Länderberichte

Seychellen | Geht auch günstig!

Robert Haidinger
Geschrieben von Robert Haidinger

Das Inselreich im Indischen Ozean gilt als Destination für Betuchte. Das muss nicht sein! Man kann die Schönheiten der Seychellen auch mit kleinem Budget erleben, indem man sich in einem der vielen Guesthouses oder Bed & Breakfasts einmietet

Noch nie habe ich einem Esel kräftig in den Schritt gegriffen. Aber das gequälte Quietschen, das so eine Untat vermutlich nach sich zieht, ist nichts im Vergleich zu dem der Fahrräder auf La Digue. Immer wieder gab mein Drahtesel so erbärmlich schrille Töne von sich, dass auch die entspannten Seychellois reihenweise zusammenzuckten. Selbst jene, die weit entfernt vor ihren kreolischen Holzhütten oder plaudernd hinter der nächsten Fruchtsaftbar saßen. Ich hatte meine rostigen Untersätze meist gratis bekommen, als Draufgabe meiner Hotels. …

Selfcatering statt Butler

Das Urlauben auf den Seychellen hat sich verändert. Das Klischee vom fast unbezahlbaren Luxusreiseziel ist dahin. Jetzt ist die Generation Self-Catering am Zug. Seit das Internet die Vermarktung leichter macht, sprießen an allen Ecken des Landes kleine Guesthouses aus dem Boden. Die graumelierten französischen Chirurgen und ihre eleganten Frauen ziehen sich zur Luxus-Robinsonade auf isoliertere Öko-Resortinseln zurück und die Zahl der Backpacker steigt. Vergangenes Jahr hat La Digue die Schallmauer von 300.000 Besuchern geknackt.

Selbst im Inselinneren rund um das historische Chateau St. Cloud reihen sich Self-Catering-Cottages aneinander. Und am vielleicht berühmtesten Strand der Welt, in den atemberaubend schönen Minibuchten und bei den vom Meer wie Vorhangfalten rundgeleckten Granitblöcken an der spektakulären Anse Source d’Argent kann es schon mal eng werden.

Das gilt auch für frühere Geheimtipps wie „Chez Juliet“, einer zuverlässigen Quelle für kreolische Leckerbissen am gegenüberliegenden Inselende. Der geräucherte Schwert­fisch im Salat und das Octopus-Curry schmecken aber so gut wie eh und je.

La Digue und Praslin sind ein Paradies für Radfahrer – kleine wie große

La Digue: Von Strand zu Strand

La Digue ist beinahe durchgehend von Puderzuckerstränden eingefasst, wirklich „eng“ wird es so schnell nicht. Rollt man vom Mini-Hafen La Passe um die Nordspitze herum, mal schön bergauf, dann bergab, scheint der schlecht geölte Drahtesel vor allem vor Entzücken aufzukreischen: Anse Severe, Anse Patates, Anse Gaulettes, schließlich Anse Grosse Roche – ein Strand schöner als der vorherige.
Bei der Anse Banane musst du dich entscheiden: Die Küste per Fuß weiterwandern, um plötzlich ganz allein den Weg zu suchen zwischen Postkarten-Granit, der plötzlich scharfe Zähne zeigt. Oder zurück nach La Passe, wo zwar neue Bars eröffnet haben, aber die Fischer weiterhin gemütlich im Schatten der Tamarisken liegen und vor sich hin dösen.

Anse Source d’Argent, der Star unter den Traumstränden auf La Digue

Mahé: Alltag in Pastell

Auf der Hauptinsel Mahé leben 90 Prozent der knapp 100.000 Seychellois. Ihre Hauptstadt Victoria bietet ein Schauspiel in Pastell, das zusammen mit dem Verkehrsstau Richtung Beau-Vallon-Bucht, einem Busbahnhof und diversen kolonialen Relikten nur deswegen als echte Hauptstadt durchgeht, weil der kleine Inselstaat keine andere zu bieten hat.

Ein Anschlag auf die Sinne ist der bunte Sir Selwyn Selwyn-Clarke Market. Ich frage bei Fischverkäufern nach Tuna-Steaks und Snapper, der hier unter der bizarren Bezeichnung Porkfish gehandelt wird – um 180 Rupien pro Kilo, also zehn Euro, wobei man Fisch auf den Seychellen ja prinzipiell am Stück kauft, nicht nach Gewicht.

So schmecken die Seychellen: ein Mix aus indischen, asiatischen und europäischen Kochtraditionen

 

„Ile des Palmes“, charmante Bungalow-Anlage für Selbstversorger

 

Spendet Früchte und Schatten: die Seychellen-Palme

Fisch-Curry mit Seybrew-Bier

Ich klappere Mahé ab, checke Self-Catering-Cottages, werfe als Lunch ein kreolisches Fisch-Curry samt obligatem Seybrew-Bier ein, alles zusammen für 80 Rupien, also keine fünf Euro. Bei La Marine, der fantastischen Werkstatt im kreolischen Kunsthandwerkerdorf von Le Domaine de Val des Près, in der detailgetreue, historische Modellsegelschiffe zusammengebaut werden, fällt Sparen schon etwas schwerer, aber Schauen kostet nichts. Am Ende der Inselrunde sind auch noch Locations wie die Takamaka Beach ganz im Süden und die bezaubernde grüne Ecke um Port Gland abgehakt und mein Verdacht hat sich verfestigt: So unkompliziert wie momentan war das Reisen auf den Seychellen noch nie!

