Länderberichte

Seychellen | Heißes Hideaway

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Im Oktober eröffnete auf der Seychellen-Insel Félicité das neue Six Senses Zil Pasyon. Wir haben uns das Luxusresort Mitte Dezember genauer angesehen

La Félicité, die fünftgrößte Insel der Seychellen, ist 260 Hektar groß und liegt nördlich von La Digue. Die „Insel der Glückseligkeit“ blickt auf eine abwechslungsreiche Karriere als Kokosplantage, Beinahe-Gefängnisinsel und Rückzugsort für Prominente wie „Tony Blair, Richard Brandson, The Stones und Ian Fleming“ zurück, verrät uns der alerte Edouard Grosmangin, General Manager des Resorts. Er leitet das neue Kleinod der Luxushotellerie, das den Platzhirschen Fregate Private Island, Four Seasons und Maia die Hörner zeigen wird. Allein North Island spielt weiterhin in einer ganz eigenen Liga…

Zwischen der Granitkuppe der Insel, die übrigens zu zwei Dritteln unter Naturschutz steht, und dem unverschämt lustblauen Wasser des Indik hängen 28 Poolvillen mit Schindeldach, Holzfassade, privatem Infinity Pool und stolzen 200 Quadratmetern am steilen Hang. Dazu kommen zwei 500 Quadratmeter große Two Bed Room Villas.

Es riecht nach Geld, viel Geld

Eine Etage weiter oben auf dieser Inselschönheit aus pechschwarzen Granitbuckeln, wilden Cashew- und Mangobäumen, die zum Klang der vielseitigen Vogelwelt im üppigen Tropengrün vor sich hinschwitzt, riecht es nach richtig viel Geld. Besuch auf der Baustelle von „Zil Pasyon Residences“: 17 futuristisch designte Villen, die an notgelandete Stealthbomber oder Flakstellungen aus einem martialischen Science Fiction erinnern.

Die Villen sind gemacht und gedacht für Multimillionäre und Milliardäre aus der Schweiz, Frankreich und den Emiraten, die sich ihr Ferienhäuschen bis zu 13 Millionen Euro kosten lassen. Einige Kunden der Kategorie superreich oder superscheich haben schon angebissen. Der Blick von dort oben? Umwerfend, ein echter Multi-Million-Dollar-View eben.

Um das 360-Grad-Panorama der Pool Villa 28 anzusehen, können Sie den  Verlauf mit dem Cursor oder durch Drehen des Handys bestimmen

Wer nur wohlhabend oder ein wenig reich ist, der gönnt sich ein, zwei Wochen im Six Senses Zil Pasyon, das den Vorteil bietet, deutlich näher am Wasser gebaut zu sein. Der Einsatz: Hideaway Pool Villa pro Nacht ab 1.050 Euro, inklusive Frühstück.  Dafür gibt es smarten Luxus statt bräsigem Pomp, viel Platz, klares Design, privaten Pool und allabendlich die Show der riesigen Seychellen-Flughunde – sowie erstklassige Küche.

Natur reloaded

Acht Jahre wurden im Rahmen einer aufwändigen „habitat restoration“ pflanzliche Fremdlinge wie die wild wuchernde Kokospflaume beseitigt und geflügelte Ureinwohner wiederangesiedelt: unter anderem der Seychellen-Dajal, der rare Seychellen-Paradiesschnäpper und der Seychellen-Rohrsänger.

Nicht originär, aber fürs Frühstücksomelette wichtig sind die Eier von der resorteigenen Geflügelfarm, das Grünzeug darauf stammt – wie bei allen Häusern der 1995 ins Leben gerufenen Barefoot-Luxury-Hotelkette Six Senses – vom eigenen Bio- und Heilkräutergarten. Der stecke noch ein wenig in den Anfängen und werde im kommenden Jahr ausgebaut, weiß Lizzie Lee, ihres Zeichens Executive Assistant Manager und Gattin des Küchenchefs.

Auch Bienenstöcke stehen auf der Insel, damit die Gäste hausgemachten Honig genießen können. Rührend kümmert sich das Hotelteam um jene Gelege der Meerschildkröten, die von der Flut bedroht sind. Die Eier werden gesichert, in Wärmeboxen ausgebrütet und hernach entlässt man die Mini-Schildkröten unter Aufsicht ins Meer.

