Länderberichte

Singapur | Hawker Centres: Top 10 Street Food

Robert Haidinger
Geschrieben von Robert Haidinger

Die über 100 Hawker Centres der Stadt wurden zur touristischen Erfolgsstory. Sie heißen Chinatown Complex Hawker Centre, Malaysian Food Street, Lau Pa Sat oder Tekka Hawker Centre und sind ein absolutes Muss.

Madam Cher Yam Tians Geschichte beginnt mit einem jener Essenswägelchen, die anfangs der 1950er-Jahre durch Singapur geschoben wurden. Und Madam Cher gehörte zur rollenden Armada der städtischen Food Hawker. Spricht man mit älteren Singapurern über diese Zeit, wirken sie wie Kinder unterm Christbaum.

Hawker Centres: Wie sie wurden, was sie sind

Erinnerungen an heranwehende Gerüche tauchen auf. An Glöckchen, die das pünktliche Nahen dampfender Nudelsuppen und knusprig gegrillter Spießchen ankündigen, und die Augen beginnen zu glänzen. Bei den Kunden von Madam Cher glänzten sie besonders. Das hatte mit einer Erfindung zu tun, die es im Laufe der Zeit zum Status eines kulinarischen Sonderbotschafters von Singapur schaffte: Chilli Crab. Leicht süßlich fällt sie aus. Über die richtige Mischung von Tomatenpüree, Ketchup, Chilipaste, Ingwer, Schalotten, Knoblauch, Essig, Sojasoße, Limonensaft, Maisstärke und eingerührtem Ei können unter den Singapurern jederzeit hitzige Debatten losbrechen.

Ähnliches gilt auch für die frittierten Mantou, chinesische Brötchen aus Weizenmehl, die zu jeder Chilli Crab serviert werden. Diese dürfen weder zu flaumig noch zu süß ausfallen. Wer das Original testen möchte, kann das am besten im „Roland Restaurant“ in der Marine Parade Central tun. Dort lebt das berühmte Rezept der Madame Cher besonders authentisch weiter – das Restaurant wurde von ihrem Sohn Roland eröffnet.

Die Wägelchen seiner Mutter sucht man allerdings vergeblich. Sie wurden in den 1980ern gemeinsam mit offenen Garküchen von den Straßen und Gehsteigen der Stadt verbannt. Das für Sauberkeit und Ordnung bekannte Singapur bescherte der Stadt im Gegenzug Einrichtungen, um die sie nun die ganze Welt beneidet: die berühmten Hawker Centres.

Lasst es euch schmecken, fürchtet euch nicht!

Hygiene wurde dabei zur Chefsache erklärt, und die Anforderungen wurden kontinuierlich erhöht. Die National Environment Authority managt aktuell 107 Food-Märkte und Hawker Centres von altehrwürdig wie Lau Pa Sat über das Old Airport Road Food Centre, bis zu modernen Komplexen wie dem im Bau befindlichen Bukit Panjang.

Es gibt Standards bei der Lizenzvergabe der einzelnen Essensbuden, die sich in überdachten, meist nicht klimatisierten Hallen aneinanderrei­­hen. Und es gibt besondere Auszeichnungen für besonders blitzblanke Fälle.

Die Nationale Umweltagentur NEA setzt dabei auch auf das Feedback ihrer Kunden und von Food-Bloggern. Gut nicht zuletzt für Westler, die zum Marktgenuss zwischen Bangkok und Bali häufig auch Dünnpfiff und Magenrumpeln auf die Rechnung setzen mussten.
In Singapurs Hawker Centres ist diese Gefahr für Leib und Urlaubstage gebannt, ohne dass ihnen die  Street-Food-Seele geraubt wurde. Auch während der 1990er nicht, als viele Hawker Centres nach noch strengeren behördlichen Auflagen abgerissen oder radikal umgebaut werden mussten.

Top 10 Hawker Centres, Streetfood at its best

Spartanisch eingerichtete Neon-Oasen sind diese Hawker Centres oft. Einfach möbliert mit abwaschbaren Kunststoffplatten. Der Dresscode: Flipflops. Doch für Liebhaber von asiatischem Street Food sind sie schlicht: das Paradies.

Robert Haidinger hat für uns in Singapur ein 24-Seiten-Heft mit den Schwerpunkten Food, Kunst und Architektur produziert, das der Märzausgabe beigelegt wird. Hier verraten er und einige Journalistenkollegen ihre Lieblingsadressen in Sachen Street Food und Hawker Centres. Einen Überblick über die wichtigsten „local dishes“ und weitere leckere Tipps zu Street Food wollen wir Euch nicht vorenthalten.

 

YUAN CHUN FAMOUS LOR MEE

Amoy Street Food Centre, 7 Maxwell Road, 02-80.

So dick dass der Löffel steckt: Das chinesische Nudelgericht Lor Mee – der Name steht für die flachen, gelben Nudeln – ist typisch für Singapurs Hokkien Community. Herr Koh Hock Ann kocht sie nach einem authentischen Rezept. Auszeichnung der Strait Times.

 

ZHENG YI HAINANESE BEEF NOODLE

Kin Seng Coffeeshop, 47 Tai Thong Crescent.

Zart und trotzdem mit gutem Biss. So soll das Rind in der Beef Noodle Suppe laut „Strait Times“-Food-Kritiker Wong Ah Yoke schmecken.

HASS BAWA MEE

Block 84, Marine Parade Central, Market and Food Centre, 01-150.

Steven Yeong, der leitende Direktor der Restaurantkette „River Inn Group! lobt die traditionellen Zutaten. Und: die Nudeln sind weder zu trocken, noch zu ölig.

