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Hotel-Check | The Fontenay

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Understatement mit Kurven: Das „The Fontenay“ in Hamburg sorgt für Furore. Mit konsequent außergewöhnlicher Architektur, stilvollem Luxus ohne präpotenten Prunk, toller Lage und einem Rooftop-Pool mit Spitzenblick. Wir haben uns umgesehen

Für den Hamburger Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne wurde dieses Hotelprojekt zu einer Art Elbphilharmonie. Zum einen stellte die extravagante Architektur alle Designer, Ingenieure und Handwerker vor viel mehr und schwerere Herausforderungen als gedacht. Zum anderen kannten die Kosten nur eine Richtung: steil aufwärts.

Kühne habe, so munkelt Hamburg, summa summarum deutlich mehr als die geplanten 100 Millionen in das Projekt gesteckt, was er aber verkraften kann bei einem Vermögen von über 14 Milliarden Dollar. Es kam immer wieder zu Verzögerungen, die Eröffnung wurde sieben Mal verschoben.

Die Rezeption, die keine ist. Check-in entspannt im Sitzen

Seit März empfängt das Luxushotel Gäste und sorgt an allen gerundeten Ecken und geschwungenen Kanten für Augenfutter und Aha-Momente. Das siebenstöckige Gebäude glänzt mit einer fließenden Fassade aus weißer Keramik und großen Glasfronten. Fast 15.000 Quadratmeter warten auf die Reinigungsteams …

Das Hotel, das mit „Lakeside Luxury“ für sich wirbt, soll laut Kühne „das beste Hotel Hamburgs und mindestens eines der besten in Deutschland werden“.

„Fontenay Bar“: Mit Terrassenzugang und vis-à-vis vom Pool

Was macht „The Fontenay“ so speziell?

Architekt Jan Störmer durfte großzügig mit Platz umgehen und organische Kapriolen schlagen, statt so zu planen, dass maximaler Umsatz pro umbauten Kubikmeter Raum zu erwirtschaften ist. Man gönnt sich viel Licht, viel Luft und sehr viel „leeren“ Raum. Auch die organischen Grundrisse widersprechen jeder ökonomischen Ratio. Folgen gemusterte Teppichböden, Gardinenschienen, Fensterfronten und Installationen nicht dem kürzesten, also geraden Weg von A nach B, sondern verlaufen konvex respektive konkav, wird es aufwendig und teuer. Und schön.

Nicht nur aus der Luft betrachtet, wo das Hotel an eine Raumstation im feinen Stadtteil Rotherbaum erinnert. Auch von innen. In der Lobby prunkt ein maßgefertigtes 25 Meter langes Sofa im Halbrund auf einem runden XXL-Teppich, der allein eine Tonne auf die Waage bringt. Dafür von Blattgold und sonstigem Bling-Bling keine Spur …

De-luxe-Zimmer: Edle Holzböden, handgearbeitete Matratzen und 43 Quadratmeter Platz

So schläft und wohnt man

Die 93 trapezförmigen De-luxe-Zimmer sind mit 43 Quadratmetern sehr großzügig, sehr hell und geschmackvoll konzipiert – am „lautesten“ sind die türkisfarbenen, hell- oder dunkelblauen Bettboards. Den Möbeln merkt man an, dass abgesehen von den Eero-Saarinen-Stühlen fast nichts von der Stange kommt, vieles individuell gefertigt wurde. Nicht nur die Sofas und Betten mit extralangen Matratzen (Handarbeit made in Germany!), sondern auch die Teppichböden in den gewundenen Gänge.

Die hat das Hongkonger Unternehmen House of Tai Ping individuell an die Geometrie der Gänge angepasst produziert. Der Innendesigner Christian Meinert stand zusätzlich vor der ziemlich kniffligen Aufgabe, das Gerade-Eckige (Mobiliar und Betten) mit dem Halbrunden (Wände) zu versöhnen.

Am Boden dezente Eiche im Hexagon-Muster. Die mit Sandstein ausgekleideten Bäder haben digitale Wandpaneele anstatt klassischer Duscharmaturen. Dusch-WCs ersetzen das gängige Keramik-Doppel aus Toilette und Bidet.

Eine Hommage an das Luxus-Kreuzfahrtschiff „Europa 2“ ist die gleichnamige, 72 Quadratmeter große Suite im Look and Feel des Cruisers. Nicht die einzige Verbindung zu Hapag-Lloyd Cruises: Küchendirektor Stefan Wilke war zuvor zehn Jahre lang auf der „Europa“ und „Europa 2“ unterwegs.

Das fast 30 Meter hohe Atrium zeigt: Man gönnt sich viel Raum und Platz

Geschmackssache

Dazu können wir leider nichts aus eigener Erfahrung sagen, da der kurze Aufenthalt nur für ein Frühstück im „Parkview“ reichte. Und das kommt nicht mit meterlangen Auslagen in Buffetform daher, sondern wird – klein, aber fein – à la carte serviert, bei schönem warmen Wetter draußen auf der Parkterrasse mit Alsterblick. Im lichtdurchfluteten und durchgehend weiß gestylten „Lakeside Restaurant“ wirkt der Schweizer Cornelius Speinle.

Der hat sich mit dem eigenen Gourmetlokal „Dreizehn Sinne“ und seiner „multisensorischen Küche“ einen Michelinstern erkocht und wird sicher bemüht sein, dem neuen Wirkungsplatz zu ähnlichen Ehren zu verhelfen. Das Preisniveau ist schon angemessen, wie der Blick auf die À-la-carte-Gerichte verrät.

Vorspeisen wie „Förde Garnele mit Lardo, Auster, Kaviar“ liegen bei 28 bis 36 Euro, Rotbarbe, Seezunge oder Steinbutt bekommt man für 50 bis 55 Euro und Wild für 62 Euro. Wer mehr über die Küche lesen will, dem legen wir den Beitrag des „Zeit“-Kollegen Michael Allmaier ans Herz.

Außen- und Innenpool auf dem Dach

Was uns besonders gefällt

Der Blick über die Stadt vom Rooftop-Pool und von der „Lakeside“-Terrasse aus, die extravagante Architektur, das stille, stilvolle Innenleben sowie die großzügig bestückte Bibliothek.

Ideal für …

… Geschäftsleute, Kultur- und Städtereisende, die Ruhe, Klasse und zurückhaltenden Luxus schätzen. Und für Musikfreunde: Keine vier Kilometer sind es vom Hotel zur Elbphilharmonie.

Sauna, Pool, Spa

Das Thema Wellness ist im „The Fontenay“ wahrlich kein Kellerkind wie in vielen anderen Häusern. Im Gegenteil: Der 20 Meter lange Indoor- und Outdoor-Pool und das 1.000 Quadratmeter große Fontenay SPA wurden dort angesiedelt, wo die großen Hotelketten dieser Welt vorzugsweise sündhaft teure Penthouse-Suiten geplant hätten: ganz oben, im sechsten Stock mit prächtigem Panoramablick und vis-à-vis der „Fontenay Bar“.

Der kleine Haken?

Die Wege vom Zimmer zum Spa könnten besser ausgeschildert werden.

Die Preisfrage

Die 28 Quadratmeter großen Classic-Zimmer kosten (nicht stornierbare Rate) ab 290 Euro, kostenfrei stornierbar (Flexible Rate) und mit Frühstück für zwei Personen kosten die 43 Quadratmeter großen De-luxe-Zimmer 425 Euro, inklusive der alkoholfreien Getränke aus der Mini-Bar und Spa-Nutzung.


Info

„The Fontenay“
Fontenay 10, Hamburg
thefontenay.de


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Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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