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Shanghai | Der verrückte Feinschmecker

Christian Haas
Geschrieben von Christian Haas

20 Gänge, in denen nach allen Regeln der Kunst gezaubert wird, dazu kuriose Videoprojektionen und viele andere Überraschungen: Das Ultra Violet in Shanghai ist das verrückteste Feinschme­cker-Restaurant der Welt. 

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An diesem Tisch passiert’s: Da bekommen zehn Gäste 20 Gänge serviert – einer aufregender als der andere

Das Verrückte geht schon vor dem ersten Gang los. Nämlich bei der Adresse, die schlicht „Somewhere in Shanghai“ lautet. Weder die Website http://uvbypp.cc noch User-Kommentare oder Google Maps geben Hinweise auf den genauen Standort. Vielmehr trifft man sich nach der obligatorischen Voranmeldung an der Uferpromenade der chinesischen Millionenmetropole im „Mr und Mrs. Bund“ zum Aperitif, bevor man per Limousine in den Gourmettempel des französischen Chefs Paul Pairet chauffiert wird. Nur so viel ist bekannt: Er befindet sich in einer Lagerhalle im Zentrum von Shanghai.

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Jeder Gang wird von einer anderen Video-, Musik- und Duftinstallation begleitet

 

Im Halbdunkel werden die Gäste dann an den einzigen Tisch mit zehn Stühlen geführt. Nachdem sie sich gesetzt haben, beginnt das immersive, kulinarische Theater mit der Eröffnungssequenz aus Kubricks Kultstreifen „2001: A Space Odyssey“. Danach folgt ein Kracher nach dem anderen, wobei alle Sinne angesprochen werden sollen. Das gilt allen voran den geschmacklichen Erlebnissen, bei denen avantagrdistische Experimente der Molekularküche den Schwerpunkt bilden. Da wird Salat vor den Augen der Gäste schockgefroren und zu Salatschnee verarbeitet, Fleisch mit ungewöhnlichsten Gemüse- und Obstsorten kombiniert oder etwa dünne Gurkenscheiben mit Erdnusspaste in der Mitte zu Eis am Stiel verarbeitet.

Mindestens genauso wichtig sind jedoch die Aspekte Tisch-Deko, Duft, Musik und Licht. Schließlich wird der Raum in nicht weniger als in ein 360-Grad-Theater voller aufregender Videoprojektionen verwandelt. Da fegt beispielsweise ein rauschender Tornado aus Rauch und Zigarettenasche genau in dem Moment, in dem die Foie-gras-Zigarre  verkostet wird, über die Gäste. Auch schön: der 60er Jahre-Hintergrund mit Musik-Ikonen, Markennamen und Erfindungen des 20. Jahrhunderts zu Pop Rock Oysters. An dem einmaligen Konzept hat Pairet rund 15 Jahre gefeilt. Das rückt den stattlichen Menüpreis von rund 550 Euro doch gleich in ein anderes Licht.

Über diesen Autor

Christian Haas

Christian Haas

Christian Haas – Jahrgang 1974, Wirkungsstätte München – liebt seit jeher die Kombination Reisen und Schreiben. Naheliegende Konsequenz: Studium der Geographie und Kommunikationswissenschaften in Eichstätt und München. Diplomarbeit in Venezuela, Nationalparkpraktikum in Puerto Rico, Redakteursanstellung in München. Seit 2002 als Reisejournalist und Autor selbstständig, Schwerpunkt Outdoor, Familie, Kurioses. Seit 2013 gehört Christian Haas zum Redaktionsteam von abenteuer und reisen.