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„Sepp“ in Maria Alm | Neues Adults-only-Hotel im Test

Hotel Sepp: Erwachsenenhotel in Maria Alm mit Airstream-Sauna
Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

Das Hotel „Sepp“ ist eines der ersten Erwachsenenhotels in Österreich. Es ist aber weder Balzschuppen noch Romantikhochburg, sondern eine stylish-relaxte Neueröffnung mit vielen Spielereien

Manchmal wünscht man sich einfach etwas Ruhe. Vielleicht auch von den eigenen Kindern, von frem­den sowieso. Das im Sepp(!)tember eröffnete Hotel „Sepp“ im salzburgischen Maria Alm ermög­licht diese Art Erholung. Es legt bezüglich des kontrovers diskutierten Megatrends der boomenden Erwachsenenhotels sogar noch eine Schippe drauf. Statt 16 oder 18 beträgt das Mindestalter hier nämlich 21 Jahre.

Warum das? Zum einen liefert man so einen weiteren USP und mit der unterschwelligen Provokation „Mit 18, 19 sind die meisten doch noch postpubertär“ die Grundlage für Gespräche mit anderen Gästen. Diese sollen nicht zu sehr in ihrer Pärchenblase versinken. Dafür sorgen offene Treffpunkte und ein kommunikatives Konzept für viele Begegnungsmöglichkeiten – ganz nach dem Hausmotto „Gemeinsam mittendrin“.

Hotel Sepp in Maria Alm: Infinity-Pool mit Blick auf die Berge

Der Rooftop-Pool im Hotel „Sepp“ bietet 32 Grad Wassertemperatur und 270 Grad Aussicht auf Maria Alm und Umgebung

Auf den ersten Blick

Inhaber und Namensgeber „Sepp“ Schwaiger ist neben seiner Tätigkeit als Hotelier (er betreibt auch das nahe Traditionshaus „Eder“) auch Architekt. Er hat das „Sepp“ – Grundidee: Was ganz anderes schaffen – selbst entworfen. So baute der 38-Jährige am Rand des florierenden 2.000-Seelen-Ortes Maria Alm ein komplett neues Haus. Das macht aber mit teils uralten Schindeln an der Fas­sade auf alt und passt sich so gut in die Nachbarschaft ein.

Nicht zu protzig, nicht zu klein – und dennoch verrät schon das neonrote Außenschild: Typischer Alpenbarock ist hier nicht zu finden. Das bestätigt sich rasch im Innern. Im Treppenhaus warten erst mal nur ein alter Kaugummiautomat (falsche Fährte!) und ein bikekompatibler Aufzug. Dieser wirkt dank Filmanimation wie eine Gondelfahrt. Das Herz des familiär geführten Hauses offenbart sich dann im dritten Stock.

Der sogenannte Dachboden, mit angenehm knarzenden Dielen und viel (Alt-)Holz versehen, ist Anmelde-, Ess-, Trink- und Lümmelraum in einem. Hier wie überall wirkt zwar alles alt, pardon: retro, ist aber topmodern. Das lässt das „Sepp“ wie einen Alpen-Ableger der „25hours“-Hotels erscheinen.

Was ist das Besondere am Hotel Sepp?

Ü21 – allein das impliziert, was fehlt: Hochstühle, Pommes am Boden, Gejohle am Pool. Dennoch werden Brettspiele gespielt und manchmal albern Gäste in Bademänteln an der XL-Bar auch postpubertär herum. Laute Partynächte oder anrüchiges Ambiente muss aber keiner fürchten. Das Haus legt Wert auf Stil. Für „Luxury with a twist“ sorgen in der Lounge Möbelbezüge aus Lederhosen. Auf den Balkonen laden trendige Hutschn-Schaukeln zum Relaxen ein. Und in manchen Zimmern sind Platten des Kultkomponisten Herbert Pixner aufgelegt.

