Länderberichte

Arabischer Golf | Bahrain goes Bling-Bling

Anja Keul
Geschrieben von Anja Keul

Das kleine, selbstbewusste Insel-Königreich Bahrain zwischen Qatar und Saudi-Arabien eifert Dubai und Abu Dhabi nach. Es setzt aber auch auf Geschichte und Tradition. Wir haben uns vor Ort genauer umgesehen – hier unsere Tipps für Urlaub in Bahrain

Wolkenkratzer? Haben wir doch kaum! Das hört man immer wieder in Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Vom windigen Dach des 270 Meter hohen „Four Seasons“-Hotels sieht das, was da im Dunkeln glitzert, zwar durchaus wie eine Skyline aus, aber bitte: Nur ein halbes Dutzend Hochhäuser übertrifft derzeit die 200-Meter-Marke. Das ist nichts im Vergleich zu Dubai, kann sich aber schnell ändern.

Auf das Bling-Bling-Emirat schielt man durchaus in dem kleinen Königreich, das nach Jahrzehnten des ölgenährten Wohllebens nun den Tourismus ent­deckt hat. Vorreiter war das 2003 in Manama eröffnete „Ritz Carlton“ mit seinem feinen Lagunenstrand. Neben dem 240 Meter hohen World Trade Center mit zwei segelförmigen Türmen beherbergen die auffälligs­ten Gebäude der Stadt Manama fast ausschließlich Hotels.

Manamas Suk, das Herz von Bahrain

Im Suk von Manama glänzt dagegen nichts außer Pailletten auf bunten Gewändern, die neben Süßigkeiten, Schuhen und kunstvoll geschichteten Gewürzpyramiden in den Gassen hängen. Ein Händler ruft „Bayerrrrn München“ und schwenkt ein schätzungsweise anno 2010 gefälschtes Bayern-Shirt, als er uns als Deutsche identifiziert hat. Eine alte Frau deutet lächelnd auf Bündel mit Kräutern. Nervige Anmache, wie man sie aus Ägyptens, Marokkos oder Tunesiens Souks kennt, ist hier kein Thema. Als der Ruf des Muezzins ertönt, kommentiert unser Guide Maher Zayan stolz: „Alles live, in Bahrain kommt kein Gebetsruf vom Band wie in Dubai!“

Hinter dem Bab al-Bahrain, dem mäch­tigen Eingangstor in den Souk, sitzen drei junge Frauen in schwarzen Abayas vor Staffeleien. Darauf zu sehen sind Skizzen des Tors, der Rundbögen, Studien anderer Gebäude. Obwohl ihr gerade eine Taube auf die Leinwand gekackt hat, ist Hana kon­zentriert bei der Sache. Sie bewundert die verstorbene Star-Architektin Zaha Hadid und träumt da­von, ein modernes Bah­rain mit Anklängen der al­­­ten Baukunst zu entwer­fen: „Es ist so heiß hier, wir brauchen Material, das kühlt, und nicht nur Klimaanlagen.“

Bahrain: Bab al-Bahrain, das Eingangstor zum Souk von Manama

Bab al Bahrain, das Eingangstor zum Suk von Manama

Bahrain, der Party-Spot für Saudis

Hana ist 17, wird bald auf die Bahrain University gehen. Rund die Hälfte aller Studenten in Bahrain ist weiblich. Beim Anteil der Beschäftig­ten in einem festen Arbeitsverhältnis stellen die Frauen 34 Prozent, aber auch das ist viel für ein arabisches Land. „Wir sind toleranter und weltoffener als unsere Nachbarn“, sagt Maher. Mit dem „wir“ ist das so eine Sache – er stammt aus Qatar und gehört zur großen Gruppe der in Bahrain lebenden Ausländer.

Nur knapp die Hälfte der rund 1,5 Millionen Einwohner sind gebürtige Bahraini. Und nur denen gewährt König Hamad bin Isa al-Khalifa, der von zahllosen Plakatwänden schnauzbärtig lächelnd auf seine Untertanen herabschaut, zahlreiche Wohltaten. Mit den „Nachbarn“ ist selbst­verständlich Saudi-Arabien gemeint.

