Länderberichte

Sagres | Europas schönstes Ende

Sagres und die Bucht von Martinhal
Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Jetzt, wo Portugal die EM gewonnen hat, dürfte die
Stimmung auch in Sagres noch besser sein. Wobei die
ohnehin blendend ist – dank (Surfer-)Bars, attraktiver
Natur und einem Design-Familienresort der Extraklasse.

Europas südwestlichster Punkt: das Cabo Sao Vicente

„Gestern hat sich ein Minkwal im Hafen verirrt“, erzählt Christine, Biologin und Guide von Marilimitado, einem von drei Whalewatching-Anbietern im südportugiesischen Sagres. „Und da draußen“, sie zeigt aufs offene Meer Richtung Nordafrika, „sind noch viel mehr: gemeine Delfine, Gelbflossendelfine, Buckelwale, Pottwale, Haie, sogar Orcas. Wir zählen allein mehr als 30 Meeressäugerarten. Mal sehen, wen wir heute entdecken! Man weiß es ja nie.“ Spricht’s und lotst die zehnköpfige Gruppe in das schnittige Schlauchspeedboot. Wie auf Pferden sitzen die Passagiere da in Zweierreihen auf langen Sitzwürsten und staunen nicht schlecht, als das Boot mit bis zu 70 Sachen über das leicht bewegte Meer flitzt.

Wo Vögel, da Delfine

Vor allem die Kinder und Jugendlichen kreischen vor Vergnügen, wenn es immer wieder zu kleinen Sprüngen und entsprechendem Bauchkribbeln kommt. Allerdings haben die weißgekrönten Wellenberge den Nachteil, dass sie die Sichtung deutlich erschweren. Zum Glück sorgen Funkkontakt mit anderen Booten und mit den Meeressäugern sympathisierende Meeresvögel dazu, nach einer Stunde Herumsuchen doch noch auf die richtige Fährte zu kommen: Rund zehn Delfine tollen ums Boot – mal zu zweit, mal allein, mal ganz nah. „Sie sind mit Jagen beschäftigt, sonst wären sie noch viel verspielter“, meint Christine, „sie lieben nämlich den Kontakt mit den Booten“.

Ein Ort mit Geschichte – und Gegenwart

Nicht nur die Meeressäuger lieben diese Ecke von Europa, sondern auch Backpacker und Surfer. Ein entsprechendes Publikum findet sich in den beliebten Cafés und Bars, die sich keine zehn Gehminuten vom kleinen Hafen entfernt in der netten Hauptstraße ballen. Viele haben Open-Air-Terrassen im ersten Stock und ermöglichen so attraktive Ausblicke auf die in maurischem Stil mit färbigen Fensterrahmen und prächtigen Rauchfängen ausgestatteten Häuser sowie das nahe Fortaleza, das mit seiner 43 Meter Durchmesser großen Windrose an den großen Heinrich den Seefahrer erinnert, der von Sagres aus Mitte des 15. Jahrhunderts die bahnbrechende Erkundung der afrikanischen Küste vorantrieb. Auch im Blick: die rauen Felsen, denen die Felsalgarve ihren Namen verdankt und die unterhalb des 2.000-Einwohner-Ortes bis zu 50 Meter steil aus dem Atlantik emporragen.

Sagres und die Bucht von Martinhal

Sagres und die Bucht von Martinhal – von der Frühstücksterrasse des „Martinhal Sagres Beach Family Resort“ aus gesehen

Angelpunkt hoch über dem Meer

Am nur wenige Kilometer entfernten Cabo São Vicente sind sie noch höher. Bis zu 70 Meter bricht hier die sanfte, karge Ebene von Sagres mit ihren kleinen Gehöften, Steinruinen und Hinkelsteinen abrupt ab. Schwer vorstellbar, dass manche Angler, die von hier oben ihre Rute in die tosende Gischt hinablassen, tatsächlich Barsche, Brassen, Makrelen und Tintenfische an den Haken bekommen. Gut vorstellbar hingegen, dass die romantische Szenerie schon zu etlichen Liebesbeschwörungen und Hochzeitsanträgen geführt hat.

Sunset mit Blick nach Amerika

Ein Stelldichein am südwestlichsten Ende Europas, nur die untergehende Sonne im weiten Meer (und gedanklich Amerika) im Blick (und den nahen rot-weißen Leuchtturm mit seinem 80 Kilometer weit strahlenden Lichtkegel): Das hat was – erst recht in der Nebensaison. In den Sommermonaten hat das Unterfangen, so fair muss man sein, nur bedingt mit Romantik zu tun, dann gleicht das Plateau eher einem kleinen Rummelplatz mit mobilen Verkaufsbuden und Markttischen, wild parkenden Autos und auffallend vielen Wohnmobilen Marke Hippie-Style.

