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Hotel-Check | Six Senses Kaplankaya

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Süpersize me! Im Mai 2018 eröffnete 80 Kilometer von Bodrum das Six Senses Kaplankaya. Dieses Resort fällt in mehrerlei Hinsicht aus dem Rahmen, stellten wir bei unserem Besuch fest.

Der „Tigerfelsen“, so die Bedeutung des türkischen Namens Kaplankaya, ist eine große Anlage mit 141 Zimmern, Villen und Suiten, die sich hinter drei kleinen Buchten weit den karg bewachsenen Hang hinaufzieht.

Oben schließen die Neu- und Rohbauten von 154 Villen an, die wie weitere 78 Luxus-Retreats nach Entwürfen von Foster & Partner in der Nachbarbucht von einer Immobilien-Entwicklungsgesellschaft ver­kauft werden.

Was ist das Besondere am Six Senses Kaplankaya?

Untypisch für Six Senses sind das große Hauptgebäude wie die große Zahl (66) relativ eng nebeneinander errichteter Villen und der viele Beton, welcher der steilen Hanglage geschuldet ist. Im Kontrast dazu das stille, friedliche Umland mit Zigtausenden knorriger, alter Olivenbäume, Pinienwäldchen und kleinen Bauerndörfern.

Die durch Capital Partners (gegründet von Prince Harry’s millionenschwerem Freund Burak Öymen) finanzierte Anlage wurde im März 2016 als „Canyon Ranch Wellness Resort at Kaplankaya“ vom gleichnamigen Spa-Resort-Betreiber aus den USA eröffnet und nach einem Jahr wieder geschlossen.

So schläft und wohnt man

Für Six-Senses-Maßstäbe finden sich in Zimmern und Suiten, abgesehen von den Holzböden, wenig Naturmaterialen und Naturtöne. Da meint man, noch den amerikanischen Geschmack rauslesen zu können. Das Design der Zimmer und Suiten ist kühl bis steril. Dafür schläft man in superbequemen Betten, hat ein großes Badezimmer und entspannt im Horizon Pool mit famosen Blick aufs Mittelmeer und die Insel Kos in dunstiger Ferne.

Geschmackssachen

Typisch türkisch geht es in den Restaurants „Sage & Sea“, „Wild Thyme“ und „Meze by the Sea“ zu – mit feinen Mezze, Lahmacun und sehr gutem, frisch gefangenem Fisch. Viele Kräuter, Tomaten und Paprika aus dem eigenen Bio-Garten, der aktuell 30 Prozent des Bedarfs deckt. Ansonsten versuchen die Betreiber vom Six Senses Kaplankaya, Fleisch, Geflügel, Eier sowie Olivenöl und Milchprodukte von Erzeugern aus der Nach­bar­schaft zu beziehen. Kochkurse und Kräuterworkshops vertiefen Kulinarik- und Heilkräuter-Kenntnisse.

Was uns besonders gefällt?

Absolute Abgeschiedenheit und eine (noch) sehr ländliche Umgebung. Der Blick vom Privatpool der Sea View Ridge Villa, der saubere Strand und das samt und sonders supernette türkische Personal. Nicht zuletzt der XXL-Fitnessbereich in allerbester Ausstattung und das hervorragende Spa-Angebot – ebenfalls in XXL. Auch die Wassersport-Station mit SUP-Boards und Seakayaks bekomt Pluspunkte. Ein Segen ist das Fehlen von Jet-Skis und Banana Boats. Eine gute Idee ist der speziell für Familien ausgestattete Family Beach.

Schöner kann man in den Tag kaum starten als bei einer morgendlichen SUP-Tour und einem anschließenden Bad im Meer

Ideal für…

Paare und Reisende, die sich für die Kultur in dieser Region nicht vorrangig interessieren, aber viel Wert auf komplette Entspannung und gute Wellness legen, sind im Six Senses Kaplankaya bestens aufgehoben. Ohne Mietwagen geht nichts und wer sich für jeden Tag ein Kulturprogramm vornimmt, sitzt viel hinter dem Steuer.

SUP-Runde auf dem Meer: effektives Morgen-Workout

Sauna, Pool, Spa?

Alles da – auf 10.000 Quadratmetern schwitzt man in der Finnischen Sauna, im Dampfbad oder im Hammam und wird gekonnt massiert. Besonderheit: der Watsu-Pool für Wasser-Shiatsu, eine hydrotherapeutische Entspannungs-Behandlung.

Die kleinen und größeren Haken

In Sachen Nachhaltigkeit ist noch viel Luft nach oben. Bei unserem Besuch liefen die Klimaanlagen auch bei geöffneter Terrassentür  weiter – entsprechende energiesparende Abstelleinrichtungen sind aus unserer Sicht ein Muss. Sie würden laut Hotelleitung „zum Ende der Saison diskutiert“. Drücken wir die Daumen!

Dafür wird im Six Senses Kaplankaya beim Licht fast nur LED-Technik eingesetzt, kommen nur umweltverträgliche Reinigungsmittel zum Einsatz, organische Abfälle werden kompostiert für den Einsatz in den Grünanlagen.

Solarenergie und Photovoltaik sind noch kein Thema, einziger Energielieferant ist zur Zeit Gas.

Die Illy-Espresso­ma­schinen mit den aus obszön viel Plastik gefertigten Kapseln passen nicht zum grünen Anspruch von Six Senses. Das ist nur halb so schlimm: Illy-Maschinen lassen sich, so unsere Erfahrung, in der Regel kaum ohne Wutanfall oder Verzweiflungsausbrüche in Betrieb nehmen. So hält sich der Schaden für die Umwelt in Grenzen…

Die Preisfrage

DZ/F gibt es ab 280 Euro, ein stimmiges Preis-/Leistungsverhältnis. Bei TUI gibt es drei Ü/F in der Sea View Ridge Villa mit Flug ab 915 Euro.


INFO

Six Senses Kaplankaya, Bozbük Mahallesi Merkez Sokak

Turkish Airlines fliegt mit einem Stopover in Istanbul ab 225 Euro, in der Business Class ab 620 Euro in knapp 7 Stunden nach Muğla-Bodrum

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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