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Teneriffa aktiv | Wandern, Biken, Surfen, Paddeln

Teneriffa aktiv: Wandern im nebelverhangenen Anaga-Gebirge
Jochen Müssig
Geschrieben von Jochen Müssig

Die größte Insel der Kanaren lockt fast 6 Millionen Besucher. Die meisten kommen wegen der Strände. Doch Teneriffa ist auch optimal für Aktivurlauber und Wanderer. Unser Reisebericht verrät, wo und wie man auf Teneriffa aktiv werden kann, von supersoft bis knallhart  

„Vogel fliegt. Fisch schwimmt. Mensch läuft“, hat Lauflegende Emil Zatopek einmal gesagt. Auf Teneriffa kann der Mensch aber fliegen, schwimmen, laufen und noch viel mehr …

… die Atmung geht schneller. Auch 163 Höhenmeter wollen erst mal bewältigt werden, schließlich ist die Luft über 3.000 Meter Höhe spürbar dünner. Das Herz schlägt auch deshalb schneller, weil ich bald ganz oben bin! Auf dem 3.718 Meter hohen Pico del Teide, der höchsten Erhebung Spaniens. Der dritthöchste Inselvulkan der Erde ist stolze 755 Meter höher als die Zugspitze!

Blick auf den 3.718 Meter hohen Teide.

Blick auf den 3.718 Meter hohen Teide. Tipp: Aufstieg zum Gipfel auf einer sechsstündigen Wanderung auf einem Wanderweg, der an der Straße am Montaña Blanca beginnt

Teide: Fast-Viertausender für alle

Einen Fast-Viertausender besteigen, ohne Bergsteiger zu sein – wo gibt es das schon auf der Welt? Am Teide ist es möglich, weil die Seilbahn die Kärrnerarbeit macht: In nicht mal zehn Minuten ist auch der mit Bergschuhen und Stöcken bewaffnete Franz aus dem bayerischen Oberau auf 3.555 Metern angelangt.

„Den Teide wollte ich schon immer mal machen“, schmunzelt er und geht gleich los in Richtung Wanderweg Nr. 10, zum Gipfelpfad. Er weiß: Die 700 Meter Strecke und 163 Höhenmeter sind die „Teide light“-Version. „Aber wo sonst kann ich als Wanderer ohne Bergsteiger- und Klettererfahrung schon bis auf 3.718 Meter kommen?“

Auch anspruchsvolle Wanderer kommen am Teide auf ihre Kosten. Zwölf markierte Wege von drei bis 15 Kilometer Länge stehen im Nationalpark zur Wahl. Sie dürfen aus Gründen des Naturschutz aber nicht verlassen werden.

Gipfelglück im Teide National Park

Teneriffa-Gipfelglück im Teide National Park

Teneriffa aktiv, mit einzigartiger Aussicht

Der Blick vom Gipfel ist umwerfend. Die Mondlandschaft der Caldera von Las Cañadas, der endlose Atlantik und die Nachbarinseln. Ein unvergleichliches Erlebnis, das so nicht einmal Gleitschirmflieger erleben, liegt der höchste Startplatz der Insel doch auf nur 2.300 Meter Höhe. Doch immerhin beginnt jeder Flug mit einem herrlichen Blick auf den Teide, ehe das unbeschreiblich-unbeschwerte Gefühl des Fliegens und der Freiheit folgt …

Teneriffa aktiv auch mit Kind! Leichte MTB-Touren über den Wolken sind ein tolles Erlebnis

Teneriffa aktiv auch mit Kind! Leichte MTB-Touren über den Wolken sind ein tolles Erlebnis

 

Abendstimmung an der Playa de Benijo, dem entlegendsten Strand des Ortes Taganana. Er ist nur zu Fuß erreichbar

Abendstimmung an der Playa de Benijo, dem entlegensten Strand des Ortes Taganana. Er ist nur zu Fuß erreichbar

MTB-Hotspots: Anaga und Teno

Für Wanderungen bieten sich unter den inselweit 1.500 Kilometern ausgeschriebener Wege vor allem das Anaga- und das Teno-Gebirge an. Dort warten auch tolle MTB-Touren. Besonders ursprünglich sind die bis zu 1.000 Meter hohen Anaga-Berge im Osten. Die Downhill-Fahrt von knapp 1.000 Meter über zahllose Serpentinen hinunter an den schönsten Strand der Insel, Las Teresitas, gehören neben den inselweit 200 Kilometern MTB-Trails zum Besten, was man als Biker auf Teneriffa erleben kann.