Bahrain: Blick auf das nächtliche Bahrain vom Pool des "Four Season"

Blick vom Pool des „Four Seasons“ auf die Skyline von Manama, der Hauptstadt von Bahrain

Das Machtzentrum der Arabischen Halbinsel ist über den 25 Kilometer langen King Fayed Causeway mit dem Inselstaat Bahrain verbunden, der Großteil der Besucher stammt von dort. Und so streng und lustfeindlich sich die Saudis im eigenen Land verhalten (müssen), so sehr lassen sie es am Wochen­ende in Bahrain krachen.

Das merken wir spätestens im griechischen Restaurant „Attic“, wo wir ganz selbstverständlich Wein zum Essen bestellen kön­nen. Ein paar Tische weiter trinken sich saudi-arabi­sche Geschäftsmänner durch die Spirituo­sen­kar­te, während eine Gruppe von freizügig gestylten Libanesinnen mit XXL-Schmollmündern die Handtaschen-Ausbeute des Shopping-Tags begutachtet.

Bahrain: Mußestunde in einem traditionellen Kaffeehaus

Mußestunde in einem traditionellen Kaffeehaus in Manamah, der Hauptstadt von Bahrain

Jahrhunderte altes Fort von Bahrain

Der mehr als 400 Jahre alte Tree of Life (Shajarat-al-Hayat), ein immergrüner, fast zehn Meter hoher Khejri-Baum mit ausladender Krone, dominiert seine monotone Umgebung – der Legende nach ist er das einzige, was vom mythischen Garten Eden übrig blieb.

Das Fort Qal‘at al-Bahrain aus dem 16. Jahrhundert besucht man am besten zum Sonnenuntergang, wenn Manamas Skyline im zartlila Abend­­dunst verschwimmt. Das Bahrain National Museum führt zurück in die Bronzezeit, als Bahrain wegen seiner Süßwasserquellen zum wichtigen Handelsplatz aufstieg.

Mit seinen 690 Quadratkilometern erreichte der Inselfleck im Persischen Golf bis zum Jahr 1991 nur knapp die Größe von Menorca. Seither blähte er sich durch Aufschüttungen um 75 Quadratkilometer auf – und wächst weiter. So entstand auf der Insel Muharraq ein ganz neues Stadtviertel mit einem zwei Kilometer langen Strand nebst Promenade.

Bahrain: Das Fort Qal’at al-Bahrain ist bestens restauriert

Das Gemäuer des Fort Qal’at al Bahrain ist bestens restauriert

Bahrain aktiv: Nach Perlen tauchen

Muharraqs alte Bausubstanz wird kräftig herausgeputzt, finden sich dort doch die letzten Zeugen der uralten, zum Welterbe erklärten Tradition der Perlenfischerei. Auf dem dreieinhalb Kilometer langen Pearl Trail erfährt man in 17 weiß gekalkten, renovierten Häusern mehr über das einst so lukrative Geschäft mit dem weißen Gold.

Perlen aus Bahrain werden in über 4.000 Jahre alten assyrischen Schriften besun­gen, sie zieren Schmuckstücke indischer Maharadschas und früherer Hollywood-Größen. In den 1920er-Jahren kaufte Jacques Cartier hier noch in großem Stil ein – gut zehn Jahre später hängten die meisten Perlentaucher Wassersack und Nasenklemme an den Nagel und verlegten sich aufs Ölgeschäft.

Bahrain: Nach dem Perlentauchen werden die Austern mit gebogenen Messern geöffnet und nach Perlen durchsucht

Nach dem Tauchen werden die Austern mit gebogenen Messern geöffnet und nach Perlen durchsucht

Dafür dürfen wir  ran. Im kleinen Fischerhafen Ras Rayyah Harbour erwartet uns Mohammed mit einem Speed­boat, das uns zu den Austernbänken im kaum drei Meter tiefen Wasser bringt. Luft anhal­ten, abtauchen, Muscheln in das gelbe Netz stopfen, auftauchen. Mitzählen ist wichtig, schließlich sind pro Tourist nur 60 Austern gestattet.