Keine Gnade kennt das gut 150köpfige Personal mit den Stechmücken. Frühmorgens, wenn die Gäste noch träumen, rückt man den Stechgeistern mit Chemieschwaden zu Leibe. Die Kundschaft weiß es zu schätzen.

Was nicht ins öko-korrekte Bild passt: das allmorgendliche Lärmen von Stihl-Laubbläsern, mit denen die Wege vom Laub befreit werden. Es gibt da dieses seit Jahrhunderten bewährte, lärmtechnisch und abgastechnisch einwandfreie Supertool namens Kehrbesen – der kommt ohne nervtötenden Zweitakter aus. Nur als kleine Anregung von Seiten des Reporters…

Um das 360-Grad-Panorama vom Strand Grand Anse anzusehen, können Sie den  Verlauf mit dem Cursor oder durch Wischen bestimmen

Foodies Glückseligkeit

Richard Lee, der Küchenchef des Six Senses Zil Pasyon, ist Brite mit langer Six-Senses-Erfahrung. Was er allabendlich seinen Gästen im „Island Café“ und im direkt am Wasser gelegenen, offenen „Ocean Kitchen“ auftischen lässt, ist ganz und gar unbritisch, dafür pan-asiatisch und kreolisch.

Die Karte ist dominiert vom aromagewaltigen fangfrischen Fisch und Seafood aller Art. Besonders geschmeckt haben uns das Thunfisch-Sashimi, der fruchtig-würzige Salat aus Mangos und Palmherzen sowie wunderbare Currys wie Kari Zourit mit Oktopus, Kokosmilch und Zimt. Das traditionelle ladop banann, gekochte Bananen mit Kokosmilch und Vanille, zum Dessert ist ein authentischer Gaumenschmeichler.

Abhängen am Strand Grand Anse. Wer hier beachcombern will, muss auf die Schildkrötengelege achten!

Abhängen am Strand Grand Anse. Wer hier beachcombern will, muss auf die Schildkrötengelege achten!

Man schlemmt sich durch alles, was der Ozean und die Gärten auf Félicité und den Nachbarinseln hergeben. Aromatisch, leicht, frisch – also kein Problem für die schlanke Linie. Überall auf der Insel, selbst am Strand Anse Peniche, wachsen Cashew-Bäume und Mango-Bäume, deren Früchte in der Küche landen.

Aber auch der Jackfish, den wir am offenen Grill auf der Schildkröten-Insel Curieuse oder an Bord des Katamarans „Gauguin“ serviert bekommen haben, war wunderbar. Danke, lieber Gott, dass ich kein Veganer bin.

Wellness mit Raffinesse

Wer kommendes Jahr ein paar Nächte im „Six Senses Zil Pasyon“ verbringt, darf sich auf den neuen Spa-Bereich freuen, der spektakulär zwischen, auf und unter die Granitmurmeln an der Nordküste gebaut wird. Er soll im Frühling 2017 eröffnet werden, so PR-Chefin Jennifer Delord. Das neue umfasst unter anderem fünf Treatment Villas und eine Yogaplattform mit feinstem Meerblick in sensationeller Lage. Wow!

Das SPA-Team, das bis dahin die Gäste in einer umgewidmeten Two-Bedroom-Villa verwöhnt, arbeitet auf höchstem Niveau. Noch nie hat ein Therapeut so gekonnt meine Triggerpoints mit federleichtem Fingerdruck erfühlt wie Heidi und diese dann zum Explodieren gebracht, um mich 20 Minuten später per Kopfmassage in eine schnarchendes, glückliches Etwas zu verwandeln.

Alte Heilmethoden und moderne Technik kombiniert das neue Angebot „Integrated Wellness“. Dabei wird der Gast mit Kopfsensoren und auf Galvanplatten gescreent. Über die Hand- und Fußflächen könne man, so heißt es bei der Präsentation,  Dutzende von Körperwerten wie Puls, Blutdruck, Cholesterinspiegel, Schlaffähigkeit, Stresshormone, Sauerstoffsättigung und Körperfettanteil vermessen.

Electro Interstitial Scan-Galvanic Skin nennt sich diese Methode, die eine unerschrockene Kollegin als Probantin über sich ergehen ließ. Sie bestätigte die Resultate dieser schellen Analyse seien deckungsgleich mit dem, was ihr Hausarzt beim letzten Checkup in vielen Einzelmessverfahren eruiert und diagnostiziert habe.

