Tests

Hotel-Check | Aman Tokyo

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

200 Meter über dem nicht enden wollenden Hochhausmeer Tokios lockt das erste sogenannte City Retreat der edlen Hotelmarke „Aman“. Wir testeten das extravagante Luxusresort Aman Tokyo für zwei Nächte.

Aman pickt sich im besten Sinn des Wortes weltweit die Architektur-Rosinen aus dem Immobilienkuchen – und verlässt mit Tokio seine bis dato bevorzugten Biotope.

Bekannt ist Aman für kleine, zurückhaltend und kontextuell designte Luxusresorts. Mal in früheren Palästen wie in Peking und Venedig, mal als Tented Camp oder in einem Insel­dorf wie in Montenegro.

In Japans Hauptstadt hat man sich Ende 2014 für das Aman Tokyo die obersten sechs Stockwerke des Otemachi Tower über dem gleichnamigen Knotenpunkt von fünf U-Bahn-Linien gesichert.

Weniger ist mehr. Und bitte: Schuhe aus!

Bestlage und umwerfendes „Minimalism“-Design bis ins kleinste Detail erwarten den Gast im Aman Tokyo. Fein gemasertes Holz von Baum-Aralien wurde für die Wandpaneele und Möbel verwendet. Die Wände in der von einem Washi-Papier-Kubus gekrönten Lobby sind aus Basalt, die „Onsen-Wanne“ auf dem Zimmer aus hartem Granit.

Privates Onsenvergnügen mit Blick auf die Skyline

Privates Onsenvergnügen mit Blick auf die Skyline

Die hellen Böden aller Suiten sind aus massiver Kastanie – und wie in Japans Haushalten üblich, zieht man vor dem Betreten die Schuhe aus. Das Bad ist durch Washi-Schiebetüren vom Wohnraum abgetrennt.

Kein Chichi belästigt das Auge, einzige Zier ist eine Carre-Moji-Kalligrafie an der Wand.

Fern-Sehen ohne TV. Guten Morgen, Fuji!

„Das Daybed vor dem raumhohen Fenster ist eine Hommage an den Engawa traditioneller Häuser, eine Art Gartenveranda zwischen Wohnraum und Patio“, erklärt die Presse-Dame Satoko Iwakabe. Dem Gast des Aman Tokyo öffnet sich von dort ein Blick in den Abgrund und auf die Dächer Hunderter Wolkenkratzer.

Zug für Zug ein Genuss. Der Pool ist nicht nur lang, sondern eröffnet auch einen tollen Blick auf die Stadt

Zug für Zug ein Genuss. Der Pool ist nicht nur lang, sondern eröffnet auch einen tollen Blick auf die Stadt

Ob im langen Pool, beim Bad im Onsen oder beim Dinner –  grandios ist die Aussicht über Tokios glamouröse Skyline immer. Vom heiligen Berg Fuji (3.776 Meter hoch und formvollendet) über den nachts wild illuminierten Sky Tree (634 Meter hoch) und den altehrwürdigen Tokyo Tower (fast 333 Meter hohe Eiffelturm-Kopie) bis zu den Kaiserlichen Gärten reicht der Blick.

Die 40 „kleinsten“ Zimmer des Aman Tokyo sind alle über 70 Quadratmeter groß – und somit von einer für das eigentlich immer und überall beengte, ausgesprochen platzarme Tokio geradezu obszönen Großzügigkeit.

Ist doch gemeinhin die Kunst gefragt, auf engstem Raum formvollendete Wohnlösungen zu finden, die  Architekten wie Atelier Tekuto, Fuse Atelier Kuma oder Mizuishi und deren abgedrehte Micro Homes (auf Japanisch: Yosho-jutaku) zu kreativen Höchstleistungen treiben. Jeder Quadratmeter Platz wird maximal ausgenutzt, auch unter Eisenbahnschienen. Dort warten wunderbare Garküchen, die Sushi, Gegrilltes und anderes anbieten.

Tokyo_Yurakucho

Gado-shita, „unter den Schienen“, heißen bei den Japanern die informellen Lokale und Garküchen unter den Bahnarkaden etwa in Yurakucho

 

Yurakucho

Oben zischen Shinkansen und die Yamanote-Schnellbahn durch die Stadt, unten genießt man nach Büroschluss günstige und gute Küche – Yokochos, also Fressgassen, sind immer ein guter Tipp in Tokio


INFO

Anreise

Am schnellsten (11,5 Stunden) geht es mit einem der täglich vier Direktflüge von ANA ab München, Düsseldorf und Frankfurt nach Tokio. Ab 560 Euro. Günstige Business-Class (ab 2.200 Euro) mit Turkish Airlines, diese aber dauern wegen des Stopover in Istanbul schnell 17 bis 21 Stunden.

Japan Airlines bietet – oft im Code-share mit Finnair – sehr viele schnell Verbindungen nach Japan. Preislich attraktiv für alle, die viel im Land umherreisen werden, ist der Explorer Pass, da kostet der Inlandflug nur 80 Euro. Selbst eine Flugreise Tokio–Oskaka–Fukuoka–Naha–Ishigaki und zurück nach Tokio schlägt nur mit 400 Euro zu Buche.

In die Stadt geht es vom Flughafen Narita am schnellsten in 40 Minuten mit dem Keisei Skyliner bis zum Bahnhof Ueno oder mit dem Narita Express N’EX.

Das Aman Tokyo

Sensationelles, perfekt gemachtes Designstück in den oberen Etagen des Otemachi Tower. Japanisches Flair, sehr gute Küche, schönes Spa. Intelligenter Luxus auf höchstem Niveau. Suite ab 550 Euro. Besonders opulent ist die Lobby.

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch? 10.000-km-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up Paddling, auf dem Bike und in der Sauna.

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