Nach einer Stunde beginnt  die echte Arbeit: Austern öffnen und Perlen suchen. Schnell sind die Hände von Muschelsplittern zerkratzt. Natürlich ist kein Treffer dabei, obwohl die Chance – auf 10.000 Austern kommen im Durchschnitt 25 Perlen von Wert – gar nicht so niedrig ist. Wer eine Perle findet, darf sie behalten.

Spektakulärer Unterwasserpark

Seit letztem Sommer besitzt Bahrain  eine spektakuläre Attraktion für Taucher: Eine 70 Meter lange, nach ökologischen Kriterien ausgeweidete Boeing 747 bildet in 20 Meter Tiefe als künstliches Riff das Herzstück eines 100.000 Quadratmeter großen, neuen Unterwasserthemenparks. Auch die Replik eines typischen Perlenhändlerhauses soll am Meeresgrund bald tauchende Touristen anlocken. So was gibt es selbst in Dubai nicht …

Bahrain: Eine ausgemusterte Boeing 747 bildet als künstliches Riff das Herzstück eines Unterwasserthemenparks

Künstliches Riff: Eine alte Boeing 747 ist das Herzstück des Unterwasserthemenparks in Bahrain


Info Bahrain

Anreise Gulf Air fliegt ab Frankfurt nonstop in sechs Stunden nach Bahrain, Ticket ab 600 Euro. Der Reisepass muss bei der Einreise noch mindestens drei Monate lang gültig sein. Das Visum kos­tet bei Einreise (für 14 Tage Aufenthalt) rund zwölf Euro. gulfair.com

Übernachten

The Ritz Carlton Etwas in die Jahre gekommen, aber noch sehr beliebt. Die künstliche Strandlagu­ne wirkt fast  echt. DZ/F ab 330 Euro, über Veranstalter günstiger. ritzcarlton.com

Four Seasons Hotel Bahrain Bay Viel Marmor und poliertes Mahagoni, in den eleganten Zimmern riesige Glasfronten, sieben Pools und feiner Sandstrand. DZ/F ab 400 Euro. fourseasons.com

Tauchen und Schnorcheln

Für Perlentauchen (vier Stunden 112 Euro) und den Unterwasserpark kann man sich online bei zertifizierten Anbietern anmelden. pearldiving.bh | divebahrain.com

Veranstalter

Über FTI eine Woche ab 800 Euro, Tischler Reisen bietet neben Hotels auch Perlentauchen. fti.de | tischler-reisen.de

 

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Bildquellen

  • Bahrain Souk: Bahrain Tourism
  • Bahrain Fort: Bahrain Tourism
  • Bahrein_Hana beim Zeichnen: Anja Keul
  • Bahrein_Skyline: Four Seasons Bahrain Bay
  • Bahrein_Bab al Bahain_Eingangstor: © benkrut/iStock
  • Bahrein_Four Seasons: Four Seasons Bahrain Bay
  • Bahrein_Kaffeehaus: Anja Keul
  • Bahrain Fort_Gaenge: Bahrain Tourism
  • Bahrein_Muscheln oeffnen: Anja Keul
  • Bahrein_Unterwasser Themenpark: Bahrain Tourism
  • Bahrain Skyline mit Schiff: Bahrain Tourism

Über diesen Autor

Anja Keul

Anja Keul

Volontariat kurz nach dem Abitur, danach Redakteurin, dann freie Journalistin, um parallel Philosophie zu studieren – uff. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag zog Anja aber die Bremse, um erst einmal ein halbes Jahr um die Welt zu reisen und in Mexiko hängen zu bleiben. Als Kulturressortleiterin bei „Cosmopolitan“ und Journalismus-Dozentin ging es danach zwar weiter, aber irgendwie schlichen sich immer mehr Reisegeschichten in ihre Arbeit. Deshalb machte sie sich als freie Reise-Autorin und Entwicklerin von (Reise)-Magazinen selbstständig. Besonders gern fährt sie in spanischsprachige Länder, weil sie die Sprache und ihre Variationen mag – von der iberischen Halbinsel über Kuba bis Argentinien.