Bleich statt bunt

So gut wie erledigt ist die Korallenwelt, nicht nur rund um Félicité. Der Ozean heizt sich seit dem Frühjahr 2016 extrem auf, was El Nino und sicher auch der generellen Klimaerwärmung anzukreiden ist. Hohe Wassertemperaturen, eine dadurch bedingte höhere Sättigung mit Kohlendioxid und ein in den letzten Jahren immer stärkerer Tidenhub haben den bunten Zaubergarten zu einem braun-grauen Trauerbiotop erster Güte werden lassen. Tonnenweise liegt auf dem Meeresgrund Korallenschrott. Noch flosselt da eine große Zahl bunter, kurios geformter und wulstlippiger Fische durchs Wasser, aber beim Schnorcheln kommen einem fast die Tränen.

Um das 360-Grad-Panorama von Bord des Katamarans „Gauguin“ anzusehen, Verlauf mit dem Cursor oder durch Wischen bestimmen

Nur noch bleiche Steinkorallen-Karkassen bleiben weltweit übrig, wo steigende Wassertemperaturen die sensible Koexistenz von Nesseltieren und Zooxanaathellen, einer Art Algen, abrupt beenden. Wird es der Koralle zu heiß, jagt sie die Zooxanthellen zum Teufel. Oft dauert es keine Woche, bis ein bunter Korallenstock todblass geworden ist, erzählt ein deutsches Urlauberpaar, das im Verlauf einer Woche an einem Tauchspot  vor der Insel so ein Trauerspiel beobachten musste.

Korallenriffe gibt es seit über 220 Millionen Jahren, sie zählen zu den ältesten und artenreichsten Ökosystemen der Welt. Schon mal waren die Riffe der Seychellen totgesagt, vor fast 20 Jahren bot sich ein ähnliches Bild wie heute. 1998 bezeichneten Meeresforscher 90 Prozent der Korallenriffe des Inselstaats als verloren. In den folgenden zwei Jahrzehnten hatte sich mehr als die Hälfte der Riffe wieder erholt. Ein kleines Wunder, dass sich die Unterwasserwelt von der tristen Seegraswiese zu alter Farben- und Formenpracht aufrappelte. Nur um 2016 wieder zu verenden?


Infos

Anreise

Mit Zwischenstopp am Golf geht es seit Ende 2016 mit Emirates, Etihad sowie der Premium-Airline Qatar Airways wieder nach Victoria/Mahé. Dauer: 13–14 Stunden, Tickets ab 600 Euro. Aktuelle Preise sowie Angebote für ein bis zu 96stündiges Stopover in Doha gibt es hier. Direkt und damit deutlich schneller geht es mit Condor in knapp 9 Stunden 40 Minuten (Ticket ab 680 Euro) von Frankfurt nach Victoria/Mahé

Six Senses Zil Pasyon

Kann man direkt buchen, über booking.com, Luxusanbieter wie EWTC oder Berner Travel und über Spezialveranstalter wie Trauminselreisen.de.  Eine große Auswahl sehr individueller und oft auch sehr günstiger Guesthouses, B&Bs und kleiner Hotels gibt es auf der offiziellen Website der Seychellen

Segeltörn mit  Sea Pearl oder Sea Shell

Die 36 Meter langen Zweimaster „Sea Pearl“ und „Sea Shell“ mit acht Kabinen sind die wohl stilvollste Art, die Seychellen zu erkunden – individuell gebucht ab 235 Euro pro Kopf und Nacht inklusive Vollpension  oder als Paket etwa bei Meier’s Weltreisen ab 1.500 Euro ab/bis Mahé

Cabin Cruise mit „Gauguin“

Der größte Katamaran der Seychellen kann für eine 8-tägige Segelkreuzfahrt gebucht werden, Preis pro Person in der Doppelkabine ab 1.260 Euro inklusive Vollpension und Getränkepaket zzgl. Gebühren in Höhe von 160 Euro, bezahlbar an Bord. Reise ab/bis Mahé

"Gauguin", der größte Katamaran der Seychellen

„Gauguin“, der größte Katamaran der Seychellen

Infos

Gibt es auf der Website des Seychelles Tourist Board

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten in während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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