Länderberichte

Zweite Reihe, erste Wahl | Padua … statt Florenz!

Beate C. Kirchner
Geschrieben von Beate C. Kirchner

Unsere neue Serie „Zweite Reihe, erste Wahl“ stellt attraktive Alternativen zu populären und stark überlaufenen Städtereisezielen vor. Sie wollen prächtige Palazzi und florentinische Fresken ohne Menschenmassen und langes Schlangestehen genießen? Dann auf nach Padua! Hier wirkten einige der größten Künstler der Frührenaissance. Und kulinarisch ist weit und breit keine Touristenfalle in Sicht …

Warum Padua?

Florenz gehört mit den Uffizien, der Ponte Vecchio und Michelangelos David zu den Top-Zielen aller Italien-Reisenden – weshalb man statt der berühmten Werke oft nur die Hinterköpfe der Mit-Bewunderer zu sehen bekommt. In Padua ist natürlich alles eine Nummer kleiner, aber nicht weniger hochklassig. Und dabei sehr viel günstiger.

Die Stadt am Rand der Po-Ebene war ein bedeutendes Zentrum der Republik Venedig, die mit ihrer Architektur das Stadtbild prägte und prominente Künstler, besonders aus Florenz, anzog. So spaziert der Besucher heute durch Laubengänge zu majestätischen Plätzen und Palästen und entdeckt etwa das atemberaubende Fresko des famosen florentinischen Malers Giotto in einer unscheinbaren Familienkapelle. Da war selbst Goethe auf seiner Italien-Reise tief beeindruckt!

In der Altstadt, in der man sich bequem zu Fuß bewegt, geben Studenten statt Touristengruppen den Ton an. Denn die Universität prägt seit dem 13. Jahrhundert auf außergewöhnliche Weise Leben und Stadt: Galileo Galilei unterrichtete hier zu Zeiten, als ihn die Inquisition jagte, zudem erhielt hier 1678 die weltweit erste Frau ihren Doktortitel. Heute sorgen mehr als 60.000 Studenten, ein Viertel der Stadtbewohner, für quirliges Leben. Und den „Spritz“ zum Aperitif gibt es auf der Piazza deshalb zu Schnäppchenpreisen.

Vor den Toren der Stadt macht der romantische Ort Arquà Petrarca in den Euganeischen Hügeln der klassischen Toskana Konkurrenz. Padua ist für Besuche von weiteren Kulturklassikern Italiens ein perfekter und preisgünstiger Standort: Eine Gondelfahrt in Venedig ist nur 30 Minuten Zugfahrt entfernt, der Dom in Florenz eineinhalb Stunden und der Mode-Hotspot Mailand knapp zwei Stunden.

Irgendwann landet jeder einmal auf der zentralen Piazza dei Signori

Muss man sehen!

Die 1.000 Quadratmeter Fresken in der Scrovegni-Kapelle zählen zum Kostbarsten, was die italienische Frührenaissance hervorbrachte. Kein Geringerer als der florentinische Maler Giotto schmückte die private Familienkapelle des Bankiers Enrico Scrovegni aus. Atemberaubend zieht sich der Freskenzyklus mit Episoden aus der Bibelgeschichte über drei Wände, herausragend ist vor allem die Darstellung des Jüngsten Gerichts auf der vier­ten Wand (Ticket 13 Euro).

Feinste Fresken: Der florentinische Maler Giotto gestaltete die Scrovegni-Kapelle

Die Universität von Padua, gegründet 1222 und damit eine der ältesten in Italien, verfügt über das weltweit einzigartige anatomische Amphit­heater­ aus dem Jahr 1594, in dem die ersten medizinischen Autopsien der Welt durchgeführt wurden. Der Lehrgarten im angeschlossenen Botanischen Garten gehört zum Weltkulturerbe. Älteste Pflanze: eine 1585 gepflanzte Zwergpalme, die Goethe in seiner „Geschichte meines botanischen Studiums“ erwähnt.

