Länderberichte

Sapporo | Power Powder made in Japan

Hokkaido Sapporo Wintersport Teine Resort
Thomas Linkel
Geschrieben von Thomas Linkel

Jetzt an den nächsten Winter denken! Japans Insel Hokkaido ist ein Paradies für Pulverschnee-Fans. Klasse Reviere mit feinstem „Japow“ warten nur eine halbe Stunde Fahrtzeit außerhalb der sehenswerten Millionenstadt Sapporo

Die letzte Abfahrt des Tages. Über den bewaldeten, tief verschneiten Hängen färben sich die Wolken zartgolden. Die Skistation Teine liegt einige Hundert Höhenmeter und einen perfekt geneigten Tiefschneehang unter uns. Profiskifahrer Takeshi Kodama und ich rücken die Skibrillen zurecht und ziehen den Rucksack fest.

Vom Himmel tanzen Flocken, als wir, bis zu den Hüften von staubendem Pulverschnee umhüllt, hinab ins Tal federn. Schon eine Stunde später biegen wir in unseren dicken Skiklamotten in die berühmte Sapporo Ramen Alley und schlürfen kurz danach eine dampfende Miso-Ramen-Suppe.

Welche andere Millionenstadt liegt wie Sapporo nur 30 Kilometer von mehreren Tiefschnee-Skigebieten entfernt? Aber nicht irgendwelchen Skigebieten…

Skigebiet Teine: Meterhoher Powder

Am Mount Teine wurden 1972 die Skiwettbewerbe der Olympischen Winterspiele ausgerichtet. Dort finden Skifahrer und Snowboarder heute alles – vom einfachen Anfängerhügel bis zu steilen Powderabfahrten. Der Berg ist zwar nur 1.023 Meter hoch und liegt in Sichtweite von Stadt und Japanischem Meer, aber gerade die Nähe zur Küste und zu den relativ nahe liegenden Steppen Sibiriens, aus denen das Wetter hier meistens kommt, macht den Berg zum perfekten Niederschlagspunkt für große Schneemengen.

Bis zu sechs Meter feinster Pulverschnee im Jahr – oft als „Japow“ bezeichnet – sind im Skigebiet Teine keine Seltenheit und sorgen dafür, dass immer genügend natürliche Unterlage die Pisten bedeckt.

Sapporo: Snow Festival, Vegan Sushi, Craft Beer

Das besondere Klima macht sich die Stadt auch auf andere Weise zunutze und organisiert seit Jahren das Sapporo Snow Festival. Es gibt kunstvoll gestaltete Eisskulpturen, ein kostenloses Musikprogramm, kulturelle Performances wie die Tänze der Ainu, der Ureinwohner von Hokkaido, und spektakuläre Snowboardrennen im Odori Park in der Stadtmitte. Wer sich aufwärmen will, der flaniert durch kilometerlange Einkaufspassagen im Untergrund.

Luftiger ist die Fahrt mit dem Sessellift hinauf zur olympischen Ōkurayama-Schanze im Stadtteil Chūō-ku. Von der offenen Plattform kurz oberhalb des Anlaufs geht der Blick über die Schanze und das Stadion, über die sich zwischen Hügeln ausbreitende Stadt bis zum Shinto-Schrein Hokkaido Jingu. Als Takeshi und ich den 1871 erbauten Schrein besuchen, lassen gerade einige Autobesitzer ihre mobilen Untersätze weihen. Vom Schrein flanieren wir über eine Kirschbaumallee in die von Schneebergen gesäumten Wohnstraßen.

Hokkaido Jingu Shinto Shrine,

Hokkaidō-jingū: Der Shinto-Schrein in Sapporo zählt zu den Must-sees der Stadt

Nur wenige Minuten entfernt serviert Akiko Haruyama in ihrem Restaurant „Itadakizen“ veganes, farbenfrohes Sushi in außergewöhnlicher Qualität. Akiko gehört zu den Pionieren des biologischen Landbaus auf Hokkaido. Sie bringt die frischen Zutaten vom eigenen Hof auf die vier kleinen Holztische des gemütlichen Lokals.

Sapporo für Besseresser: Itadakimasu!

Wer tiefer in die kulinarische Szene eintauchen will, der reserviert einen Tisch in der Sushi-Bar „Siki Hanamaru“ – andernfalls muss er sich in die Warteschlange einreihen. Besonders beliebt sind die am Tisch auf heißer Steinplatte gegrillten Jakobsmuscheln in gesalzener Butter, die Krebssuppe sowie der Lachsrogen-Gun­kanmaki.

Etwas rustikaler geht es in der „Sapporo Beer Garten“ genannten Halle der weltberühmten Sapporo-Brauerei zu. Die vor 144 Jahren aus einem Regionalentwicklungsprojekt und mit deutschem Know-how entstandene Brauerei hat die früheren Produktionshallen zu Restaurants, Museum und eben dem „Beer Garden“ umgebaut.

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Das Sapporo Beer Museum zeigt, wie populär die Kunst des Bierbrauens auf Hokkaidoist

Zwischen unverputzten Backsteinwänden, in Sichtweite eines Sudkessels (Selfie-Point!) und im Odeur einer Räucherkammer sitzen Gäste auf zwei Stockwerken zusammen, trinken das nur hier ausgeschenkte, süffige Sapporo Classic und brutzeln auf den tischeigenen Öfen Fleisch und Gemüse. „Genghis-Barbecue“ macht Spaß, schmeckt gut und lässt im Laufe des Abends die Stimmung beträchtlich steigen.