So schläft und wohnt man

Die 40 Zimmer im Hotel Sepp teilen sich in fünf stark unterschiedliche Kategorien auf. Manche kompensieren ihre Zimmergröße mit einer ausziehbaren Kino-Leinwand. Andere bestechen mit viel Holz, wieder andere mit Balkonhängematten oder frei stehenden Wannen im Zimmer. Die Version „Sporty“ verfügt über einen eigenen beleuchtbaren Stauraum für Bikes oder Ski. Der ist – Achtung, Poseralarm! – vom Flur einzusehen und sogar unterschiedlich beleuchtbar.

Geschmackssachen

Bis 13 (!) Uhr stehen rund um die Bar alle erdenklichen Schmankerl bereit. Dazu zählen auch Eierspeisen und Pancakes von der Live-Cooking-Station. Eine Mittagskarte gibt es aber ebenso wenig wie Dinner-Vielfalt. Was es gibt: Themenabende, mal österreichisch, mal nepalesisch, mal italienisch. Das verbindet, schränkt aber auch ein. Üppig fällt das Getränkearsenal aus. Gösser ließ sich fürs „Sepp“ ein eigenes Bier einfallen, Wein-Guru Leo Hillinger entsprechende Signature-Tropfen. Dazu gibt es Gin und Birnenschnaps im allseits häufig verwendeten CI in altdeutscher Typo.

Was uns besonders im „Sepp“ gut gefällt

„Sepp“ ist in mancherlei Hinsicht radikal: Nicht nur auf die minderjährigen Gäste wird verzichtet, sondern auch auf Zimmertelefone und standardmäßige, eingeschweißte Badeschlappen. Statt Einsteckzimmerkarten sorgen nostalgische Hauptschalter für Strom, coole Spinde für Stauraum und abgefahrene Lampen für Licht. Richtig hell ist es im Atrium. Unter den Blättern eines Acht-Meter-Olivenbaums können es sich die Gäste auf Holzflächen gemütlich machen. Sanftes Vogelgezwit­scher, das selbst nachts zu hören ist (und für Verwirrung sorgen kann), rundet das Indoor-Naturerlebnis ab. Was uns auch gefällt: An vielen Stellen wird versucht, Müll zu vermeiden und Energie zu sparen.

Hotel Sepp: Baumstarke Indoor-Naturgefühle im Atrium

Mein Freund, der Baum: Ein rund acht Meter hoher Olivenbaum befindet sich vollständig im Innern vom Hotel Sepp

Ideal für …

Klar, Familien stehen hier auf der Black List, aber Eltern ohne Kinder gehören ebenso zur Hauptzielgruppe wie kinderlose Paare oder Freundesgruppen. Umso besser, wenn sie auch (fremde) Gesellschaft vertragen und offen sind für Aktivitäten aller Art. Davon gibt es reichlich. Biketrails und Wanderwege starten ums Eck. Zum Skilift, dem Einstieg in die prämierte Königstour am Hochkönig, sind es drei Gehminuten. Spezielle Events wie Oldtimertreffen und Weinverkostungen ziehen freilich eine eigene Klientel an.

Sauna, Pool, Spa?

Zwei Saunas, ein 32-Grad-Infinity-Außenpool, ein Massageraum: Das Angebot ist nicht üppig, aber hat es in sich. So befindet sich in dem silbernen, gewagt überhängenden Airstream am Dach eine finnische Sauna.

Adults only-Hotel Sepp: Sauna, Terrasse, Pool - so sieht der Spabereich im Sepp aus

Erst Sauna im Airstream, dann „Luftdusche“ auf der Terrasse – Bergblick inklusive

Die kleinen und größeren Haken

Cocooning-Fans sollten sich etwas anderes suchen. Dazu ist weder das Spa- noch das Essensangebot groß genug. Sport-, Kulinarik- und Wellnessabwechslung gibt es im nahen, vitalen Ortszentrum jedoch reichlich. Noch näher liegt die am Hotel vorbeiführende Bundesstraße. Dass die teils riesigen Fenster von außen nicht einsehbar sind, muss man da erst verinnerlichen.

Die Preisfrage

Übernachtung und All-you-can-Brunch kosten im Hotel Sepp pro Person ab 99 Euro. Da ist die HochkönigCard mit jeder Menge Ermäßigungen drin. Das Fünf-Gänge-Menü kostet aber extra, pauschal 30 Euro. Infos und Buchung unter edersepp.com

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Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.