Für MTB-Fahrer gelten strenge Vorschriften, „einfach ab durchs Gelände“ ist verboten. Es gibt fünf offizielle Trails, die für Reiter wie für MTB-Sportler freigegeben sind (siehe Karte). Unser Tipp: die 85 Kilometer lange BC-1 durch den Norden, die durch Varianten und Abzweigungen um über 50 Kilometer verlängert werden kann

Biken so hoch über den Wolken und dem Meer – das gibt es nur auf Teneriffa

Biken so hoch über den Wolken und dem Meer – das gibt es nur auf Teneriffa

Für Extremsportler gibt es den Tenerife Bluetrail. Der Berglauf steht unter dem Motto „Del Mar a Cielo“, vom Meer in den Himmel: Am 5. Juni geht es von Los Cristianos am Atlantik hoch auf den Teide und wieder runter ans Meer nach Puerto de la Cruz. 97 Kilometer sind zu bewältigen – und 3.555 Höhenmeter bergauf.

Surfers Freud, Beach Bums Leid

An der Südküste liegt El Médano, ein Hotspot der Surfer, Wellenreiter und Kitesurfer. Wer hat nicht schon häufiger sehnsüchtig aufs Meer geschaut, wenn die Kiter wie Schmetterlinge übers Wasser flatterten? Jedes Mal sagt man sich: Kitesurfen zu lernen, das wäre schon was. Ist aber sicher zu aufwendig, das lohnt sich nicht bei ein, zwei Wochen Ferien …

„Kiten lernen können alle in kurzer Zeit“, widerspricht Kitelehrer Steffen. „Es sei denn, einer hat zwei linke Hände …“. Sein ältester Kunde war 73, der jüngste neun Jahre alt. Und in kürzester Zeit heißt: Nach drei Tagen sollten die ersten Meter möglich sein. Fliegen tut man aber manchmal auch schon früher. „Wenn manche Schüler den Schirm versehentlich auf neun Uhr bringen. Das ist so viel wie Vollgas beim Kiten. Und dann macht er halt – ohne Brett – einen satten Zehn-Meter-Satz“, erklärt Steffen schmunzelnd.

Wichtig ist die Wahl des Reviers: Es muss verlässlichen Wind haben und da ist El Médano geradezu perfekt für Anfänger und Könner, für Kiter und Surfer. Regelmäßig finden auf Teneriffa hochkarätige Wettkämpfe wie Windsurf- und Kitesurf-Weltmeisterschaften statt.

Nur zum Baden und Sonnenbaden sollte man besser einen der anderen Strände Teneriffas aussuchen: 70 Kilometer Strand stehen dafür inselweit zur Verfügung. Der Wind bei El Médano bläst den Sand unaufhörlich auf jedes Strandtuch, jede Sonnenliege und leider auch in die Augen und den Mund. Ein knirschfreier, ruhiger Badetag geht anderswo besser.

Seakayaking vor Los Gigantes

Teneriffa aktiv geht auch auf dem Meer. Knapp 50 Kilometer nordwestlich – vorbei an sechs der neun exzellenten Golfplätze der Insel –  steht keine einzige Liege. Dort ragen bei Los Gigantes die Felswände praktisch senkrecht aus dem Meer. Die Klippen erstrecken sich über knapp zehn Kilometer und sind bis zu 450 Meter hoch. Wer dort mit dem Kajak paddelt, hat den besten Blick und dazu die Chance, den einen oder anderen Tümmler zu sehen.

