Länderberichte

Ko Phangan | Full Moon – ohne Party!

Manuela Imre
Geschrieben von Manuela Imre

Auf Ko Phangan, der zweitgrößten Insel des Samui-Archipels, trifft sich bei Vollmond seit Jahren das Partyvolk an den Stränden. Ruhiger ist das Landesinnere mit Bergen und Wäldern.

Der Mond über Ko Phangan, Teil des Samui-Archipels vor Thailand, ist groß, leuchtend und erschreckend voll. Ich fürcht, dass Ko Phangan seinem Namen als „Insel, die niemals schläft“ alle Ehre macht und mich mit schrillem Techno-Sound wach halten wird.  Die nette Dame an der Rezeption aber beruhigt mich: „Wir sind im Nordosten, die lauten Partys finden im Westen und Süden der Insel statt.“

SUV statt Moped

Das Lächeln verrutscht ihr aber bei meiner zweiten Frage. „Nein, ihr könnt kein Auto mieten.“ Einen Fahrer könne sie wohl bestellen, aber ein eigener Wagen „geht nicht“, so die bestimmende Antwort, die jedoch nach 15 Minuten Bearbeitung zum „Ich schaue mal“ wird. Geht doch! Wenn auch nur mit viel Gezeter. Wenn Touristen auf dieser Insel etwas mieten, dann Mopeds, einen richtigen Autoverleih gibt es nicht. Der SUV, der nun vor uns steht, gehört wohl einem Bekannten eines Bekannten der Hotel-Dame.

Schaukel-Tour

Drei Herren vom Hotel und der Bekannte des Bekannten beschwören uns: Die Straßen seien schlecht, die Schlaglöcher tief, die Wege eng, die einheimischen Fahrer verrückt – mit dem Roller zu fahren wäre hier glatter Selbstmord. Am nächsten Morgen, es ist noch dunkel, erkennen wir, dass Schlaglöcher hier mit Kratern vergleichbar sind. Der erste Teil der Straße zum nächsten Ort Ban Thong Nai Pan ist ein wildes Gewackel und Geschunkel.

Mit etwas flauem Magen erreichen wir das Zentrum, an dem eine Partygruppe gerade mit ähnlich grünlichen Gesichtern ihre Moon-Feier der letzten Nacht beendet. Ein paar Cocktail-Buckets und grellpinke Strohhalme am Boden lassen die Zeche der letzten Stunden erahnen, sonst wirkt das Strandörtchen aufgeräumt.

Fahrkünste sind gefragt, wenn man durchs Landesinnere von Koh Phangan schaukelt

Fahrkünste sind gefragt, wenn man durchs Landesinnere von Ko Phangan schaukelt

Hauptstadt Thong Sala

Ähnlich gesittet zeigt sich Thong Sala, die Hauptstadt von Ko Phangan, im ersten Licht des Tages. Am Hafen kehren die Fischer in bunten Booten vom Fang zurück, Schuljungen in Uniform spielen vor den  Hütten Fußball. Der kleine Morgenmarkt sieht genau nach dem aus, was wir hier suchen: lokale Gerichte und nette Einheimischen. „Welcome“ tönt es auch schon hinter Grillschwaden hervor.

Der fröhlich lächelnde Familienvater mit dem für einen Thai ausgefallenen Namen Miguel streckt mit einer Zange würzig aussehende Hühnerflügel über die Kohlen. „Spezial-Thong-Sala-Gewürz! Familiengeheimnis!“ Wir packen Süßkram aus Kokosreis und Mangokugeln ein – man weiß ja nie, in welchem Krater das Auto am Ende doch stecken bleibt.

Partyinsel Ko Phangan?

Nach einem halben Tag lässigem Tuckern über die Insel haben wir immer noch keine durchgedrehten Partyleute gesehen, von Full Moon keine Spur. Die Insel ist herrlich ruhig, fast verschlafen, die Strände sind nicht überfüllt, die Menschen freundlich, das Fahren ist entspannt.

Bis es dann regnet. Oder besser: schüttet. Die Wassermassen machen das Fahren jedenfalls fast unmöglich. Wir rutschen und schlittern über die lehmig-rote Erde, die Schlaglöcher sind gefüllt mit Schlamm, was sie nicht weniger hart macht.

Dreckig, aber heil

Als wir endlich im Schein des Vollmondes das „Santhya Resort“ erreichen, stehen die vier Herren vom Vorabend Spalier, mit sichtlich angespannten Gesichtszügen. Dann Erleichterung: „Ihr könnt ja Auto fahren!“, hallt es anerkennend nach der Inspektion des dreckigen, aber heilen Wagens. Der Fotograf und Fahrer seufzt und schüttelt den Kopf.


Info

Santhiya Resort & Spa Das Schnellboot bring die anreisenden Gäste direkt an den eigenen Strand, das Resort erstreckt sich über weitläufige Hügel. Man kommt am besten mit dem Shuttle den Berg zu seinem Zimmer hinauf. Holz und etwas wuchtige viele Schnitzereien, dafür schöner Blick auf Dschungel und Meer. Die Preise des Restaurants sind leider etwas teuer. DZ ab 75 Euro.


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Über diesen Autor

Manuela Imre

Manuela Imre

Den Fuß in die Schreiberei bekam Manuela mit 15 bei der Lokalzeitung. Heute lebt sie in New York, reist aber am liebsten um die Welt. Luxus? Ist schön, muss aber nicht sein. Am spannendsten sind letztendlich immer die unerwarteten Entdeckungen in verwinkelten Seitenstraßen, die spontanen Gespräche mit Einheimischen und die atemraubenden Ausblicke auf den Spitzen kleiner Bergdörfer. Auf wuseligen Märkten, an Straßenständen und in versteckten Suppenküchen verbergen sich zudem oft die köstlichsten Gerichte – die dürfen gern scharf und würzig sein. Die besten Mitbringsel aus fernen Ländern sind sowieso lokale Rezepte wie Amok aus Kambodscha, Laksa aus Malaysia oder Tom Yum aus Thailand. Die schmecken nachgekocht zwar meist nicht ganz so perfekt wie auf Reisen, machen aber die schönsten Erinnerungen wieder lebendig. Wenn die Journalistin nicht gerade auf Booten, Fahrrädern oder in Flugzeugen unterwegs ist, lässt sie es mit Yoga etwas ruhiger und rückenschonender angehen...der nächste lange Flug kommt bestimmt.

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