Länderberichte

Teneriffa | Immer Sommer!

Anja Keul
Geschrieben von Anja Keul

Die Kanareninsel Teneriffa ist ein ideales Ziel für alle Kälteflüchter: tolle Landschaften, adrette Strände, günstige Flüge – und gute  Restaurants. Hier kommen Rundreise-Tipps von der Insiderin.

La Laguna, die alte Stadt, in der die meisten Straßenzüge noch so wie vor 500 Jahren verlaufen, diente als Vorbild für den Bau von Havanna auf Kuba und von Cartagena in Kolumbien.

Alle Fotos: Berthold Steinhilber

Ab dem 16. Jahrhundert war La Laguna mit seinen Adelspalästen, Kirchen und Klöstern das geistige und politische Zentrum Teneriffas und auch schon vorher, zur Zeit der Guanchen, ein beliebtes Ziel für die Sommerfrische.

Santa Cruz – Hauptstadt von Teneriffa

Die Kapitale von Teneriffa liegt nur zwölf Kilometer von La Laguna entfernt. Sie ist mit ihren Betonkästen und ausgedehnten Hafenanlagen ein echtes Kontrastprogramm zu dem aufgeräumten Schatzkästlein La Laguna, auch wenn ein Bummel durch das lebendige Stadtzentrum durchaus Spaß macht.

Nur wenige Schritte abseits moderte bis in die 80er-Jahre direkt am Meer ein gigantischer Müllberg vor sich hin. Beinahe 20 Jahre dauerte es, diesen verkommenen Ort in ein Naturparadies zu verwandeln, das 2014 eröffnete: das Palmetum.

Die größte Palmensammlung Europas mit Gewächsen aus aller Welt ist geografisch geordnet und durch Spazierwege erschlossen. Beim Rundgang fällt uns eine kahle Stelle auf, aus der Rohre ragen – noch immer entweichen Fermentationsgase aus dem Müllberg. „Das Monster ist noch nicht tot, aber es stirbt“, sagt Carlo Morici, der botanische Leiter, „und wir haben neues Leben geschaffen.“

Palmen und Drachenbäume wachsen im Naturschutzgebiet Rambla de Castro

Naturschutzgebiet Rambla de Castro: üppiges Grün dank Palmen und Drachenbäume

Beachen und Schlemmen

Die meisten Hauptstädter zieht es zum Baden an die Playa de las Teresitas, den wohl schönsten Strand der Insel. Rund um die zahlreichen Buden in Parkplatznähe tobt sich die Stadtjugend aus. Auf der Rückfahrt hält Ancor in San Andrés an einem Verkehrskreisel bei der Bar „Casa Fernando“, die offiziell „Los Churritos“ heißt, und lotst uns zu einem der wenigen wackeligen Tische.

Wir sind spät dran, aber für frisch frittierte Fischhappen und einen hinreißend zarten Oktopus in Öl, den man mit aufgeschnittener grüner Peperoni betupft, reicht es noch.

Ancor erklärt: „Die ,Casa Fernando‘ funktioniert nach dem Prinzip der Guanchinches, der ländlichen Bauernkneipen.“ Und das bedeutet: Es gibt, was es gerade gibt und solange der Vorrat reicht. Hintergrund ist die Erlaubnis (samt Steuererleichterung) für kleine Weinproduzenten, in gewissem Umfang auch Essen verkaufen zu dürfen. „Jedes Jahr machen neue Guanchinches auf“, erklärt Ancor, „und es spricht sich schnell herum, wer guten Wein hat. Mittlerweile findet man sie auch auf der guanchapp‘“

Guter Wein und Blick übers Meer

Viele Guanchinches eröffnen in ehemaligen Lastwagengaragen oder umfunktionierten Scheunen an der alten Landstraße zwischen La Laguna und La Orotava. Einen Überblick über sämtliche Tropfen der Insel liefert die Casa del Vino in El Sauzal, der auch ein sehr gutes Restaurant angeschlossen ist, von dessen Terrasse man einen herrlichen Blick über das Meer genießt.

Dieser Teneriffa-Rundreisetipp wendet sich speziell an Weinliebhaber: Die etwas oberhalb gelegenen Bodegas Monje gehören zu den größten Produzenten. Seit 1750 kultivieren sie autochtone Trauben wie Negramol, Tintilla oder Vijariego, aus denen mineralisch-vulkani­sche Weine in bis zu 200 Jahre alten Eichenfässern reifen. „Manche unserer Weinstöcke sind schon 100 Jahre alt“, sagt Besitzer Felipe Monje. „Wir hatten Glück, im Gegensatz zum Festland gab es bei uns keine Reblaus.“

Bacalao in Sesamkruste – im Restaurant "Casa del Vino" in El Sauzal

Bacalao in Sesamkruste – gekostet im Restaurant „Casa del Vino“ in El Sauzal

La Orotrava und Puerto de la Cruz

Die nächste Station an der Nordküste, La Orotava, ist sozusagen die Show-Seite von Teneriffa. Grün, fruchtbar, blütenreich, mit malerischen Steilküsten, Weingärten und Obstplantagen. Das liebliche Orotavatal bietet sich für Wanderungen an. Die Stadt selbst erlebt ihren größten Moment in der Woche vor Fronleichnam im Juni, wenn der Rathausplatz mit Vulkansand und -asche bedeckt und von verschiedenen Künstlern mit Ornamenten und religiösen Bildern dekoriert wird – die Prozession am Feiertag selbst zerstört die ganze Pracht dann wieder.

