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abenteuer und reisen | Ausgabe 11/2016 | Kleine Leseprobe - Blättern Sie mal rein

Kirgisistan 124 abenteuer und reisen 11 I 2016 Pusteundzugleichauchsichtlichstolzauf seineEntdeckung.InderTat,derWeg,den der Leopard einschlug, stellt die kürzeste Verbindung zwischen zwei Felsmassiven dar, in denen die Expedition vom Vorjahr jeweilsSteinböckegesichtethatte.Unddie agilen Paarhufer sind die Lieblingsmahl- zeit der seltenen Großkatzen … DAS LERNZIEL: DENKEN WIE EIN SCHNEELEOPARD „So zahlt sich die Grundlagenforschung nach und nach aus“, freut sich Tytar. Mit Expeditionsgästen aus Deutschland und Australien wird die Spur sorgfältig ver- messen,eswerdenKoordinatenbestimmt unddannKamerafalleninstalliert,diemit BewegungssensorendaswildeLebenhier oben festhalten werden. Und hoffentlich macht dabei auch ein Schneeleopard un- bemerkt das eine oder andere Selfie. Wir sind die erste von drei Gruppen, die den Sommer über für jeweils zwei Wochen FaunaundFloraindiesenHochtälerner- forschen.EinedernächstenGruppenwird die Kameras wieder abholen. Das gemeinsame Forschen von Laien und Profis ist inzwischen gute Tradition. Biosphere Expeditions wurde 1999 vom Deutschen Matthias Hammer gegründet, nachdem er während des Biologiestudi- ums in Oxford an diversen Expeditionen teilgenommen hatte. Mittlerweile führt diebritisch-deutscheNon-Profit-Organi- sation in immerhin 13 Projekten auf der ganzenWeltWissenschaftlerundLaienin Naturschutzprojektenzusammen.Impe- ruanischen Amazonas-Gebiet stehen Ja- guareundAffenimFokus,aufSumatradie Tiger(wirberichteteninHeft9/2016)und im Hochland von Kirgisistan mit dem Schneeleoparden eine der am wenigsten erforschten Tierarten überhaupt. „Nie- mand weiß genau, wie viele es eigentlich nochsind“,soExpeditionsleiterinMalika Fettak abends im Basecamp. Positive Schätzungen gingen von 300 Tieren aus. Weil der Lebensraum der an- mutigen Jäger so hoch und abgelegen ist, steht unser Basislager bereits auf einer Höhe von 3.000 Meter. Küchen, Gemein- schafts- und Schlafzelte, die Toiletten- und Duschzelte verteilen sich dabei in ei- nemMeerausBlumen,diesichdieSchaf- und Pferdeherden, die hier im Hochland ihrenSommerverbringen,nachundnach einverleiben werden. Während die Teilnehmer auf anderen Biosphere-Expeditionen in Hütten oder einfachenLodgesrelativkomfortabelwoh- nen,wirdindenbeinahemenschenleeren Hochtälern des Tian-Shan-Gebirges ge- campt. „Was den Komfort sowie tägliche Aktivitäten anbelangt, ist die Tian-Shan- ExpeditionfürTeilnehmersicherdaskör- perlichforderndsteallerProjekte“,räumt Nach ein paar Tagen in der Wildnis sind sogar bei mir die Sinne geschärft. Beim erstenungeschicktenUmhertapsendurch das hüfthohe Blumenmeer der Bergwie- sen hätte ich die Tierwelt des Tian Shan nicht bemerkt, wenn Vögel, Murmeltiere undSteinböckesichzwitschernd,pfeifend und blökend vor mir aufgebaut hätten. Jetzt aber, auf unserer dritten Tages- tour, kann ich den Ruf des Schneehuhns, derandenstotterndenMotoreinesalters- schwachenTraktorserinnert,bereitskor- rekt zuordnen.IchmacheandenFelsgra- ten der schroffen Berggiganten zwischen denTürmchenundZinnendieHörnerder Steinböcke aus. Und entdecke die feisten Murmeltiere manchmal schon, bevor sie unssehenundmiteinemlautenWarnpfiff in ihren unterirdischen Behausungen verschwinden. Verräterisch ist nur das matschige Ge- räusch bei jedem meiner Schritte. In Er- wartung trockenen Wüstenklimas hatte ich die regendichten Schuhe daheim ge- lassenundhabenachdemzweitenRegen- schauer heute längst schon wieder nasse Füße. Hätte ich doch mal besser die Aus- rüstungsliste studiert! AuchwennichnuneinSchneehuhner- kenne, von der wahren Meisterschaft bin ich noch weit entfernt: zu denken wie ein Schneeleopard. Dr. Volodya Tytar aus der Ukraine ist da schon um einiges weiter! Zehn Kilometer sind wir an diesem Mor- gen bereits durchs enge Issyk-Ata-Hoch- talgewandertundhabendenGletscheram Talschlussfasterreicht,dableibtderdank BrilleundBäuchleinsoharmloswirkende Zoologe plötzlich stehen und stützt sich mit beiden Händen konzentriert auf den bleichen Baumast, den er als Wanderstab benutzt. Dann stapft er kurz einen Hang hinauf und findet dort auf einem kleinen Schneefeld die Abdrücke dicker Tatzen. „Wenn ich Schneeleopard wäre, hätte ich auchdiesenWeggenommen“,entfährtes demBiologenvonderAkademiederWis- senschaften in Kiew, noch etwas aus der N 1

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