Länderberichte

Schottland | Burning Love: Up Helly Aa

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Kennen Sie Shetland? Die kleine Inselgruppe weit nördlich von Schottland, auf halbem Weg zwischen  Färöern und dem norwegischen Bergen? Einmal im Jahr treiben es deren Bewohner beim Up Helly Aa in Lerwick so wild, dass die Funken fliegen. Wir waren dabei – eine Bilderreise über die Inseln.

Europas größtes Lichterfestival sei das Up Helly Aa, behaupten die Shetlander. Man mag es glauben. Der Event, dessen Name irgendwie an einen Schlachtruf der alten Wikinger oder an einen genussvollen Walrülpser erinnert, findet jeden letzten Dienstag im Januar statt und zieht Heerscharen von Schaulustigen und Feierbiestern an. Eine pyromane Orgie mit karnevaleskem Abschluss. Wir zeigen euch ein paar Impressionen vom Fest und den Shetland Islands.

Die Anfänge dieser Mega-Party gehen zurück aufs Jahr 1840: „Damals begannen Horden Gutgelaunter, brennende Teerfässer durch die engen Gassen von Lerwick rollen zu lassen, begleitet von Schlägereien und Massenbesäufnissen“, erzählt mir Brydon Wright, ein besonders wild gestyltes Mitglied des Guizer Jarl’s Squad.

Up Helly Aaa: erfolgreiche Schnapsidee

„Das war natürlich brandgefährlich, also wurde das ganze 1870 abgeschafft. Damals taten sich ein paar Jungs aus dem Ort zusammen, machten aus dem Chaos einen geordneten Umzug und verpassten ihm den Namen Up Helly Aa.“

So entstanden die ersten „Guizers“, eine Verballhornung des englischen „disguising“ (=Verkleiden). Sie griffen das Thema Wikinger auf und zehn Jahre später wurde das erste Wikingerschiff, die „galley“, durch den Ort gezogen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg tauchten die ersten „Guizer Jarl’s Squads“ auf, die bei dem Fest – verkleidet als Wikinger mit kunstvollen, jedes Jahr neu von Hand gemachten Helmen, Harnischen, Kettenhemden und Streitäxten durch Lerwick ziehen – frenetisch bejubelt von Shetlandern am Straßenrand, in den Sozialen Medien und auf Youtube.

Für die Liebhaber rauer Landschaften und alter Kulturen haben die Insel ebenfalls ein paar Gusto-Stücke parat, die Ausgrabungen von Jarlshof (siehe 360°-Pano unten) etwa sowie die Klippen beim Esha Ness Lighthouse und beim Sumburgh Head Lighthouse. Die Jarlshof-Ausgrabungen haben unter anderem beeindruckende Reste eines gewaltigen Broch (Wehrturm aus der Eisenzeit), das sehr gut erhaltene sogenannte Wheel House und von Wikinger-Langhäusern freigelegt.

 


INFO

Anreise

Von diversen deutschen Flughäfen mit British Airways/flyBE über London und Aberdeen nach Sumburgh, ab 650 Euro

Scalloway Hotel

In der Main Street des kleinen Hafenorts Scalloway wartet dieses von außen unspektakuläre familiengeführte Hotel. Die 23 Zimmer sind beileibe nicht alle state of the art, eher britisch-plüschig und etwas angestaubt. Sie werden aber schrittweise renoviert. Das Essen hingegen ist – sofern man Fisch und Seafood bestellt –  famos. Kommt fangfrisch von der lokalen Flotte. Auch das Frühstück ist eine positive Überraschung – mit viel frischem Obst, da kann sich manches Viersterne-Haus ein Beispiel nehmen. DZ/F ab 160 Euro.

 

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten in während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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