Länderberichte

Kambodscha | Strand-Paradiese

Martin Müller
Geschrieben von Martin Müller

Lange Strände, türkisblaues Meer, traumhafte Resorts.
Die Küste von Kambodscha steckt noch in den
touristischen Kinderschuhen. Sie ist ideal für alle,
die auf entspanntes Südostasia-Flair stehen.

Sam, der Uferfischer, balanciert auf einem Felsen, hat ein mit einer Kette eingefasstes Netz in Faltungen aufgenommen und in der rechten Hand gerafft. Sein Kinnbart flattert in der Brise, er späht nach Fischen. Offenbar fündig geworden, schleudert er plötzlich die Maschen mit seiner linken Schwunghand übers Meer, beinahe wie ein klassischer Diskuswerfer.

 

Fotos: Frank Heuer

Aus seiner Rechten rauscht das Rundnetz ins Blaue, fällt dann in weitem Bogen aufs Wasser, zaubert zischend einen Kreis, sinkt auf den Grund. Als Sam es einholt, zappelt es darin wie wild. Seine Enkelkinder bekäme er auch heute satt, lässt er zufrieden durchblicken. Sams Leben am Meer ist im Lot.

20 Kilometer Strand

Der 60-jährige Fischer füllt am Serendipity Beach von Sihanoukville nebenbei die Rolle eines Strand-Altvorderen aus. Man schätze hier seine Ratschläge, verrät mir die drahtige Autorität. So ruft er einigen Strandverkäuferinnen mit Basthüten, über denen sich Krustentiergebirge und tropische Früchte türmen, zu, die Touristen nicht zu sehr zu umwerben: „Redet heute nicht so viel auf sie ein, hört ihr!“

Die Frauen nicken respektvoll und begutachten seinen Fang in einem Eimer, in den er auch aufgeklaubte Plastikflaschen geworfen hat, für die Sam noch ein paar Riel erlösen wird. Sihanoukville ist ein wachsender Strandurlaub-Magnet und Sprungbrett zu den vorgelagerten Inseln im kambodschanischen Südwesten.

Vom Hafen, einem aufstrebenden Ziel für Kreuzfahrer, über den Sokha Beach mit dem privaten Strand des großzügigen „Sokha Beach Resort“, weiter entlang dem Serendipity Beach mit einem Steg für Inselfähren bis hin zum Ende des Otres Beach entrollen sich 20 Kilometer schmaler Strand: der Willkommensteppich von Kambodscha, dem neuen Strandziel Indochinas.

 

Ocheuteal Beach: Fischer Sam beherrscht das Wurfnetz perfekt

Ocheuteal Beach: Fischer Sam beherrscht das Wurfnetz perfekt

Highlife am Ochheutal Beach

Sihanoukvilles sachte zum Meer abfallender Down­town-Strand füllt sich nach Sonnenuntergang mit niedrigen Tischen und Lümmelsesseln. An der Promenade reiht sich ein Grilllokal ans nächste. Rind, Huhn, Schwein, Riesengarnelen, Thunfisch und Siambarben sind in beleuchteten Glaskästen wie Preziosen auf Eis gelegt. Bier kostet so gut wie nichts, auch ein Grillteller ist spottbillig.

Um acht Uhr abends hat sich der Strand mit Backpackern, grauzöpfigen Retro-Travellern und Avantgarde-Urlaubern mit einem Näschen für noch selten gelikte Strände gut gefüllt. Am Meeressaum schlendern Frauen und Kinder, Laternen und Feuerwerkstangen feilbietend. Das Grillgelage mit Belustigung durch chinesischen Feuerzauber nimmt seinen allabendlichen Lauf.

Sihanoukville gibt Gas

Sihanoukville surft  auf einer vielversprechenden Welle. Die hat auch Alexander, einen wohlhabenden Russen, nach Kambodscha gebracht. Den lockeren Twen umgibt die Aura eines wohltemperierten Aussteigers und fast philanthropischen Geschäftsmanns. Alexander hat mit seiner Frau am Otres Beach ein Grundstück gepachtet, nennt seine cool eingerichtete Loungebar „Friends Forever“ und arbeitet entspannt mit den Locals zusammen.

Die geflieste Bar liegt in erster Reihe, in der Nachbarschaft zu traditionellen Pavillons wie der reetgedeckten Beach-Bar „Mushroom Point“ und stelzengestützten Rundhüttchen am schmalen Beach. Dahinter liegen Familienrestaurants und -häuser entlang einer Staubpiste. „Hier geht was“, konstatiert der Trendguru. „Thailand ist gesättigt und wird recht aggressiv, Vietnam hat eine windige Küste. Dazwischen sind wir geschützt und optimal positioniert.“

Langsam schwappt der Travellerstrom  in die windgeschützte, sanfte Buchten- und Inselwelt von Kambodscha und kann gar nicht an Sihanoukville, dieser eleganten Namensvermählung aus Khmer und Französisch, vorbei. „Alles ziemlich geil hier“, grinst ein junger Deutscher und betrachtet den Sonnenuntergang durch rosa Brillengläser.



Buchungstipp Kambodscha

„Geschichte & Baden im Süden“ heißt eine 5tägige Privattour ab Phnom Penh bis Sihanoukville von Tischler Reisen. Der Routenverlauf: Phnom Penh, Rabbit Island, Kep (zwei Übernachtungen/HP), Kampot, Koh Kong (zwei Über­nachtungen/F), Sihanoukville. Wird täglich durchgeführt ab zwei Personen. Preis: ab 905 Euro pro Person im DZ. In Sihanoukville kann idealerweise eine Badeverlängerung, beispielsweise im „Sokha Beach Resort“, angehängt werden.


 

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Über diesen Autor

Martin Müller

Martin Müller

Da, wo ich weg komme, nämlich aus‘m Ruhrgebiet, muss ich manchmal sagen, dass ich nichts Besseres gelernt habe. Ich kann eben nur Autor, Reporter, Schreiberling. Im Ruhrgebiet, wo ich zufällig hineingeboren wurde, leben immer noch so schön viele von diesen Anpackern, die eine abgespeckten Sprache pflegen. Es versetzt also schon in Erstaunen, dass ich in ganzen Sätzen reden und schreiben kann. Vielleicht hat das aber mit jenem Witz - manche sagen Aberwitz - zu tun, den wir hier mit der Muttermilch einsaugen, ein Humor von der Sorte, wie ihn nur eine Gemeinschaft von vermeintlichen Underdogs drauf hat, wie etwa die Briten. Aus so einer verschworenen Gemeinschaft auszubrechen und die Welt zu bereisen, erscheint kühn. Ich darf mich mal bei einem anderen schreibenden Bochumer bedienen, um diesen Mut zu durchleuchten. Frank Goosen hat ja knapp und treffend gesagt: „Woanders is auch scheiße.“ Gut, das kann man als Anleitung zum Dableiben verstehen. Oder man sagt einfach: „Dableiben is auch ...“ Also bin ich einfach los.

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