Länderberichte

Vancouver | Hallo, Huxwhukw!

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Kultur, Berge und Beaches. Herrliche Sushi-Lokale und filmreife Gassen. Wir radelten durch den Stanley Park, bestaunten Totempfähle, das UBC Museum of Anthropology und Humoriges in der Vancouver Art Gallery. Unser Städte-Tipp für den Sommer 2016? Vancouver!

Hinter dem Zungenbrecher Huxwhukw versteckt sich ein mystischer, Menschen fressender Vogel aus den Legenden der First Nations, wie die „Indianer“ politisch korrekt heißen. Auf ihn stoßen wir, als wir mit unseren Leihrädern (18 $ für drei Stunden) den Einbahn-Radweg rund um den Stanley Park entlangstrampeln und dort bei einer Handvoll Totempfähle stoppen.

Diese „poles“ sind keine Marterpfähle, an denen man Feinde zu Tode quälte. Es waren eher Wappenbäume, ein frühes Facebook. Sie dienten etwa bei den Haida der Imagepflege, zeigen verehrte Tiere und damit verbundene Eigenschaften und Legenden.

So ist der Rabe der Schöpfungsvogel der Haida, der Adler gilt als Kontrahent des Schöpfungsvogels und so heißt auch der zweite wichtige Clan der Haida, der Bär gilt als Lehrer der Haida, der ihnen den Lachsfang und das Bärensammeln beigebracht hat und Orcas stehen für Kraft und Heldentum.

Das MOA Museum of Anthropology liegt außerhalb Vancouvers am Marine Drive und zeichnet sich auch durch seine ungewöhnliche Architektur aus

Das MOA Museum of Anthropology liegt außerhalb Vancouvers am Marine Drive und zeichnet sich auch durch seine ungewöhnliche Architektur aus

Vancouver-Tipp: UBC Museum of Anthropology

Wer mehr über die Geschichte der First Nations und deren ebenso ausdrucksstarke wie vergängliche Kunst lernen will, sollte sich einen halben Tag Zeit nehmen. Wunderschöne Exponate, intelligente Didaktik sowie gelungene Architektur machen das MOA (UBC Museum of Anthropology) gute 20 Minuten außerhalb von Vancouver am Marine Drive absolut sehenswert. Die in der Great Hall ausgestellten Totems sind imposant wie der Cedar Man, kurios wie die „Wild Women“ in einem Boot oder der an die Kinder-Comic-Figur Grüffelo erinnernde Eagle-Halibut Pole.

Der Rabe und der Mensch

Dabei wirkt die Halle weniger wie ein verstaubtes Exponate-Mausoleum, sondern eher wie eine Kunstgalerie. Ein Höhepunkt des MOA stammt vom Künstler Bill Reid, dessen Mutter zu den Haida gehörte. Reid schnitzte deren Schöpfungsmythos: „The Raven and the First Man“. Der Vogel (vorn Rabe, hinten Adler) sitzt auf einer Muschel, in der ein paar Zweibeiner zappeln, die sich weigern, dem Raben bei der Erkundung der ach so schönen Welt Gesellschaft zu leisten – und dann zu den ersten Haida wurden.

Lust auf  mehr Kunst?

Die Vancouver Art Gallery in der City ist auf jeden Fall einen Abstecher wert ist. Wir hatten viel Spaß in der Douglas Copland Ausstellung (Erfinder der Generation X und Sohn der Stadt), aber Hochkarätiges ist hier eigentlich immer zu sehen. Rund um das Museum stehen viele der Food Trucks, in denen man für ein schnelles Lunch Arabisches, Mexikanisches oder ähnliches in die Hand bekommt. Und wer in Sachen Kunst unersättlich ist, der wird das bunte Programm der Vancouver Biennale zu schätzen wissen.


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INFO

Essen gehen

Das Kingyo Izakaya ist ein sehr legerer Japaner in der hippen Denman Street, wo es neben Sashimi, Nigiri Sushi und Maki Sushi auch hervorragende Suppen und Kobe Beef zu freundlichen Preisen gibt.

Guten Espresso & Co. sowie legere Frühstücksatmosphäre auch für Auswärtige im „Giovane Café+Bakery +Deli“ im Erdgeschoss des „PacificRim“ (1038 Canada Place,)

Hotel-Tipp

Das neue, moderne Fairmont Pacific Rim bietet 450 sehr elegante, großzügige Zimmer mit super Aussicht im Coal Harbour. Dazu natürlich Spa, Pool und BMW-Räder für Mitglieder des Fairmont’s President’s Club, bei der Auswahl assistiert der Bike Butler. DZ ab 340 Euro.


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.