Im anatomischen Amphitheater der Universität von Padua fanden die ersten Autopsien der Welt statt

Die Basilika des heiligen Antonius gehört für katholische Pilger seit Jahrhunderten zu Italiens Top-Adressen. Sie birgt die Reliquien des Predigers, der bereits elf Monate nach seinem Tod 1231 heiliggesprochen wurde. Bewunderer der florentinischen Bildhauerkunst pilgern ebenfalls zu diesem romanisch-gotischen Bau: Der Hochaltar mit Bronzestatuen des Bildhauers Donatello, der ebenfalls aus Florenz stammt, ist ein kunsthistorisches Highlight erster Güte.

Der Botanische Garten der Universität bietet auch superbe Ausblicke auf die Kuppeln der Stadt

Aussicht

Panorama von oben: Den Uhrenturm auf der Piazza dei Signori kann man bei einer Führung durch Legambiente Salvalarte nach Voranmeldung zwischen 9.30 und 11.45 Uhr besichtigen – und die prächtige Piazza von oben betrachten.

Bummeln und Schlemmen

Im Isola di Caprera in der Via Marsilio da Padova 15 lassen sich die Paduaner Leckereien erschmecken: Bigoli al ragu d’anatra (traditionelle handgerollte, lange Nudeln in Entensoße) oder Baccalà mantecato con crostini (Stockfisch in Butter auf Röstbrot), Vier-Gänge-Fischmenü 40 Euro, Menü mit Fleisch 25 Euro. Reservierung empfohlen

Handgerollte Nudeln im „Isola di Caprera“

Ganz in der Nähe sitzt man in der bei Studenten beliebten Pizzeria Marechiaro in der Via Daniele Manin 37 im Sommer im Innenhof und genießt zu Minipreisen die beste Pizza außerhalb von Neapel. Das historische Caffè Pedrocchi nach dem Vorbild eines Wiener Kaffeehauses in der Via VIII Febbraio 15 serviert den Kaffee mit Milchschaum, der mit Pfefferminze versetzt ist. Gibt’s sonst nirgends in Italien!

Die Auswahl an guten, günstigen Restaurants ist bestechend. Besonders schön sitzt man in der „Pizzeria Marechiaro“

Lieblingsplatz

Fisch-Fans werden die kleine Bude La Folperia di Max e Barbara auf der lauschigen Piazza della Frutta lieben. Hier gibt’s Garnelen, Muscheln, gefüllte Calamari und den besten Tintenfisch, alles ab 4 Euro! Dazu ein Glas kühlen Weißwein bei den Nachbarn in der Bar dei Osei bestellen und in Ruhe das bunte Treiben auf der Piazza betrachten. Eindeutig der Ort für den besten Start in den Abend! Geöffnet: 17 bis 21 Uhr.

Am Prato della Valle ist jeden Samstag Markt

Shopping

Auch wenn Padua nur rund 200.000 Einwohner hat, an der Auswahl edler Marken und Designerteile gibt’s auf der Shoppingmeile Via San Fermo nichts zu mäkeln. Gourmets suchen im Schlemmerparadies der Stadt, der Bottega Veneta di Andrea (Sotto il Salone 37), nach der „Torta di Radicchio“ (eine Käsespezialität mit Radicchio), nach feinster Salami und über 150 Käsesorten.

Kulinarische Souvenirs: Schinken, Salami, Käse und andere Köstlichkeiten in der „Bottega Veneta di Andrea“

Nicht verpassen: die Millefoglie – ein himmlisches Blätterteiggebäck – gleich um die Ecke in der kleinen Bar Graziati. Auf dem imposanten Platz Prato della Valle, der der Place de la Concorde in Paris nachempfunden ist, wird samstags ein Blumen-Kleidung-Haushaltswaren-Körbe-Schuhe-Taschen-Angebotsmix feilgeboten – laut, voll, hektisch und herrlich!

