Länderberichte

St. Anton am Arlberg | Schifoan!

St. Anton: Skigebiet Arlberg: Austoben auf 305 Kilometern markierter Abfahrten
Markus Stein
Geschrieben von Markus Stein

Bescherung vorm Fest: Rechtzeitig zum Saisonstart vor Weihnachten wurden St. Anton und seine Hänge mit reichlich Schnee bedacht. Die Ski Bums sind aus dem Häuschen und Genussfahrer kurven entspannt zu Tal. Die 10er-Gondeln der neuen Schindlergratbahn machen die Ski-Sause noch einen Tick komfortabler

Lautlos wirbelt das heiß ersehnte kalte Weiß durch die Nacht. Kurz leuchten die Flocken auf in den erhellten Gassen von St. Anton, bevor sie zu Boden fallen. Wie bestellt. Haben wir heute unsere Schwünge und Kurven noch in meist maschinell beschneite Pisten gesetzt, freuen wir uns jetzt auf pulvrigen Tiefschnee. Über 50 Zentimeter sollen es werden – Winterwunderland, wir kommen!

St. Anton: St. Anton liegt auf circa 1.300 Meter Höhe

St. Anton ist modern, besitzt aber auch Tiroler Flair

Hotel Post: Katzensprung zu den Bahnen

Das Flockenspiel betrachten wir durch die großen Speisesaal-Fenster im traditionsreichen „Hotel Post“. Das Haus liegt sehr zentral, nur wenige Minuten sind’s zu Fuß zum Bahnhof und zur Rendlbahn, noch schneller erreicht man die Talstationen von Galzig- und Gampenbahn.

Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts beherbergt das „Hotel Post“ Gäste. 1884 waren Arlbergbahn und Arlbergtunnel eröffnet worden, um Tirol besser mit Vorarlberg zu verbinden. Mit ihnen hatten Fortschritt und Tourismus Einzug gehalten in St. Anton, 1.284 Meter hoch am Fuß des Arlbergpasses. Und viele Touristen kamen vor allem zum Wintersport. Denn das Arlberggebiet ist bekannt für Schneesicherheit – pro Jahr fallen hier bis zu elf Meter Schnee!

St. Anton: Skifahrer mit Blick über das Stanzertal

Skifahrer mit Blick über das Stanzertal

Museum St. Anton: Von Ski-Pionieren und Ski-Helden

Bereits 1901 wurde der Ski-Club Arlberg gegründet, und bald darauf wurden erste Skirennen durchgeführt. 1907 kam dann der Brettlpionier Hannes Schneider als Skilehrer ins „Hotel Post“. Mit seiner „Arlbergtechnik“ (engspuriges Fahren, Schwünge in Vorlage, Stemmbogentechnik) half er dem alpinen Skilauf ordentlich auf die Sprünge. Er glänzte mit seinen Fahrkünsten auch in dem legendären Skifilm „Der weiße Rausch“ von Arnold Fanck. Den Film und viele Objekte aus und zur Geschichte des Ortes und des alpinen Skilaufs kann man in dem liebevoll gestalteten Museum sehen.

Frischer Pulverschnee, knietief!

Der Tag beginnt frostig und stürmisch. Doch der kniehohe Pulverschnee lässt uns schnell vor Freude grinsen. Bald sind die Hänge und Pisten ringsum mit Skispuren übersät und zerwühlt. Das Arlberggebiet besteht aus 305 Kilometer markierten Abfahrten und gilt als das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs. Die Ski Bums und Experten aus aller Welt kommen vor allem, um sich in dem 200 Kilometer großen Freeride-Gelände auszutoben. Einzigartig: Die Gelände-Abfahrten sind meist bestens mit den Liften und Bahnen erschlossen und vergleichsweise einfach zu erreichen. Wem das zu einfach ist: Ab der Riffelbahn-II-Bergstation führt auch ein Winterklettersteig zu diversen Gelände-Abfahrten.

St. Anton: 200 Kilometer Varianten für Freerider im Gelände

200 Kilometer Varianten für Freerider im Gelände

Neu in St. Anton: 10er-Gondelbahn am Schindlergrat

Wir halten uns auf oder nahe der Piste und steuern über den Galzig und Tanzböden die neue Attraktion im Skigebiet an: die Schindlergratbahn. Dort, wo seit 1981 ein Dreiersessellift auf die 2.660 Meter hohe Schindlerspitze zockelte – ohne Haube bei Kälte und Sturm ein echter Härtetest –, schweben jetzt moderne, komfortable 10er-Gondeln gen Himmel. Für frierende Skiläufer eine willkommene Gelegenheit zum Aufwärmen!

