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Sommer in der Schweiz | Graubünden: Der Geschichtenerzähler der Via Spluga

Schweiz, Graubünden: Wanderpaar unterwegs auf den alten Roemerpfaden der viaSpluga
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Erwin Dirnberger ist eine lokale Bekanntheit. Wie kein anderer kennt er die Via Spluga und deren über 2000-jährige Transitgeschichte. Schon die Römer nutzten die Via Spluga zur Alpenquerung. Sie hat das Leben in den verwunschenen Tälern nachhaltig geprägt und ist bis heute eine wichtige Lebensader der regionalen Wirtschaft.

Via Spluga

Der Klassiker unter den Weitwanderungen beginnt in Thusis. Von dort führt der Weg über Zillis, Andeer, Splügen und den Splügenpass (2113 Meter) nach Chiavenna in Italien. Meist wird die Via Spluga in vier Tagesetappen erwandert.

«Auf der Via Spluga kann man die über 2000-jährige Transitgeschichte selbst erleben.»
Erwin Dirnberger

Schweiz, Graubünden: Geschichtenerzähler Erwin Dirnberger

Der Geschichtenerzähler Erwin Dirnberger

Erwin entwickelte aus seiner Faszination für die Via Spluga über die Jahre ein Freilichtspektakel: In szenischen Vorführungen entlang der Transitroute lässt er die Geschichte von Säumern, Handelsleuten, Soldaten und Krämern wieder aufleben. Die Requisiten dafür stammen aus seinem eigenen Museum, der Casa Storica in Andeer, wo er die Geschichte der Via Spluga Stück für Stück zusammengetragen hat.

Schweiz, Graubünden: Unterwegs von Spluegen aus auf den alten Römerpfaden der Via Spluga

Unterwegs von Spluegen aus auf den alten Römerpfaden der Via Spluga

Eine Schlucht im stetigen Wandel

Die Viamala ist das archaische Herz der ersten Etappe. Nach Abschmelzen der Gletscher spülte hier der Hinterrhein über mehr als 10.000 Jahre eine einzigartige bizarre Felslandschaft aus dem Schiefergestein. Der „schlechte Weg“ (Viamala) war einst das Haupthindernis für die Säumer und Reisenden im Verlauf der Unteren Straße von Chur zu den Alpenpässen Splügen und San Bernardino. Philosophen und Schriftsteller, wie Nietzsche und Fontane, besichtigten die Schlucht Ende des 19. Jahrhunderts und ließen sich vom Naturspektakel begeistern. Bis heute ranken sich Legenden um den unberechenbaren, reißenden Fluss zwischen den bis zu 300 Meter hohen Felswänden.

Schon Nietzsche staunte nicht schlecht …
„Ich schreibe nichts von der ungeheuren Großartigkeit der Viamala: Mir ist es, als ob ich die Schweiz noch gar nicht gekannt hätte.
Friedrich Nietzsche, Philosoph

Schweiz, Graubünden: Auf dem alten Roemerpfad Via Spluga. Hier in der Viamala

Auf dem alten Roemerpfad Via Spluga. Hier in der Viamala

Die Viamala – Ein Schrecken für Generationen von Säumern und Reisenden

1823 wurde die neue Kommerzialstraße in den Fels gesprengt. Damit wurden der Splügen- und der San-Bernardino-Pass mit Kutschen befahrbar. Infolge des aufkommenden Tourismus wurde die Schlucht 1903 über ein Besucherzentrum und Treppenstufen erschlossen. Wenige Jahre später folgte ein abenteuerlicher, in die Felswand gesprengter Tunnel, der bis heute begehbar ist und zur Besucherplattform führt.

«30.000 Jahre dauerte es, bis der Gletscher geschmolzen war und die Viamala ihre heutige Form hatte.»

Splügen – Ausdruck einer lebendigen Vergangenheit

Das Dorf Splügen ist ein bedeutender Kreuzungspunkt antiker Transitrouten. Hier kommen geschichts- und kulturinteressierte Wanderer voll auf ihre Kosten. Für seinen gut erhaltenen Dorfkern und die sanfte Renovierung der Bauten aus dem frühen 18. Jahrhundert wurde Splügen vom Schweizer Heimatschutz sogar mit dem Wakkerpreis ausgezeichnet.

Schweiz, Graubünden: Ausstieg aus der Cardinello-Schlucht

Ausstieg aus der Cardinello-Schlucht

Die „drei G“ von Splügen: Geschichte, Genuss und Gastfreundschaft

In Splügen verbringen die meisten Wanderer ihre dritte Nacht. Eine Reihe von ursprünglichen Gaststätten lädt dazu ein, sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Das markante Hotel Bodenhaus aus dem Jahre 1722 kümmert sich bis heute um Reisende entlang der Via Spluga.

Der «Höhepunkt» der Via Spluga ist der 2113 Meter hohe Splügenpass, der die Alpennord- mit der Alpensüdseite verbindet. Auf spektakulären Serpentinen führt der Wanderweg hinauf zur Landesgrenze. Kurz vor dem Pass lässt ein Steinpfad aus Römerzeiten die jahrtausendealte Geschichte des grenzüberschreitenden Weges nochmals aufleben.

Erwin hat den Krämerkasten aus seiner Casa Storica mitgebracht. Mit einem solchen „Holzrucksack“ sind die Krämer früher von Tal zu Tal marschiert, um Knöpfe, Faden, Seifen und andere Waren des täglichen Gebrauchs an die Bauern und Dorfbewohner in den Tälern zu verkaufen.

«Für mich ist es eine Freude, anderen die reiche Geschichte der Via Spluga näherzubringen.» Erwin Dirnberger

Schweiz, Graubünden: Blick in's Val San Giacomo

Blick in’s Val San Giacomo

In die Lombardei eintauchen

Wer den Pass einmal hinter sich gelassen hat, auf den warten gleich mehrere Belohnungen: ein eindrücklicher Blick ins lombardische Val San Giacomo, eine erste Prise „Italianità“ im Dorf Montespluga und ein historischer Weg, der fortan praktisch nur noch abwärts verläuft.

Die Jahrhunderte erwandern

Die steile Cardinello-Schlucht gehört bis heute zu den abenteuerlichsten Abschnitten der Via Spluga. 1643 legten Säumer erstmals einen nicht befahrbaren Weg in die Schlucht. Nach 1716 wurde er mit Stützmauern, Treppen und Galerien ausgebaut und in den 1980er-Jahren für die Sicherheit der Wanderer aufwendig restauriert. Hier lassen sich ein weiteres Mal die Jahrhunderte erwandern.

Die Cardinello-Schlucht im Rücken, kann man den starken Espresso, den kräftigen Grappa und die typischen Pizzoccheri in Isola und in Chiavenna, dem Zielort der Via Spluga, bereits förmlich riechen.

Via Spluga Von Thusis nach Chiavenna (I)
Länge | Anzahl Etappen 68 km | 4 Etappen
Aufstiege | Abstiege 3300 m | 3600 m
Technik | Kondition mittel (Bergwanderweg) | schwer


Info

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