„Herrliche Tiere“, sagt Kajak-Guide Alejandro. „Hier ist ihr Kindergarten. Die Kälber bleiben bis zum Alter von vier Jahren bei der Mutter. Scheinbar ist es unter Mamas Flosse halt am schönsten …“ Alejandro erzählt die Geschichte von Moby Dick und Kapitän Ahab. „Den hat Gregory Peck gespielt. Und alle dachten, Moby Dick sei irgendwo im Südpazifik gedreht worden. Stimmt nicht. Das war hier vor Los Gigantes im Jahr 1956.“

Teneriffa: Playa de Benijo und der Blick auf die markanten Roques de Anaga

Belohnung für viel Sport: Playa de Benijo und der Blick auf die markanten Roques de Anaga

Kanaren-Ringkampf Lucha Canaria

Weit älter, bis in die Zeiten der Urkanarier, der Guanchen, geht die Lucha Canaria, der kanarische Ringkampf, zurück, der nicht nur auf Teneriffa aktiv betrieben wird. In vorspanischer Zeit wurde die Lucha Canaria sogar zur Lösung von Alltagskonflikten eingesetzt. Heute ist der Traditionssport auf Teneriffa ­auch ein wichtiges Kulturerbe. Spitzenkämpfe werden im Fernsehen übertragen und die Tageszeitungen berichten über die Kämpfe wie über Fußball.

Verloren hat, wer im Terrero, einem mit Sand bedeckten Ring von zehn Meter Durchmesser, mit einem anderen Körperteil als den Füßen den Boden berührt. Da ist Technik gefragt. Und die beherrschen immerhin noch etwa 5.000 Kämpfer in 10 Vereinen auf allen Kanarischen Inseln. Vogel fliegt. Fisch schwimmt. Mensch läuft – und manchmal ringt er eben auch …

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INFO TENERIFFA AKTIV

Teide-Besteigung

Die Talstation auf 2.350 Metern ist mit dem Auto erreichbar. Gondeln verkehren täglich von 9 bis 16 Uhr, Juli–September bis 18 Uhr. Wichtig: Rechtzeitig Genehmigung für die Gipfeltour einholen, pro Tag gibt es nur 200 Permits. Der Sendero 7 Montaña Blanca – Pico del Teide führt 8,3 Kilometer bis zum Mirador de La Fortaleza und beeinhaltet über 1.150 Höhenmeter Aufstieg.
volcanoteide.com | reservasparquesnacionales.es

Weitere Tipps für schöne Wanderungen findest du hier

Tenerife Bluetrail

Extremläufer finden hier alle Infos: tenerifebluetrail.com

Teneriffa aktiv: Mountainbiken

Anregungen für Touren in allen Schwierigkeitsgraden gibt es hier

Teneriffa aktiv: Surfen, Kiten, Wellenreiten

Wissenswertes zum Thema Windsurfen gibt es hier

Web

Praktische Tipps, Touren, Unterkünfte und vieles mehr auf der offiziellen Website von Teneriffa webtenerife.de

 

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Über diesen Autor

Jochen Müssig

Jochen Müssig

In Würzburg 1960 zur Welt gekommen, in Nürnberg Abitur gemacht und dort unzählige Dra im Weggla gegessen, in München die Uni abgeschlossen. Während der Uni Redakteur bei der legendären Münchner Stadtzeitung. Chef für jede dritte Ausgabe. Im Turnus, das gehörte sich so damals … Reiste dann monatelang durch die Weltgeschichte, machte sein Bewerbungsgespräch beim Reisemagazin GLOBO über Radio-Wellen von einer kleinen philippinischen Insel, auf der es kein Telefon gab, und bekam den Job. Dann Chefredakteur, (Klein-)Verleger (u. a. Relais & Châteaux Magazin), Erster Journalist für einen Großverlag in Prag (verantwortlich für 30 Magazine) und – Stopp! Reist jetzt wieder sehr viel, schreibt (für FAZ, SZ, Welt, NZZ, rund 30 Bücher plus weitere als Co-Autor), lebt im Winter-Halbjahr in München, im Sommer am Gardasee und wartet sehnsüchtig auf sein 100. Land: Bis jetzt hat er 95 Länder bereist.