Weiterer Pluspunkt: Bei gleicher Trassenführung haben die Skisportler die Möglichkeit zum Zwischenausstieg auf Höhe der bisherigen Bergstation. Und wer sitzen bleibt, gelangt 420 Meter weiter nordöstlich zur Endstation, wo die Abfahrten Schindlerkar, Mattun oder Valfagehr warten. Die neue Bahn mit 68 Kabinen befördert 2.800 Personen in der Stunde!

St. Anton: Die neue Schindlergratbahn hält an zwei Stationen und eröffnet zahlreiche Abfahrtsmöglichkeiten

Die neue Schindlergratbahn hält an zwei Stationen und eröffnet zahlreiche Abfahrtsmöglichkeiten

Winterspaß – auch ohne Ski und Board

Wer seinen Brettln aber einmal einen Ruhetag gönnen möchte, muss sich in St. Anton noch lange nicht langweilen … Auf 17 ausgeschriebenen Winterwanderwegen und insgesamt 80 Kilometer Strecke kann man den Schnee unter seinen Füßen zum Knirschen bringen. Neu diesen Winter: Die „Wagner Hütte“ im Verwalltal, von St. Anton aus mit kurzer Busfahrt und einer Stunde Gehzeit leicht zu erreichen. Auch beim Rodeln, Skilanglauf oder im Pferdeschlitten lässt sich der Winter draußen erleben. Oder lieber drinnen? Klettern und bouldern kann man im Sportzentrum Arl.rock und seit diesem Sommer auch nach Lust und Laune in der neuen Trampolinhalle hüpfen.

St. Anton: Winterwandern auf insgesamt 80 Kilometer Strecke

Winterwandern auf insgesamt 80 Kilometer Strecke

Doch wenn ich meine Skier richtig verstehe, wollen sie noch ein bisschen weiterfahren …


Info St. Anton am Arlberg

Anfahrt Komfortabel fährt man mit der Bahn. Der Bahnhof in St. Anton liegt zentrumsnah. Es halten viele internationale Züge, acht tägliche Direktverbindungen zwischen Wien und Zürich. Ab München beispielsweise in gut drei Stunden ab 24,90 Euro (Sparangebot). bahn.de | oebb.at

Hotel Post Traditionsreiches Haus mit guter Küche und hervorragendem Weinkeller. Große, geräumige Zimmer. Kurzer Fußweg zum Bahnhof und zu den Bergbahnen! DZ/F ab 170 Euro. hotel-post.co.at

Museum St. Anton am Arlberg Das Museum ist in der „Villa Trier“ untergebracht, die um 1910 errichtet wurde. Mit dem dazugehörigen Park bietet das Museum einen malerischen Rahmen, um die Geschichte des Orts zu vermitteln. Im Erdgeschoss lädt ein Restaurant zur Einkehr, im ersten Stock bieten die Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen Einblicke in die Geschichte von St. Anton. Im Winter täglich 12 bis 18 Uhr, Eintritt 5 Euro. museum-restaurant.at

Arl.rock Bahnhofstraße 1, Tageskarte Klettern 9 Euro, Trampolinhalle Ersteintritt 40 Euro

Ski Arlberg Tickets: Schnupper (ab 15 Uhr) 25 Euro, halber Tag (ab 12 Uhr) 43 Euro, Tageskarte 56,50 Euro, 5-Tages-Skipass 259 Euro arlbergbahnen.com

Tourismusverband St. Anton am Arlberg stantonamarlberg.com

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Bildquellen

  • © TVB St. Anton am Arlberg (3): TVB St. Anton
  • Skifahrer mit Blick über das Stanzertal©TVB St. Anton am Arlberg_Foto Sepp Mallaun: Sepp Mallaun
  • HannesSchneider4: TVB St. Anton
  • tvb_stantonamarlberg_winter_2018_museum_GENEWEIN_DIEWEST_3448: TVB St. Anton
  • © TVB St. Anton am Arlberg _Foto Mallaun Josef (3): TVB St. Anton
  • (c)ABBAG_Patrick Bätz (5): TVB St. Anton
  • _DSC0505: TVB St. Anton
  • Unverspurte Pisten©TVB St. Anton am Arlberg_Foto Patrick Säly (36): TVB St. Anton

Über diesen Autor

Markus Stein

Markus Stein

Wenn Markus mal nicht vor dem Computer sitzt – das ist leider immer öfter immer weniger der Fall ... –, macht er mit Vorliebe die Bergwelt vor der oberbayerischen Redaktions-Haustür unsicher. Sei es mit dem Mountainbike oder Wanderschuh in der schneefreien Zeit, mit Touren- oder Alpinski im Winter. Bleibt dann noch Puste übrig, stürzt er sich auch gern mal in Münchens Kulturleben, mit Vorliebe in die Jodel-Hochburg Bayerische Staatoper. Die absoluten Reise-Highlights im Dienste der Redaktion: eine Rundreise durch Neuseeland („Der Hammer“) und Tiefschnee-Tauchgänge in Kanada („Auch nicht schlecht“).