Tests

London | Sightseeing in der Wanne

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Gäste des luxuriösen Shangri-La At The Shard logieren im
höchsten Gebäude Europas – und genießen selbst aus der
Badewanne eine famose Aussicht. Wir haben uns für einen
Test das Hotel und die Pubs in der Nachbarschaft angesehen.

Regen prasselt gegen die Glasfassade. Drinnen schäumt und duftet es: wohltemperierte Stadtbesichtigung von der Badewanne aus, mit 180-Grad-Blick aus dem 48. Stock: Die London Bridge Station und der sehenswerte Borough Market kauern 250 Meter tiefer zu Füßen des Glasriesen The Shard (= die Scherbe). Ein Stück dahinter steht der Backsteinklotz der gerade durch das neue Switch House erweiterten Tate Modern.  Das weltweit meistbesuchte Museums für moderne Kunst steht direkt am Ufer der Themse, über die die eigenwillig designte Millenium Bridge führt, am gegenüberliegenden Ufer ragt die Kuppel der St. Paul’s Cathedral empor.

Shangri-La At The Shard

Der Blick von den raumhoch verglasten Zimmern des Shangr-La ist in alle Himmelsrichtungen beeindruckend. Wer das Treiben da unten genauer ins Visier nehmen will, greift zu dem in jedem Raum ausliegenden Fernglas. Für digitale Freuden sorgt das blitzschnelle WiFi. Eine breite Auswahl an Kosmetika von Acqua Di Parma steht im Bad parat – und für den überschätzten Londoner Regen hängt im XXL-Schrank  ein Regenschirm.

Shangri-La Hotel, At The Shard_zimmer

Blick in eines der Standard Zimmer des Shangri-La At The Shard. Die raumhohen Fenster garantieren prächtiges Panorama

Londons höchstgelegene Bar wartet im 52. Stock: In der GŎNG Bar haben immer wieder bekannte Barkeeper aus aller Welt Gastauftritte. Bei schönem Wetter sind die Sonnenuntergänge von dort oben sensationell, bei Regen und Dunst hat man den Kopf schon in der Wolkendecke. Buntes Publikum, gute Drinks und recht eklezistisches Design. Die Bar teilt sich die Etage mit dem Fitness Center und dem überschaubar großen Panorama-Pool.

Wo ist die Tower Bridge?

Von Londons berühmtester Brücke ist aus der GŎNG Bar nichts zu sehen. Kein Wunder, die Tower Bridge liegt östlich des Shard. Um sie zu sehen, muss man hinunter in den 35. Stock. Von der „Ting Lounge“ präsentiert sich die fast 250 Meter lange Klapp- und Hängebrücke schon zum Frühstück (mit delikater Asia-Abteilung) in voller Pracht.

Davor funkelt der Sitz des Bürgermeisters von London, ein gekippter, knollenartiger Bau von Sir Norman Foster. Für den scherbenartig im Him­mel endenden The Shard zeichnet der Pariser Kollege Renzo Piano verantwortlich, der den Bau für Investoren aus Qatar entworfen hatte.

„Piano hat das ohne Bezahlung gemacht, bestand aber darauf, die Schlüssel für die Penthouse Suite im 64. und 65. Stock zu bekommen. Die hat er wenige Jahre später für über 80 Millionen Pfund verkauft“, erzählt der Kapitän, der uns tags darauf mit einem der Themse-Cruiser den Fluss hinaufschippert. Der Skipper hat noch mehr in petto: Etwa die Erkenntnis, dass die Tower Bridge bei Lloyds of Lon­don als Schiff versichert sei – der vielen beweglichen Teile wegen.

Die Pubs von Southwark

Zeit für ein paar Pints mit Bodenhaftung. Das nächste Pub, das Bunch of Grapes“ liegt keine 300 Meter vom Hoteleingang. Wenige Schritte weiter erreicht man den Borough Market, auf dem einem vor lauter „homemade“, „fresh food“ & Co. ganz schwindelig wird. Alles sehr öko hier.

Oberste Regel im britischen Pub: Der Gast holt sich sein Bier am Tresen selbst ab, wer auf einen Kellner wartet, bleibt durstig

Oberste Regel im britischen Pub: Der Gast holt sich sein Bier am Tresen selbst ab, wer auf einen Kellner wartet, bleibt durstig

Ein Dunst aus Parfüm, Schweiß, Testosteron und verschüttetem Bier wa­bert aus dem Shipwright Arms – fast ums Eck vom Shard in der Tooley Street

Ein Dunst aus Parfüm, Schweiß, Testosteron und verschüttetem Bier wa­bert aus dem Shipwright Arms – fast ums Eck vom Shard in der Tooley Street

Bar Food im "Bunch of Grapes", keine 400 Meter vom The Shard entfernt

Bar Food im „Bunch of Grapes“, keine 400 Meter vom The Shard entfernt

Als Fluchtstätte bei so viel nahrungspolitischer Korrektheit bietet sich „The Globe Tavern“ in der Bedale Street mit einer schönen Auswahl an Craft Beer an. Wer er es gern etwas deftiger hat, der marschiert in die Gegenrichtung. Ein Dunst aus Parfüm, Schweiß, Testosteron und verschüttetem Bier wa­bert aus dem Shipwright Arms – einem „Feuchtgebiet“ fünf Gehminuten vom Shard in der Tooley Street.

 „George Inn“: Gasthaus aus dem 17. Jahrhundert mit markanter Galeriefassade

„George Inn“: Gasthaus aus dem 17. Jahrhundert mit markanter Galeriefassade

Weniger deftig geht es im traditionsreichen „George Inn“ zu, das ein Stück die Borough High Street hinab zu finden ist. Das Gasthaus aus dem 17. Jahrhundert mit seiner markanten Galeriefassade gilt als nationales Kulturerbe und zieht Gäste aus aller Welt an.

Nun überragt ihn ein glamouröser Parvenue, der sich gleißend und funkelnd in den Nachthimmel streckt: The Shard. Und da oben plantschen zu dieser Zeit bestimmt einige der 400 Gäste in der Badewanne und star­ren fasziniert auf die nächtliche Skyline.

Innenhof vor dem „George Inn“ an der Borough High Street

Innenhof vor dem „George Inn“ an der Borough High Street

 

 


 

SHANGRI-LA AT THE SHARD

Superior Shard Rooms im Shangri-La At The Shard kosten ab 440 Pfund, also rund 540 Euro.  Das ist viel Geld, dafür gibt es aber einen echten Million Dollar View.

The View from the Shard ist eine Aussichtsplattform im 69. Stock, und damit auf einer Höhe von 244 Metern. Von dort reicht der Blick bis zu 65 Kilometer weit. Tickets kosten 25 Pfund, genau so viel wie für das Millenium Wheel aka London Eye. Der Blick aber ist um ein vielfaches besser. Tickets  online vorbestellen.

Gut gemachte Infos und viele Low-Budget-Tipps für Unterkunft und Essen auf der offiziellen Website Londons: visitlondon.com

 

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten in während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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