohe Fenster in Zimmern, Lobby und Restaurants für Rundum-Aussicht sorgt. Gäste des Marriott bekommen übrigens ein Gratisticket für das Observatory.

300 Meter über dem Abgrund im Abeno Harukas

Bummeln und Schlemmen

Darum geht es vorrangig in dieser Stadt, überirdisch, unterirdisch und überhaupt. In Umeda rund um die Osaka Station mit 2.000.000 Passagieren pro Tag warten auf Schritt und Tritt auf vielen Geschossen Lokale, Passagen und Läden aller Art und Preislage – von Department Stores wie Lucua und Edelkaufhäusern wie Daimaru über die Designerläden der Grand Front Osaka  bis zum 100-Yen-Shop. Dazu Tausende von Restaurants. Das Viertel Minami im Süden der Stadt lockt mit Nightlife, Shopping und sehr guten Izakayas in der Gasse Hozenji Yokocho.

Die bunte und laute Food-Meile Dotonbori entlang des gleichnamigen Kanals lockt mit „Must Eat Foods“ wie Kushikatsu (frittierter Fisch oder Fleisch am Spieß), Okonomiyaki (Omelette-Pfannkuchen-Hybrid) und Takoyaki (frittierte Oktopus-Bällchen).

In der autofreien Hauptstraße steht das Lokal, in dem 1958 Yoshiaki Shiraishi das erste Sushi vom Fließband eröffnete: Die Dotonbori-Filiale von Mawaru Genrokuzushi ist nicht zu übersehen: Aus der Fassade ragt eine riesige Hand mit Sushi. Ebenfalls mit Filialen in der ganzen Stadt vertreten ist die Kette Kaitenzushi Ganko, das uns qualitativ mehr überzeugte.

Das Viertel America-mura ein paar Hundert Meter nördlich von Dotonbori bildet eine sehenswerte Vintage-Kulisse für Shopping und Jugendkultur. Gourmets sollten sich einen Besuch im „Ajikitcho Bunbu-an“ gönnen, das für seine kunstvoll arrangierte und aromenraffinierte Kaiseki-Küche seit Jahren einen Michelin-Stern hält. Generell sind die Restaurants in und um die großen Bahnhöfe immer eine gute, meist noch recht günstige Wahl.

Einen Besuch ist auch das Shibakawa Building wert: Designershops in einem Schulgebäude aus dem Jahr 1927 mit kurioser Inka-Maya-Fassade.

Lieblingsplatz

Ganz klar: Der Sumiyoshi-taisha. Der Shinto-Schrein im puren Japan-Stil ohne chinesische Einflüsse ist einer der ältesten des Landes. Die Ursprünge gehen auf das 3. Jahrhundert zurück, also in eine Zeit weit bevor der Buddhismus nach Japan kam. Schöne, unglaublich stimmungsvolle Anlage im Süden der Stadt mit über 600 Steinlaternen, vielen Schreinen und Kanälen unter der spektakulären, über 400 Jahre alten roten Steinbogenbrücke Soribashi.

Kurios ist der Schrein Nankun-sha, der Ukanomitama gewidmet und durch die „Winkekatze“ Manekineko symbolisiert wird, die diesen Schrein in hundertfacher Ausführung prägt. Erreichbar ist der Sumiyoshi-taisha mit der nostalgischen Straßenbahn der Hankaidenki Uemachi Line vom Bahnhof Tennoji aus.

Nightlife

Sundowner in der „Adee Bar“ im 20. Stock des „InterContinental“ mit super Aussicht aufs Häusermeer, Live DJ und Videoprojektionen. Bodenständiges, lautes und buntes japanisches Nightlife bietet das im Süden gelegene Viertel Shinsekai rund um den 103 Meter hohen Funkturm Tsutenkaku mit Hunderten urigen Restaurants, Karaoke-Bars, Läden voller Retro-Computerspiele und buntem 1950er- und 1960er-Ambiente.

Shinsekai: 10 Gehminuten vom Bahnhof Tennoji tobt das Nachtleben in lauten Bierkneipen zu Füßen des Tsutenkaku

Schön schlafen!

Luxus mit Ausblick bietet das InterContinental Osaka unweit der Osaka Station. Großes Plus: 20-Meter-Pool, ein traditionelles Onsen-Bad mit Sauna und sehr geräumige Zimmer (50 qm). Concierge Onoyama-san gibt gern Foodie-Tipps und arrangiert auf Wunsch entsprechende Touren. Klasse Frühstücksbüffet. DZ/F ab 250 Euro.