 

MY COSY CORNER

Coronation Shopping Plaza, 587 Bukit Timah Road, 02-02.

Popiah ist die Bezeichnung für die regionale Version von Frühlingsrollen. Food-Juror Dennis Wee erklärt die Vorzüge dieses Kategoriesiegers: Dünne aber weiche Haut, saftiger Inhalt bissfestes Gemüse, gute Balance von Chili und Süße.

RIYAN HIDAYAT SATAY SOLO, NO. 31

Garden Market and Food Centre, 01-31.

Die kräftige malaiische Hühnersuppe hält sich an Originalrezepte: Über die Basis der Gewürzpaste legen sich hier die Aromen von Zimt und Gewürznelken.

 

SUNGEI ROAD LAKSA

27 Jalan Berseh, 01-100

Ein Favorit des „The Guardian“-Food-Kritikers Ignatius Chan: Der Geschmack des Klassikers der Peranakanküche ist hier besonders „lemak“ – sprich samtig. Nudelsuppe mit Kokosmilch, Tofu-Puffs, Shrimp, Fish Sticks und Herzmuscheln.

FU MING SHUI SHI

Red Hill Lane Food Centre, 01-49

Chai Tow Kueh oder Carrot Cake zählt zu den Klassikern des Singapur Hawker Foods – hier schmeckt er besonders gut. Der geriebene Rettich wird mit Tapiokamehl zu einer Art Gnocchi gedämpft, dann mit Ei und Knoblauch gebraten. Besonders loben Kritiker die süßlich karamelisierte Soya Version.

 

HENG HENG

107 Owen Road Singapore

Prämierter Bah kut teh oder „Schweinerippchen-Tee“. Die klare Suppe mit Schweinefleisch und Zimtgeschmack ist die beste der Stadt.

 

CHYE LYE

1 Jalan Legundi Singapore

Janice Wong, Betreiberin des preisgekrönten Singapurer Restaurants „Iggy’s“ empfiehlt den Fish Head Curry von Chye Lye: leicht säuerlich dank Tamarinde, Red Snapper und viele Gemüse, intensive Fish Head Aspik. Nahe des Singapore Zoo.

 

PIAO JI FISH PORRIDGE

Amoy Street Food Centre, 02-100.

Preisgekrönter Fisch Porridge. „Straits Times“-Kulinarikkritiker Tan Hsueh Yun meint: „Piao Jis Porridge hat dicke Fischstücke und einen kräftigen Fond. Das Geheimnis sind aber die knusprig gebratenen Speckgrieben im Fish Porridge“.


 

Infos

Anreise

Mit Singapore Airlines Flug von Frankfurt und München direkt nach Singapur (knapp 12 Stunden Dauer), in der Economy Class ab 800 Euro, Premium Economy Class ab 1.575 Euro und Business Class ab 2.910 Euro. Ab 21. Juli nonstop auch ab Düsseldorf.

Hotels

The Parkroyal on Pickering
Im Herzen von Singapur gelegen. Die Fünf-Sterne-Anlage wurde unter ökologischen Gesichtspunkten gebaut, mit hängenden Gärten, und besitzt einen wunderschönen Dachgarten und Swimmingpool. Das Restaurant „Lime“ serviert südostasiatische und internationale Küche. Wlan ist kostenlos. DZ ab 235 Euro.

Pan Pacific Singapore
Das Fünf-Sterne-Hotel liegt an der Marina Bay, im Herzen von Singapurs Business- und Entertainmentviertel. Von den Zimmern genießt man tolle Ausblicke auf die Stadt, zahlreiche Sehenswürdigkeiten erreicht man bequem zu Fuß. Eine Skybridge verbindet das Hotel mit dem Convention Center sowie größeren Einkaufszentren. Vier Restaurants. Kostenloses Wlan. DZ ab 185 Euro.

Auskunft

Wichtige Informationen über die Destination Singapur sowie reisepraktische Tipps findet man beim Singapore Tourism Board.

 


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Über diesen Autor

Robert Haidinger

Robert Haidinger

Seit drei Jahrzehnten Foto-Nomade mit Ankerplatz Wien mit extremer Reiseerfahrung. Er arbeitete in bislang über 80 Staaten und auf fünf Kontinenten. Der Schwerpunkt dieser Reisetätigkeit liegt neben Afrika und Zentralamerika vor allem im kulturell so komplexen Asien. Langzeitaufenthalte in Japan, China, Sri Lanka und Indien machen ihn zum Spezialisten dieser Region. Seine Arbeiten werden von der Kölner Agentur Laif vertreten. „Meine fotografische Arbeit wird von unterschiedlichen Welten geprägt, die im Idealfall miteinander kommunizieren. Zum einen wäre da die Sensibilisierung auf moderne Lifestyle-Codes, geschärft durch langjährige Arbeit in den Bereichen Design und Architektur. Das Eintauchen und Verstehen fremder Kulturen setzt wiederum eine ganz andere Form von Erfahrung voraus – erworben durch Jahrzehnte lange intensive Kontakte auf allen gesellschaftlichen Ebenen Asiens. Heute fühle ich mich dort wie ein Fisch im Wasser. Zugleich führen mich immer wieder Reportage-Reisen an die „Last Frontier“: Besondere und oft raue Orte am Rande der globalisierten Welt, die eine besondere Form der Annäherung bedürfen. In unverbrauchten Weltregionen wie Mosambiks Norden oder Australiens Arnhem Land relativieren sich unsere Vorstellungen von Normalität.

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