Sapporo Beer Garten

Blick in die Haupthalle des Sapporo Beer Garten

Wem nach mehr Natur ist, der steigt mit Schneeschuhen die Hänge des 311 Meter hohen Mount Sankaku hinauf. Zwischen den Bäumen lugen immer wieder die Hochhäuser der Zweimillionen-City durch, Raben sitzen dick aufgeplustert in Baumwipfeln und außer dem Knirschen des Schnees ist nichts zu hören. Folgt man den Wegen, kann man bis zum Berg hinter der Ōkurayama-Schanze wandern und von dort mit dem Bus zurück ins Stadtzentrum fahren.

Blick vom Mount Sakaku auf Sapporo

Blick vom Mount Sakaku auf Sapporo

Kokusai: Carven mit Meerblick und Après-Ski im Onsen

Auch das Skizentrum Kokusai ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Genauso wie in Teine finden sich nur wenige Anfänger auf den Pisten des 1.100 Meter hohen Berges, von dem man bei guter Sicht bis zum Meer blickt. Für Grundschüler sind jährliche Skikurse obligatorisch, dementsprechend gut fahren viele Stadtbewohner. Obwohl Kokusai für mitteleuropäische Verhältnisse niedrig liegt, fällt auch hier von Ende Dezember bis Anfang April viel Schnee. Es gibt Abfahrten für entspanntes Gleiten, aber auch steile Buckelpisten.

Jozankei Tsuruga Resort

So geht Après-Ski: Ein entspannendes Bad im heißen Onsen des Jozankei Tsuruga Resort and Spa

So brennen nach einigen Stunden im Pulver unsere Muskeln nachhaltig. Zeit, den Tag in Ruhe ausklingen zu lassen. Am Stadtrand, im Tal des Toyohira River mit seinen vielen heißen Quellen, liegt das stilvolle Ryokan „Jozankei Tsuruga“.

Wer beim Baden seine Privatsphäre bevorzugt, bucht ein Zimmer im Chaletstil und genießt auf der Terrasse seinen eigenen heißen Pool. Die anderen besuchen den traditionellen Onsen des Hotels – ein dampfendes Outdoor-Natursteinbecken, umgeben von Bäumen. In absoluter Stille tauchen wir bis zur Nasenspitze ein in das heiße Thermalwasser, lassen den ereignisreichen Tag genussvoll Revue pas­sie­ren und beobachten dabei, wie dicke Flocken aus der Dunkelheit fallen.

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INFO SAPPORO

Anreise

Finnair fliegt von Dezember bis Ende März zweimal wöchentlich direkt von Helsinki nach Sapporo. Tickets ab 485 Euro.

Wintersport rund um Sapporo

Skigebiet Teine Tages-Skipass je nach Saison ab 32 Euro. Skiset ab 45 Euro. Beginner’s Park, Terrain Park und mehr. Insgesamt über zwölf schwarze, rote und grüne Pisten. Weitere Informationen und Pistenpläne gibt es online
Skigebiet Kokusai Tages-Skipass je nach Saison ab 30 Euro. Skisets kann man ab 43 Euro mieten. Fünf Lifte, sieben Pisten.

Unterkünfte in Sapporo

Ibis Styles Sapporo Kettenhotel in sehr guter Innenstadtlage mit großzügigen Zimmern und hilfsbereitem Personal. DZ/F ab 75 Euro.
SappoLodge Hostel mit drei einfachen DZ, außerdem Gemeinschaftszimmern. Treffpunkt für Ski – und Snowboard-Fans, die gern Gleichgesinnte treffen und Wert auf lässige Berghüttenstimmung legen. Gute regionale Küche. Gemeinschaftsduschen, DZ ab 50 Euro.
Jozankei Tsuruga Resort Spa Schönes Hotel im Ryokan-Stil mit tollem Onsen und ausgezeichnetem japanischen Frühstücks- und Dinnerbuffet. Die „Chaletzimmer“ haben einen privaten Outdoorpool. DZ/HP ab 250 Euro.

Web

Reise-Infos, Ideen für Wintersportler sowie Tipps für sehenswerte Events finden sich online unter sapporo.travel

Super gemacht ist die Website der Japanischen Fremdenverkehrszentrale JNTO mit vielen Empfehlungen für Wintersport in Japan, großem Überblick zu den wichtigsten Ski Resorts zwischen Hokkaido und Fukuoka

Bildquellen

  • Sapporo Backcountry Skiing: THOMAS LINKEL
  • Pro Rider: © THOMAS LINKEL
  • Sapporo Snow Festival: THOMAS LINKEL
  • Vegetarisches Sushi II: © THOMAS LINKEL
  • Sapporo Winterstraße: THOMAS LINKEL
  • Winter T: THOMAS LINKEL
  • Brauerei Sapporo: THOMAS LINKEL
  • Sapporo Beer Grten: THOMAS LINKEL
  • Sapporo Winter Skyline: THOMAS LINKEL
  • Jozankei Tsuruga Resort und Spa: © THOMAS LINKEL
  • Powder Paradise Hokkaido: THOMAS LINKEL

Über diesen Autor

Thomas Linkel

Thomas Linkel

„Meine Neugier ist unstillbar.“
Nach einer fotografischen Ausbildung im Stilllife-Studio und dem Abschluss zum Diplomwirtschaftsgeograf arbeitet Thomas seit 15 Jahren für internationale Magazine in den Bereichen Reise, Reportage, Portrait und Architektur sowie für die Unternehmenskommunikation internationaler Kunden. Für seine Produktionen hat er über 100 Länder bereist.