Für Zimmer mit Höhenrausch empfiehlt sich das Osaka Marriott Miyako in den oberen Etagen des Wolkenkratzers Abeno Harukas – entsprechend toll ist die Aussicht aus den Zimmern und dem Restaurant im 57. Stock. Goodie: kostenlos bei Stadtstreifzügen nutzbare Smartphones mit Datenpaket für die Gäste. DZ ab 190 Euro.

Stilechter (Kapselhotel) und verrückter (Bibliothek!) als im extravaganten „Hostel Wasabi Osaka Bed with Library“ geht es kaum, ÜF ab 50 Euro.

Raus aus der Stadt: Koyasan

Der Koyasan, der heili­ge Berg des Shingon-Buddhismus, ist ein einzigarti­ges Ensemble aus Tempeln und einem riesigen, verzauberten Friedhof unter uralten, hohen Zedern. Der Haupttempel Kongōbu-Ji ist dem Mönch Kūkai gewidmet, der sich 816 hier niederließ und ein Zen­trums des Shingon-Buddhismus aufbaute. Der wurde im Lauf der Jahrhunderte immer wichtiger, viele Kriegerfamilien aus ganz Japan ließen immer neue Tempel errichten. Von einst über 2.000 sind noch 117 Tempel übrig, bewohnt von 600 Mönchen und Touristen.

Knapp 60 dieser oft kunstvollen Tempel in klassischer Architektur und mit akribisch gepflegten Gärten bieten die Möglichkeit, in klassischen Tatami- Zimmern zu übernachten, die vegetarische Küche der Mönche kennenzulernen und bei den Morgenandachten dabei zu sein. Der einzige Tempel mit eigenem Onsen-Bad für Männer und Frauen ist der „Fukuchi-in“ (Zimmer/HP ab 190 Euro). Neben dem über zwei Kilometer langen Friedhof Okunoin, dem dortigen Mausoleum sowie dem mehrfach wiederaufgebauten Kongōbu-Ji mit dem Banryutei, dem größten Zen-Steingarten Japans, sollte man den Tempelkom­plex um die große Konpon-Daito-Stupa nicht verpassen.

Beim Bummel durch die Gassen macht man immer wieder neue Entdeckungen – wie den kleinen Torii-Weg unter roten Torbögen am Ortsende. Der Koyasan und eine Nacht im Tempel sind oft Bestandteil von Studienrundreisen wie etwa „Auf den Spuren der Samurai“ von Meier’s Weltreisen oder Gebecos „Große Japan Rundreise“.

Und natürlich bietet sich ein Ausflug in die 30 Schnellbahn-Minuten (Ticket: 5 Euro) entfernte, zauberhafte Kaiserstadt Kyoto an.

 


Info

Anreise

Mit ANA All Nippon Airways via Tokio zum citynahen Flughafen Osaka Itami ab 650 Euro. Lesen Sie dazu auch unseren Test der ANA Business Class. Für 5 Euro geht es in 30 Minuten mit einem Bus des sehr pünktlichen Osaka Airport Limousine zu diversen Haltestellen in der Stadt, unter anderem eine nur 50 Meter vom „Marriott“.

Buchungstipps

Wer sich nicht mit Osaka begnügt, sondern auch Kyoto, Tokio und den Heiligen Berg Koyasan und andere Höhepunkte Japans erleben will, ist mit folgenden Reisen gut beraten:

(1) Zauberhaftes Japan von Dertour: 14 Tage/12 Nächte Rundreise inklusive Flüge mit ANA oder LH mit Besuchen u.a. von  Tokio, Fuji, Matsumoto, Nagano, Yamanouchi, Takayama, Shirakawa-go, Kyoto, Hiroshima und Osaka.

(2) Konichiwa Japan von Lernidee Reisen: 11 Tage / 9 Nächte Rundreise inklusive Flüge mit LH mit Besuchen u.a. von Tokio, Fuji, Takayama, Shirakawa-go, Kyoto und Osaka.

Mehr im Web

Offizielle Website von Osaka: osaka-info.jp

Fast noch bessere Infos zur ganzen Stadt auf: osakastation.com

Touren mit Yuko Sangu zu bis dato unbekannten Kunsthandwerkern der Region rund um Osaka für Souvenirs der Spitzenklasse unter japan-artisans.com


Ihr wollt weitere spannende Reportagen zu den schönsten Zielen weltweit lesen und von vielen reportergetesteten Tipps und Adressen in den Info-Guides profitieren? Dann empfiehlt sich unser flexibles Zeitlos-Abo oder eines unserer attraktiven Prämienabos.

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

Katalog-Service

Nice 'n' easy

Holen Sie sich für Ihre Reiseplanung die Kataloge renommierter Spezialveranstalter gratis ins Haus