Rund um Sagres finden Mountainbiker viel Terrain zum Entdecken - vor allem an der Felskante wird's abenteuerlich

Rund um Sagres finden Mountainbiker viel Terrain zum Entdecken – vor allem an der Felskante wird’s abenteuerlich

Algarve, aber anders

Alternative fühlen sich in Sagres ohnehin pudelwohl, nicht nur der Hostels und vorzüglichen Surf- und Tauchbedingungen wegen. Die Barlavento genannte Region westlich der weißen Stadt Lagos ist der ruhige, dünn besiedelte Teil der Algarve. Ohne Bettenburgen, Golfplätze, Funparks und Krach, dafür charmant und leise. Traumregion für alle, die auf Entschleunigung und Individualität stehen und das Meer als Natur-Spa mit Salz und Jod lieben. Dass es hier viel ruhiger als etwa bei Albufeira und Portimao zugeht, liegt neben der etwas weiteren Anreise (wobei man mit dem Auto von Lissabon in drei Stunden und von Faro in etwas mehr als einer Stunde vor Ort ist) vor allem am Costa Vicentina-Nationalpark, der tabu ist für Bebauung. Das daran angrenzende „Martinhal Sagres Beach Family Beach“ achtet auf seinem 40-Hektar-Areal auch besonders drauf, die ursprüngliche Vegetation zu belassen und nicht über zwei Stockwerke hinauszuragen.

Animiert wird hier nicht auf Knopfdruck

Die dorfartige Anlage mit dem elegantem, aber zwanglosem Flair, designter ursprünglicher Algarve-Architektur, klaren Linien, mit piekfeiner, unaufdringlicher Spa- und Pool-Landschaft sowie traumhaftem Blick auf Sagres und den Atlantik, ist für Sagres ein echter Motor gewesen. Erst vor fünf Jahren eröffnet, wird es mit internationalen Design- und Reisepreisen überhäuft. Selbstsicher nennt es sich „Europas führendes Familienresort“. Ganz bewusst haben sich das aus der Schweiz und Indien stammende Ehepaar Roman und Chitra Stern diesen Ort ausgesucht, wo Familien nicht allzu abgelenkt sind und sich auf sich selbst konzentrieren können. Und das tun auch die meisten. Zwar wird Kinderbetreuung und ein buntes Aktivitätsprogramm angeboten, aber der Fokus liegt auf gemeinsamen Aktionen.

Barefoot luxury – speziell für Familien

Das Beste: Das Konzept des großen, aber dennoch familiären Resorts sieht trotz seinem hohen Komfort keinerlei Etikette oder Protokoll vor. „Zu vermitteln, dass hier Design und Sterneküche mit überdurchschnittlicher Familienfreundlichkeit zusammenpassen, ist gar nicht so leicht“, gesteht die für Presse und Marketing zuständige Daniela Berendonk. Aber wie findet man einen anderen Ausdruck als fünf Sterne, die die 37 Zimmer, 132 Häuser und 45 Villen umfassende Anlage mehr als verdient? „Barefoot luxury“ vielleicht? Fakt ist: Den schneeweißen, öffentlichen Sandstrand, der sich fast bis zum Minihafen von Sagres zieht, mit Schuhen zu treten, wäre ja auch wirklich Frevel.

Die Bucht von Sagres ist ein Paddelparadies und die kleine vorgelagerten Inselchen ein beliebtes Ziel

Die Bucht von Sagres ist ein Paddelparadies und die kleine vorgelagerten Inselchen ein beliebtes Ziel

Lieber rein ins Seakayak oder aufs Surfbrett. Auch Wanderungen und Mountainbiketouren sind in allen Längen und Schwierigkeitsstufen möglich – ein echtes Sportparadies. Gut zu wissen: Sagres ist ein Ganzjahresziel. Selbst im November gehören T-Shirt und Flipflops zur Standardkleidung. Nur mit dem Baden ist das so eine Sache – über 18 Grad kommt das Thermometer selbst im Sommer selten.

Infos

Ein Aufenthalt in einem Ferienhaus im Martinhal Sagres Beach Family Resort ist für eine fünfköpfige Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder von drei bis 12 Jahren sowie einem Kind bis zwei Jahre im Kinderbett) inklusive Halbpension  in den Monaten November bis Mitte März ab ca. 1.700 Euro bei einem Mindestaufenthalt von 7 Nächten buchbar, in den Sommermonaten ist es teurer. Allgemeine Infos über die Algarve vermittelt Turismo do Algarve in Faro.


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Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.

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