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abenteuer und reisen | Ausgabe 11/2016 | Kleine Leseprobe - Blättern Sie mal rein

MitunbewegtemGesichtsurrtderMannaufmichzu. Sein Blick wischt unaufhörlich wie ein Laserstrahl überdenBoden.AlarmiertfasseichinmeineTasche. Gott sei Dank – das grellbunte Kaugummipapier ist noch da. Der Mann auf dem Segway scheint eine Art futuristischerMüllmannzusein.KleinsteFitzelchen fischt er mit seinem Greifarm geschickt vom stäub- chenfreienBürgersteig.VondiesemBodenwürdeich essen. Ich stehe vor dem Dongdaemun Design Plaza im Zentrum von Seoul. Das Designzentrum, gebaut von der erst im März verstorbenen Architektin Zaha Hadid,istgigantischwieeinRaumschiffundamorph geformt wie ein atomar aufgeblasenes Pantoffeltier- chen in Silberfolie. EINE DER HIPPSTEN MEGA-METROPOLEN DER WELT Spätestens seit dem Video zum Superhit „Gangnam Style“giltSüdkoreasHauptstadtalseinederhippsten Städte der Welt. Gut 10 Millionen Menschen teilen sichknappdiedoppelteFlächevonMünchen.Auffal- lend langsam schieben sie sich an den Glasfassaden der Shoppingzentren und Geschäftshäuser vorbei. DasFußgängertempoinSeoulliegtdefinitivnäheran Tübingen als an Tokio. Und es ist ruhig: kein lautes Lachen,keinübermütigesSchubsen.Niemandküsst sich, niemand hupt. Nicht mal einer der üblichen Großstadtirren wankt lallend herum. Die Stadt ver- zieht keine Miene. Es ist, als trage Seoul eine Maske. Ich hingegen verliere schon eine Viertelstunde später die Fassung. Beim Bibimpap, dem würzigen ReistopfmitGemüseundFleisch,aufdemeingelbes Spiegelei leuchtet, schniefe ich, als ob sich gerade meine Lieblingsband aufgelöst hätte. Das Zeug ist saumäßig scharf. Das urige Restaurant im Unterge- schoss des Ssamgigil-Do-it-yourself-Marktes an der Insadong-Fußgängerzone habe ich angesteuert, weil es mit seinen Holzbänken und langen Tafeln irgend- wie warmherzig wirkte. Hier hoffe ich, der Seele der Stadt etwas näherzukommen. Immerhin tragen die Kellnerinnen Rüschenschürzen und haben den soli- denEinheitspagenschnitt,derFrauenab40indieser Stadt zu verbinden scheint. Diese Frauen werden in Korea wenig schmeichel- haft„Ajumma“genannt–etwa:strengeTante.Mitih- nenistnichtzuspaßen,wieichsogleichbemerke.Wie in allen asiatischen Ländern darf man in Korea beim M abenteuer und reisen 11 I 2016 2 3

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