„La Folperia di Max e Barbara“: Der beste Platz für preisgünstige Meeresfrüchte …

Der von Arkaden gesäumten Piazza della Frutta

Nightlife

Große Kulisse zum kleinen Preis: Die Piazza dei Signori, umringt von prächtigen Palazzi, ist der mondänste Ort für einen „Spritz“ (5 Euro). Auch auf der Piazza delle Erbe begrüßt man den Abend im Freien mit einem Drink.

„Spritz“ und etwas zum Knabbern in der „Bar Nazionale“ auf der Piazza delle Erbe

Wer später ins studentische Clubleben eintauchen will, schwingt sich wie die Paduaner aufs Fahrrad. Denn in der Altstadt ist um 2 Uhr Sperrstunde. Alle Clubs liegen außerhalb – mit nur sporadischer Verkehrsanbindung. Macht aber nichts, zum sehr angesagten Q knapp hinter dem Altstadtkern sind es mit dem Rad nur fünf, zur Disco Extra Extra 20 Minuten.

Mieträder bei Forever Bike an mehreren Stationen (8 Euro für den ersten Tag, dann 4 Euro pro Tag).

Auf Paduas schönen Plätzen, hier der Piazza delle Erbe, treffen sich abends Studenten, Geschäftsleute und Besucher auf ein paar Drinks

Raus aus der Stadt

Das Dorf Arquà Petrarca in den Euganeischen Hügeln, benannt nach dem Dichter Francesco Petrarca (1304–1374), gehört zu den schönsten und romantischsten in Italien. Die Aussicht erinnert an die Toskana: grüne Hügel mit spitzen Zypressen, Häuschen mit roten Ziegeldächern. Unbedingt einen „Giuggiola“-Likör kosten, der ein bisschen nach Kirsche und Pflaume schmeckt! Von Padua braucht man mit dem Bus rund eine, mit dem Auto eine halbe Stunde durch liebliche Hügellandschaft.

Schön schlafen

Obwohl das Art Hotel Fagiano direkt neben der Basilika des heiligen Antonius liegt, ist das kleine Zwei-Sterne-Boutiquehotel sehr ruhig. Das Konzept beruht auf individuellen Zimmern, jedes mit Kunstwerken eingerichtet. Das Frühstück genießt man im Innenhof. DZ/F ab 84 Euro.

Ruhig trotz zentraler Lage: Das „Art Hotel Fagiano“, das auch einen schönen Innenhof fürs Frühstück hat

Nicht verpassen!

Im Juni/Juli findet etwas außerhalb im Park Nord Stadio Euganeo das Sherwood Festival statt, das alternatives Ambiente mit Konzerten und kulturellen Aktivitäten bietet. Beim Future Vintage Festival im September geht es drei Tage um Design, Liftstyle und Mode.

Über diesen Autor

Beate C. Kirchner

Beate C. Kirchner

Eigentlich ein Münchner Kindl, zog es Beate gleich nach dem Abitur nach bella italia. Noch während des Studiums der Politischen Wissenschaften in Florenz ging es auf der ersten Südamerikareise über die Karibik und Venezuela in den Amazonas und weiter an die Küste im Bundesstaates Bahia, wo sie in Trancoso, damals einem 500-Seelen-Ort, eine Pizzeria eröffnete. Nach der Rückkehr nach Europa und Beendigung des Studiums war sie viele Jahre als Chefin vom Dienst für deutsche Publikumsmagazine tätig. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin, schreibt unter anderem über ihre Wahlheimat Brasilien, wo sie bis heute einige Monate im Jahr lebt. Und gerne über die Toskana, die sie mehrmals im Jahr besucht. Am spannendsten findet sie es, abseits der Touristenpfade Skurriles und Kurioses zu entdecken, am meisten begeistern sie die Menschen, die sie auf ihren Reisen trifft.

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