Der Loro Parque ("Papageien"-Park) bei Puerto de la Cruz beherbergt 350 Papageienarten, ein XXL-Aquarium, Seelöwenshow und das größte Pinguinarium der Welt

Der Loro Parque („Papageien“-Park) bei Puerto de la Cruz beherbergt 350 Papageienarten, ein XXL-Aquarium, Seelöwenshow und das größte Pinguinarium der Welt

Teneriffas traditionsreichster Urlaubsort Puerto de la Cruz liegt ganz in der Nähe und ist mit britisch-skandinavisch-deutschem Ferienvergnügen ein vollkommen anderes Kaliber, erfreut aber immerhin die Strandfans. Mit dem Loro Parque findet sich ganz in der Nähe der größte Freizeitpark der Kanaren inklusive der weltweit größten Papageiensammlung, einer Pinguinkolonie, üppigen botanischen Gärten und vielen Freizeitattraktionen auch für Kinder. Ein durchaus ambitioniertes Projekt – und auch von Tierschützern anerkannt.

Ein Traum aus Sand und Palmen – Playa de las Teresitas

Ein Traum aus Sand und Palmen: die Playa de las Teresitas

Nordküsten-Star Garachico

Der wohl schönste Ort der Nordküste liegt am Fuß des Teno-Gebirges. Klöster und Paläste erinnern an die Periode Garachicos als bedeutendste Handels- und Hafenstadt auf Teneriffa im 16. und 17. Jahrhundert.

Clou im Ort ist der Meerwasserpool an der Küste, von schwarzem Lavagestein gesäumt und von weißer Gischt überschwappt. Gleich über die Straße holen wir uns ein hausgemachtes Eis bei „La Frágola“ und sehen dem Meeresspektakel ein bisschen zu, bevor wir in die Fluten steigen.

Zunächst noch entlang der Küste schraubt sich die Straße dann ins Teno-Gebirge, in dem es noch ländlich zugeht. Schafe und Ziegen grasen auf hochgelegenen Weiden, viele alte Wanderwege kreuzen sich in dem Hochtal bei El Palmar. Auch Masca, Teneri­ffas vielfach gerühmtes „schönstes Dorf“ am Ausgang einer wildromantischen Schlucht, nutzt die Topogra­fie des Gebirges auf spektakuläre Weise.

Unser Video-Tipp: Kanaren extrem – Bike-Akrobatik in El Roque, Gran Canaria.



INFOS

Hotel-Tipps

Hotel Laguna Nivaria
Plaza del Adelantado 11, San Cristóbal de La Laguna
Eingerichtet in einem mit viel Ge­schmack und modernen Ak­zen­ten renovierten Stadthaus aus dem 16. Jahrhundert am Rand der Alt­stadt von La Laguna. Lichter Patio fürs Frühstück im Freien, gutes Restaurant. DZ/F ab 80 Euro.

Hotel Rural Orotava
Carrera del Escultor Estévez 17, La Orotava, Teneriffa
Sieben im altkanarischen Stil eingerichtete, nicht allzu große Zimmer gruppieren sich um den Innenhof des Herrenhauses aus dem 16. Jahrhundert, in dem auch ein preiswertes, traditionelles Restaurant untergebracht ist. Das Frühstück wird in der gemütlichen und uralten Küche serviert. DZ/F ab 80 Euro.

Restaurant-Tipp

Casa Fernando/Bar Los Churritos
Calle el Dique 1, San Andrés
Einfache Eckbar, in der es mittags besten Fisch und Meeresfrüchte gibt, solange der Vorrat reicht … Niedriges Preisniveau.

Vor Ort unterwegs

Kleinstwagen gibt es bei Auto Europe für eine Woche ab 120 Euro, Mittelklasse ab 200 Euro, 4WD ab 250 Euro. Mit der Fähre (Fred Olsen oder Direct Ferries) geht es von Gran Canaria (Agaete/Puerto de las Nieves) nach Teneriffa (Santa Cruz) ab 38 Euro pro Person


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Über diesen Autor

Anja Keul

Anja Keul

Volontariat kurz nach dem Abitur, danach Redakteurin, dann freie Journalistin, um parallel Philosophie zu studieren – uff. Kurz vor ihrem 30. Geburtstag zog Anja aber die Bremse, um erst einmal ein halbes Jahr um die Welt zu reisen und in Mexiko hängen zu bleiben. Als Kulturressortleiterin bei „Cosmopolitan“ und Journalismus-Dozentin ging es danach zwar weiter, aber irgendwie schlichen sich immer mehr Reisegeschichten in ihre Arbeit. Deshalb machte sie sich als freie Reise-Autorin und Entwicklerin von (Reise)-Magazinen selbstständig. Besonders gern fährt sie in spanischsprachige Länder, weil sie die Sprache und ihre Variationen mag – von der iberischen Halbinsel über Kuba bis Argentinien.

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