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Tirol | Hotelcheck Sir Henry

Peter Pfänder
Geschrieben von Peter Pfänder

Mitte Dezember eröffnete hoch über dem Tiroler Wintersportort Seefeld ein extravagantes Luxus-Chalet mit nur vier Suiten, das SIR HENRY. Wir checkten vier Wochen nach Eröffnung für diesen Test eine Nacht ein. Hier unsere Eindrücke.

Der Auftakt hat es in sich, ist außergewöhnlich. Auf steilen, kurvigen Waldwegen geht es – im rundum verglasten Pistenbully oder im Geländewagen mit Schneeketten – 300 Meter Höhenmeter hoch bis auf die Kuppe des Gschwandtkopfs (1.500 m).

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Spaß schon bei der Anreise: Im Panorama-Shuttle geht es hoch auf den Gschwandtkopf

Oben angekommen verschlägt einem bei sonnigem, klaren Wetter das 360-Grad-Panorama den Atem. Der Blick reicht auf der einen Seite weit ins Inntal, auf der anderen über Wetterstein und Karwendel und was weiß ich, wie die anderen Bergzüge heißen.

Hoch über dem Klein-Klein des Alltags

Unten Alltag, oben 100 % Chill-out. Mit einem Glas Veltliner in der Sonne sitzen.  Schwitzen und Entschlacken in der Fass-Sauna. Den Lift und Pisten direkt vor der Nase, rundherum ein prächtiges Bergpanorama. Und kulinarisch formvollendete Anschläge auf die schlanke Linie – das erwartet die Gäste dieses in mehrerlei Hinsicht außergewöhnlichen Retreats.

Positiv ins Auge sticht die Großzügigkeit der Räume: Von jeder der opulent verglasten vier Suiten hat man einen hübschen Teil dieses Bergpanoramas im Blick. Die Suiten selbst sind enorm groß, zwischen 130 und 160 Quadratmeter und bieten Schrankmeter, der auch einem 15köpfigen Harem genügen würde. Jede Suite hat zwei große Badezimmer, Infrarotkabine, privaten Spa Room, zwei Illy-Espressomaschinen sowie zwei Schlafzimmer nebst komplett ausgestatteter Küche.

Bewegung, bitte!

Was erwartet „Sir Henrys“ Gäste vor der Tür? Der Gschwandtkopf ist mit 3,5 Kilometern blauen sowie 1,5 Kilometern roten Pisten sehr klein und ideal für Familien und sporadische Genussfahrer. Nach der Piste oder Schneeschuhtour schwitzt man im Dampfbad oder „planscht“ im für ernst zu nehmende Schwimmzüge deutlich zu kurzen, aber einen grandiosen Blick eröffnenden Horizon-Pool.

Sir Henrys Horizon Pool: Bei klarem Wetter hat man ein tolle Sicht

Sir Henrys Horizon Pool: Bei klarem Wetter hat man ein tolle Sicht

 

Über dem Spa-Bereich viel Holz und Glas der Suiten

Über dem Spa-Bereich viel Holz und Glas der Suiten

 

Der Spa-Bereich mit Ruheraum, Dampfbad und großzügiger Finnischer Sauna ist überschaubar groß, bietet aber einen Blick ohnegleichen

Der Spa-Bereich mit Ruheraum, Dampfbad und großzügiger Finnischer Sauna ist überschaubar groß, bietet aber einen Blick ohnegleichen

Oder man blinzelt einfach zu ein, zwei Gläsern Weißwein durch die dicke Sonnenbrille in das Winter-Gleißen. Ohne jeden Fehl und Tadel ist die kulinarischen Bestückung des Luxus-Chalets. Da machten die niederländischen Besitzer keine Kompromisse und verpflichteten Armin Leitgeb als Küchenchef.

Armin Leitgeb: Verwöhnt Hotelgäste und auswärtige Feinschmecker

Armin Leitgeb: Verwöhnt Hotelgäste und auswärtige Feinschmecker

Der sympathische Enddreißiger verspricht eine Küche, die auf lokalen Produkten basiere und „eine zeitgemäße Interpretation alpenländischer Traditionen widerspiegelt“. Frühere Stationen Leitgebs waren das  „Tantris“ in München, die „Auberge de l’Ill“ der Haeberlins und Singapurs Hotellegende „Raffles“.

Zuletzt zauberte er über vier Jahre im „Les Amis“ in Singapur. Leitgebs Menue surprise? Marinierte Jakobsmuscheln mit Zitrusfrüchten und zweierlei Kaviar. Es folgt leicht geräucherter Aal mit knusprigen Schweins­kopf-Croutons und Kren sowie ein wunderbares Dreierlei vom Milchkalb. Ein Hochgenuss, für den sich auf jeden Fall die abendliche Anreise mittels Schneekatze lohnt, die Auswärtige nach Voranmeldung abholt und abends wieder sicher runterbringt.

Bringt Licht ins Dunkel!

Bei der Beleuchtung hatten die Planer kein glückliches Händchen, zumindest in unserer Test-Suite. Kein Leselicht, kein Kuschellicht. Zu funzelig oder zu grell, das sind die illuminatorischen Optionen. Über dem Küchentrakt streut ein überaus profaner Dreier-Deckenstrahler Modell Baumarkt hartes Licht.

Bei der Beleuchtung hapert es noch, zumindest in der von uns bewohnten Suite #3

Bei der Beleuchtung hapert es noch ziemlich, zumindest in der von uns bewohnten Suite #3

Die ausgesprochen sympathische General Managerin Michaela Lechthaler betonte, daran werde mit Hochdruck gearbeitet. Bleibt zu hoffen, dass diesmal Profis zurate gezogen werden. Perfekte Lichtplanung von Hotelräumen, gerade auch von großen, die anderenfalls schnell ins Hallenhafte rutschen, ist eine hohe Kunst. Sie muss punktuell passende Stimmungen schaffen und große Räume durch kleine Lichtinseln intimisieren.

Ein steiler, kurviger Waldweg führt vom Liftweg hinauf zum Sir Henry

 

Das ist der Panorama-Shuttle, ein per Joystick gesteuerte kleine Pistenraupe

 

Tschüs, Sir Henry! Die steile Rückfahrt ins Tal erfolgt im Pistenbulli aka Snow Rabbit. Auf Hotel-Denglish „Panorama Shuttle“. Shake and roll, baby!

Preis: im Sommer ab 325 Euro pro Person mit HP, im Winter ab 390


Weitere Tests von Stadt-Hotels und Chalet Resorts:

 

Über diesen Autor

Peter Pfänder

Peter Pfänder

Leidet an chronischem Fernweh, seit er 15 ist. Härtester Therapieversuch: eine 10.000-Kilometer-Radtour rund ums Mittelmeer im Alleingang im Jahr 1985. Die „itchy feet“ führten ihn während des Studiums (Politologie und Islamwissenschaften) in Tübingen und Damaskus immer wieder in den Nahen Osten. Lebte viele Monate in Jemen, Syrien und Libanon. Arbeitete als Gabelstaplerfahrer, freier Autor und Redakteur. Der Chefredakteur von „abenteuer und reisen“ liebt fremde Ufer, spannende Großstädte weltweit und exotische Küchen. Entspannt am liebsten beim Schwimmen im See oder Meer, beim Stand-up-Paddling im Sommer wie im Winter, bei Mountainbike-Touren – und in der Sauna.

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