SeyBrew, erfrischendes Lager-Bier aus heimischen Braukesseln

Ab auf den Katamaran

Wer bei der Unterkunft sparen möchte und in einer Gruppe unterwegs ist, mietet sich einen Katamaran samt Koch und Skipper, um diverse Mini-Inseln und Strände aus der ersten Reihe und barfuß zu genie­ßen. Ich bin zum Schnupper-Törn verabredet, mit den Leuten von Endless Summer Boat Charter bespreche ich den Kurs, schippere mit dem Schlauchboot an kleine Strände gleich neben dem Curieuse Marine National Park und tauche ein paar Stunden später mit salziger Haut an Bord auf – für das Lunch, zubereitet vom freundlichen Koch in der kleinen Bordkombüse.

Cruisen zwischen Praslin, La Digue und Curieuse inkludiert Foto-Stopps und Schnorcheln vor den bizarren Inselchen Île St. Pierre, Ave Maria und Coco Island. Diese Budget-Option rechnet sich für Vierer-Gruppen durchaus, wenn sie Romantiknächte an Bord dazuaddieren. Spaß macht der Törn zwischen der Schildkröteninsel Curieuse und Praslin allemal. Und Lust auf mehr Meer!

Weitere reportergetestete Tipps für günstige Hotels, Gästehäuser und Cottages findet Ihr in der Ausgabe 9/2018 unseres Magazins, die hier einfach nachbestellen könnt

Weitere Reportage über die Seychellen:

Segeln statt Hotelurlaub

 

 


Info

 

Anreise

Direkt ab Frankfurt mit Condor in rund zehn Stunden; mit austrian.com ab Wien. Mit einem Stopp in 13 bis 14 Stunden mit Ehtiopian, Qatar , Etihad oder Emirates

 

Guesthouses

South Point Chalets

Sechs Chaltes, nur wenige Gehminuten vom Anse Takamaka entfernt, mit seinem tiefblauen Wasser und weißen Sanddünen. Garten mit Pool. Ganz in der Nähe findet man ein Restaurant und Einkaufsmöglichkeiten. Im Süden von Mahé

Chalets Bougainville

An der Südostküste, in ruhiger Umgebung mit Blick auf das Meer, zwei Kilometer südlich von Anse Royal. Die Chalets befinden sich in einem tropischen Garten, 50 Meter über dem Meeres, drei Minuten zu Fuß zum Strand. Mit Sitz- und Essbereich, voll ausgestatteter Küche, Kühlschrank und Wasserkocher. Sonnenterrasse. Autovermietung. Hopton Road, Takamaka, Mahé

Bliss Hotel

Modern eingerichtetes Haus im Norden Mahés direkt am Meer. Zimmer jeweils mit Schlaf- und Badezimmer, gestaltet in hellen, warmen Farben. Privater Zugang zum feinsandigen Strand Beau Vallon. Frühstücksbuffet, Lunch und Abendessen im Restaurant mit kreolischer Küche. Vista do Mar, Glacis, Mahé

„Beach Villa Guesthouse“: An einem der längsten Strände von Praslin gelegen

Beach Villa Guesthouse

Direkt an einem der längsten Strände von Praslin gelegen, neun Apartments in Beach-Villen mit Terrasse. Die Gastgeber sprechen auch deutsch. Grand Anse, Praslin

„Chalets Cote Mer“: Für Selbstversorger auf Praslin

Chalets Cote Mer

Selbstversorger-Wohnungen mit Balkon und Meerblick, nur fünf Gehminuten vom Bootsanleger Praslin entfernt. Mit Restaurant und Autovermietung (ab 50 Euro/Tag). Baie Ste Anne, Praslin

„Colibri Guesthouse“: Direkt am Meer gelegen

Colibri Guesthouse

Familiengeführtes Boutique-Hotel mit zwölf Zimmern – direkt am Meer gelegen. Tropischer Garten mit Pool. Autovermietung. Baie Ste Anne, Praslin

„Zerof Guesthouse“: Man kann sich Fahrräder ausleihen

Zerof Guesthouse

Zwei Doppelzimmer und zwei Dreibettzimmer mit Klima-Anlage und Minibar, großer Garten. Restaurant „Zerof“ serviert kreolische Gerichte. Leihfahrräder. 1,5 km vom Anlegesteg auf La Digue entfernt

Mehr im Web

Auskunft bei Seychelles Tourist Office 

 


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Über diesen Autor

Robert Haidinger

Robert Haidinger

Seit drei Jahrzehnten Foto-Nomade mit Ankerplatz Wien mit extremer Reiseerfahrung. Er arbeitete in bislang über 80 Staaten und auf fünf Kontinenten. Der Schwerpunkt dieser Reisetätigkeit liegt neben Afrika und Zentralamerika vor allem im kulturell so komplexen Asien. Langzeitaufenthalte in Japan, China, Sri Lanka und Indien machen ihn zum Spezialisten dieser Region. Seine Arbeiten werden von der Kölner Agentur Laif vertreten. „Meine fotografische Arbeit wird von unterschiedlichen Welten geprägt, die im Idealfall miteinander kommunizieren. Zum einen wäre da die Sensibilisierung auf moderne Lifestyle-Codes, geschärft durch langjährige Arbeit in den Bereichen Design und Architektur. Das Eintauchen und Verstehen fremder Kulturen setzt wiederum eine ganz andere Form von Erfahrung voraus – erworben durch Jahrzehnte lange intensive Kontakte auf allen gesellschaftlichen Ebenen Asiens. Heute fühle ich mich dort wie ein Fisch im Wasser. Zugleich führen mich immer wieder Reportage-Reisen an die „Last Frontier“: Besondere und oft raue Orte am Rande der globalisierten Welt, die eine besondere Form der Annäherung bedürfen. In unverbrauchten Weltregionen wie Mosambiks Norden oder Australiens Arnhem Land relativieren sich unsere Vorstellungen von Normalität.

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